47 Meters Down: Uncaged (2019)

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Teenager als Haifutter! In seinem neuen Film schickt Regisseur Johannes Roberts blinde Raubfische auf die Jagd nach jungen Taucherinnen, die eine Unterwasserhöhle erforschen. Kann der Survival-Thriller sein Setting sinnvoll nutzen?

47 Meters Down: Uncaged (2019)

Eine Filmkritik von Christopher Diekhaus

Kein Durchblick

Dass man mit einem simpel gestrickten Tierschocker die Nerven des Zuschauers erfolgreich kitzeln kann, bewies Alexandre Aja erst kürzlich in seinem dynamisch inszenierten und gut getricksten Alligatoren-Albtraum „Crawl“. Ähnliches gelang seinem Kollegen Johannes Roberts („The Strangers: Opfernacht“) 2017 mit dem Haihorrorfilm „47 Meters Down“, der im direkten Vergleich allerdings das Nachsehen hat. Da der Survival-Streifen damals ein Vielfaches seiner überschaubaren Produktionskosten einspielte, erreicht nun eine Fortsetzung die Kinosäle. Um ein Sequel im eigentlichen Sinne handelt es sich dabei jedoch nicht. Während diverse Crew-Mitglieder des Vorgängers erneut beteiligt waren, erzählt „47 Meters Down: Uncaged“ nämlich von gänzlich anderen Figuren. Unverkennbar soll der Titel hier als Lockmittel dienen, um Fans des ersten Teils zu mobilisieren.

In tödliche Schwierigkeiten geraten dieses Mal die Außenseiterin Mia (Sophie Nélisse) und ihre Stiefschwester Sasha (Corinne Foxx, die Tochter von Oscar-Preisträger Jamie Foxx), die mit ihrer Familie nach Mexiko gezogen sind. Weil sich die Mädels nur wenig zu sagen haben, möchten ihre Eltern das Eis brechen und schenken ihnen Eintrittskarten für eine Bootstour, auf der man Haie in freier Wildbahn beobachten kann. Von ihren Freundinnen Nicole (Sistine Rose Stallone, Tochter von Action-Altstar Sylvester Stallone) und Alexa (Brianne Tju) lässt sich Sasha am Tag des Ausflugs aber zu einem aufregenderen Trip überreden und schleppt die anfangs wenig begeisterte Mia kurzerhand mit.

Zusammen wollen die vier jungen Frauen ein unter Wasser stehendes Höhlensystem erkunden, das eine versunkene Maya-Stadt beherbergt. Praktischerweise – ein arg bequemer Zufall des Drehbuchs – liegt für einen geplanten Archäologen-Besuch bereits das benötigte Tauchequipment offen zugänglich aus. Mia, Sasha und die anderen brauchen also nur hineinzuschlüpfen. Ihr abenteuerlicher Streifzug durch das Labyrinth nimmt eine lebensbedrohliche Wendung, als sie in den dunklen Fluten auf blinde Haie mit geschärften Sinnen stoßen und der Höhleneingang plötzlich einstürzt.

Lächerlich ist der halbherzige Versuch im Anfangsdrittel, so etwas wie Charakterzeichnung zu betreiben. Mia wird als Mobbingopfer eingeführt, ebenso wie Sashas ablehnende Haltung gegenüber ihrer uncoolen Stiefschwester. Nach kurzer Zeit lösen sich die Spannungen zwischen den beiden allerdings in Schall und Rauch auf.. Was genau der pseudodramatische Konflikt bezwecken soll, wissen wohl nur Johannes Roberts und Ko-Drehbuchautor Ernest Riera, die bereits den Ursprungsfilm gemeinsam zu Papier brachten. 47 Meters Down: Uncaged gibt seinen Protagonistinnen wenig Luft zum Atmen und macht es dem Betrachter alles andere als schwer, zu erraten, welche der vier Damen als Erste dran glauben muss.

In einem Survival-Schocker wären klischierte Figuren kein Problem, wenn Inszenierung und Atmosphäre durchweg ansprechend daherkämen. Die Flucht durch die Gänge und die Ritzen der Höhle ist mitunter zwar schon ein wenig unheimlich. Schweißnasse Hände dürften aber bloß echte Klaustrophobiker bekommen. Zu oft setzt der Regisseur auf routinierte, von lauten Paukenschlägen begleitete Schockeffekte. Und zu häufig ist auf der Leinwand nicht richtig zu erkennen, was gerade vor sich geht. Wenn man das Geschehen ständig nur erahnen kann und man andauernd darüber rätselt, wer mit wem agiert, sackt das Interesse zwangsläufig ab. Bezeichnend für den ganzen Film ist, dass er den weitgehend uninspiriert abgewickelten Überlebenskampf auf den letzten Metern noch einmal künstlich aufbauscht und nicht den Mut hat, die Geschichte mit einer angedeuteten bösen Pointe zu beenden. Die Chance, sich zumindest ein wenig ins Gedächtnis des Betrachters zu graben, wird leichtfertig verschenkt.

47 Meters Down: Uncaged (2019)

Im Sequel von „47 Meters Down müssen fünf Backpacker, die sich auf einer Tauchtour zu einer versunkenen Stadt befinden, erkennen, dass sie dort nicht allein sind.

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