Canadian Bacon

Canadian Bacon

Eine Filmkritik von Jean Lüdeke

Mal ein anderer Kalter Krieg

Keinen Zweifel — die McCarthy-Ära hätte ihre wahre Freude an derzeit Amerikas ungeliebtesten Filmemacher Michael Moore gehabt. Kritiker reklamieren vor allem, seine Filme seien aufgrund der Subjektivität der Darstellung keine Dokumentationen und seine Bücher enthielten überdies sachliche Fehler. Ebenso wird er wegen angeblich künstlich inszenierter und, im Sinne Moores, missverständlich geschnittener Szenen angeprangert. Aufgrund seiner politischen Brisanz stand besonders der Film Fahrenheit 9/11 in der Kritik. Speziell die politische Rechte in den USA lehnte seine filmische Version über den Twin Tower-Supergau kategorisch ab. So bezeichnete die konservative Organisation „Move America Forward“ Moores Werk als „Rekrutierungsvideo für Al Qaida, das nicht in unsere Kinos gehört“.
Etwas grotesker aber dennoch utopischer geht der 52jährige Oscar-Gewinner in seinem Abgesang auf den American Way of Life, Canadian Bacon, vor: Der allseits verehrte Präsident der Vereinigten Staaten hat wieder einmal Probleme: Wirtschaftsflaute, Kürzung der Militärausgaben und obendrein ist er der bisher einzige 1. Mann im Staate, der noch keinen Krieg angezettelt hat. Die beste Lösung: Ein neues Feindbild. Leider sind die guten alten Bösen alle tot und die Nachfolger spielen nicht mit. Da qualifizieren sich durch eine Massenschlägerei in einem Hockeystadium, ausgelöst durch die Beleidigung ihres Nationalbieres, die sonst so friedliebenden Kanadier einer Stadt an den Niagarafällen zum ungeahnten Ablenk-Potential. Der Präsident setzt seine Unterschrift drunter, und die Propaganda-Maschinerie setzt sich gnadenlos in Bewegung…

Da die nördlichen Nachbarn, im Grunde als 51. Staat gezählt, ein recht freundliches Volk sind, werden alle, auch wörtlichen Waffen, aufgefahren, um diese Provokation überdeutlich zu exponieren. Dem Weißen Haus schwebt ein jahrelanger Kalter Krieg mit Kanada vor, denn ein echter wäre in spätestens einer Woche erledigt und somit die alten Probleme wieder da.

Eine wunderbare und satirisch amüsante Groteske über Dumpfnasen, Spießer und Rassisten in einem saukomischen Szenario, das Tom Sharpe (Der Puppenmord) nicht besser hätte entwerfen können. Moores einziger Spielfilm (1995) kommt glücklicherweise ohne dämliche Grimassen, dysfunktionale Körpereigenschaften oder abgetrennte Gliedmaßen aus. Wieder einmal mehr ein Moorescher Paukenschlag im verstimmten US-Orchester. Eine kompromißlose Abrechnung mit Politik, Bildung und Medien. Und John Candy (Allein mit Onkel Buck) glänzt in seiner letzten Rolle durch seine ganz spezielle, umwerfende Komik.

Canadian Bacon

Keinen Zweifel — die McCarthy-Ära hätte ihre wahre Freude an derzeit Amerikas ungeliebtesten Filmemacher Michael Moore gehabt.
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