Boomer - Überfall auf Hollywood

Boomer - Überfall auf Hollywood

Eine Filmkritik von Martin Beck

Ein Hund rettet alles

Einen „granatenharten Action-Knaller“ verspricht das Cover von Boomer – Überfall auf Hollywood und zeigt dazu Ken Der Söldner Wahl in entschlossener Wurfpose. Er spielt in dem Film nämlich einen Football-Star, weswegen seine bevorzugte Angriffsmethode auch das Werfen ist – z.B. von Molotow-Cocktails, Ninja-Sternen oder Steinen. Selbst wenn an seiner Schulter eine einsatzbereite MG baumelt.
Wer aufgrund des ulkigen Namens des Films ein episches Hundedrama erwartet, hat die Rechnung ohne Stirb Langsam gemacht. Jener Film war so durchschlagend erfolgreich, dass in den Jahren darauf alle Actionfilme irgendwas mit einem einsamen Helden im Kampf gegen eine bösartige Übermacht zu tun hatten. So wie eben auch Boomer, der als einziger in Beverly Hills zurückbleibt, als das Stadtviertel nach einem fingierten Tanklaster-Unfall evakuiert und von einer Bande ehemaliger Polizisten ausgeraubt wird.

Also: Stirb Langsam in Hollywood. Die Nakatomi Plaza heißt diesmal Beverly Hills und ansonsten läuft alles genauso ab wie man es von einem okayen Rip Off erwarten darf: Dämliche Dialoge, kaum motivierte Action und ein Hauptdarsteller mit granatenstarker Vokuhila-Matte. Ken Wahl war bei Boomer bereits auf dem absteigenden Ast und präsentiert sich als dezent gelangweilter Actionheld, den nicht einmal Pamela Andersons allererster Filmauftritt aus der Lethargie reißen kann. Stirb langsam, auch bezogen auf die Kinokasse. Der Film floppte so deutlich, dass Ken Wahl danach nur noch drei weitere Auftritte gegönnt wurden.

Boomer hat einfach kaum herausragende Besonderheiten, außer natürlich den dämlichen Titel. Und einen Tanklaster, dessen Inhalt zutreffend mit „toxic chemicals“ angekündigt wird. Und einfach unglaublich viel Action, vorzugsweise mit Autos – die hier heiß um die Ecken heizen, zusammenstoßen, sich überschlagen, ausbrennen und so weiter. Der ganze Film ist voll davon, fast so, als hätte Regisseur Sidney J. Furie, der in seiner Karriere schon ganz viel kaputt machen durfte, einen „schrotte 10, krieg 5 für umme“-Deal an Land gezogen. Wer sowas wie Der stählernde Adler 4 verantworten kann, weiß um die Bedeutung eines lauten Abgangs.

Die von Ascot Elite herausgebrachte DVD und Blu-Ray von Boomer sind tatsächlich die ersten digitalen Veröffentlichungen des Films überhaupt. Erst letzten Monat erschien vom gleichen Label Malone, ebenfalls als digitale Premiere, so dass wohl irgendwo, irgendwie ein Markt für vergessene B-Action vermutet werden muss. Die Präsentation des Films geht absolut in Ordnung, zumindest in Anbetracht des Alters der Produktion, und niemand wird sich an der Tatsache stören, dass alles nach dem Tanklaster-Unfall in einer Bauruine in Mexiko City gedreht wurde. Ja ja, ist klar, ein granatenstarker Action-Knaller – sofern man denn in der Lage ist, den Zahn vieler Jahre als vergessenes Kleinod aus der Hochzeit knarziger Männer-Action auszulegen.

Boomer - Überfall auf Hollywood

Einen „granatenharten Action-Knaller“ verspricht das Cover von „Boomer – Überfall auf Hollywood“ und zeigt dazu Ken „Der Söldner“ Wahl in entschlossener Wurfpose.
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