Buffalo Soldiers 44 - Das Wunder von St. Anna

Buffalo Soldiers 44 - Das Wunder von St. Anna

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Die vergessenen Kämpfer der US-Army

Bob Marley hat ihnen einst mit dem Song Buffalo Soldier ein musikalisches Denkmal gesetzt. Weil die langen Rastalocken aussähen wie das Fell von Büffeln, nannten die Indianer die farbigen Soldaten in den Reihen der Nordstaaten so. Seit jener Zeit steht der Titel für all die farbigen Soldaten in den Reihen der US-Army, die im Ersten und Zweiten Weltkrieg für die USA kämpften und deren Geschichte dennoch in Kriegsfilmen, die jene Epochen beschreiben, unerzählt bleibt und bis heute weitgehend totgeschwiegen wird. Dass sich ausgerechnet Spike Lee diesem Thema in einem Spielfilm angenommen hat, verwundert wenig, sondern folgt vielmehr einem roten Faden im Werk des Filmemachers, der immer wieder Rassendiskriminierung und die Lage der Afroamerikaner thematisiert hat. In Buffalo Soldiers 44 - Das Wunder von St. Anna erzählt Lee die Geschichte von vier farbigen US-Soldaten in den Wirren des Zweiten Weltkrieges.
Italien im Jahre 1944: In der malerischen Toskana toben erbitterte Kämpfe um die Verteidigungslinien der deutschen Wehrmacht, die den Vormarsch der US-Army mit allen Mitteln aufhalten will. Während eines Angriffs werden die vier afroamerikanischen Soldaten Aubrey Stamps (Derek Luke) Bishop Cummings (Michael Ealy), Sam Train (Omar Benson Miller) und Corporal Hector Negron (Laz Alonso) von ihrer Einheit abgeschnitten und müssen sich nun allein durchschlagen. Zum Glück treffen sie auf den italienischen Jungen Angelo (Matteo Sciabordi), dem sie das Leben retten und mit dessen Hilfe sie nach einigen Irrwegen in ein idyllisches Dorf gelangen. Colognora, so der Name des Weilers, wirkt inmitten der Wirren des Krieges wie ein paradiesisches Eiland, in dem die Soldaten zum ersten Mal so etwas wie Freundschaft und Wertschätzung erfahren. Doch der Friede ist ein nur ein trügerischer, längst rüstet die Wehrmacht zum Gegenschlag, so dass die US-Boys gemeinsam mit der Bevölkerung von Colognora zu den Waffen greifen müssen. Und während sich der Belagerungsring immer enger um das Dorf zieht, versucht auch die US-Army, ihre Soldaten zu retten...

An den US-Kinokassen floppte der mit einem Budget von 33 Millionen US-Dollar nicht gerade billige Film recht gnadenlos und verschwand binnen kurzer Zeit wieder von den Leinwänden, während er diese in Deutschland gar nicht erst erreichte, sondern mit einiger Verzögerung direkt auf DVD herauskam. Schaut man sich die DVD nun an, liegen die Gründe für den Misserfolg des Films auf der Hand – in gekonnt inszenierten Bildern, die selten Langweile aufkommen lassen, hat Spike Lee viel zu viel hineingepackt: Neben dem Grundthema der Rassendiskriminierung in der US-Army will sein Film zugleich Kriegs- und Antikriegsfilm sein, er will eine wahre Geschichte erzählen (jene des Massakers in dem Örtchen Sant' Anna, auf den der Originaltitel The Miracle at St. Anna hinweist), will unterhalten und aufklären und flicht ganz nebenbei noch eine recht unglaubwürdige Liebesmär ein, die fatalerweise an Eddie Murphys Achtziger-Dumpfbacken-Charme erinnert. Mit diesem Potpourri setzt sich Spike Lee zwischen alle Stühle und schafft es am Ende nicht, aus den vielen, für sich genommen durchaus überzeugend umgesetzten Zutaten ein Menü zu kreieren, dass die Erwartungen an den einstigen Kultregisseur erfüllt.

Dennoch bietet Buffalo Soldiers 44 solide und streckenweise gut inszenierte Unterhaltung, die einmal mehr versucht, den roten Faden in Spike Lees bisherigem Werk aufzugreifen und weiterzuspinnen: Fast immer geht es in Lees "Joint" (so nennt er seine Filme auch heute noch) auch darum, neben einer mehr oder minder unterhaltsamen Geschichte ein Bild der immer noch von Rassismus geprägten US-amerikanischen Gesellschaft und die nach wie vor bestehenden Missstände zu zeichnen.

In den letzten Jahren aber scheint das in den Filmen Spike Lees immer mehr in den Hintergrund zu treten, stattdessen sind Werke wie Inside Man und nun auch Buffalo Soldiers 44 vor allem mehr oder minder lupenreine Genrefilme, die wohl die etwas aus dem Tritt gekommene Karriere des einstigen Kultregisseurs wieder in Schwung bringen sollen. Ob diese Strategie aufgeht, ist bislang eher fraglich. Dass Spike Lee sein Handwerk nach wie vor beherrscht, steht außer Frage, der große Wurf ist ihm aber auch mit Buffalo Soldiers 44 definitiv nicht gelungen – zu verworren und undurchsichtig sind die verschiedenen Elemente geraten, zu unstet pendelt der Film unentschieden zwischen den Genres und Subplots hin und her. Vielleicht sollte er sich einfach wieder auf seine Stärken besinnen, die ihn einst groß gemacht haben. Von denen sieht man in diesem Film leider viel zu wenig.

Buffalo Soldiers 44 - Das Wunder von St. Anna

Bob Marley hat ihnen einst mit dem Song "Buffalo Soldier" ein musikalisches Denkmal gesetzt. Weil die langen Rastalocken aussähen wie das Fell von Büffeln, nannten die Indianer die farbigen Soldaten in den Reihen der Nordstaaten so.
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