Zuo You

Zuo You

Eine Filmkritik von Katrin Knauth

Berlinale 2008: Wettbewerb

Nach dem furiosen Auftakt der Berlinale mit den Rolling Stones und Martin Scorsese befasst sich der Wettbewerb nun mit den ernsten Dingen des Lebens, den Problem- und Konfliktlagen der heutigen Gesellschaft. Der chinesische Beitrag Zuo You / In Love We Trust von Wang Xiaoshuai ist ein Film, der sich dem traurigen Schicksal einer jungen Mittelklasse-Familie in China zuwendet. Erzählt wird die Geschichte eines krebskranken Kindes. Zur Rettung ihrer Tochter beschreitet die Mutter recht ungewöhnliche Wege.
Der Film beginnt mit einer Wohnungsbesichtung in einem dieser trostlosen Neubaugebiete Pekings. Die Immobilienmaklerin Mei Zhu (Liu Weiwei) bekommt einen Anruf, woraufhin sie schnell nach Hause fährt. Ihre fünfjährige Tochter Hehe (Zhang Chuqyan) hat wieder einen heftigen Fieberanfall. Das geht nun schon seit Wochen so, schließlich fahren sie ins Krankenhaus, wo sie mit einer bitteren Diagnose konfrontiert werden: Hehe ist lebensgefährlich an Leukämie erkrankt. Das Kind kann nur mit einer Knochenmarkstransplantation gerettet werden. Doch als Spender kommen nicht die Eltern, sondern bestenfalls ein Geschwisterchen in Frage.

Was tun? Schnell ein Kind zeugen? Wenn das so einfach wäre! Schließlich ist Mei Zhu vom Vater der Tochter geschieden und mittlerweile mit einem anderen Mann, Lao Xie (Cheng Taisheng), verheiratet. Auch Mei Zhus Exmann Xiao Lu (Zhang Jiayi) hat eine neue Frau, die Flugbegleiterin Dong Fan (Yu Nan), die sich nichts sehnlicher als ein eigenes Kind von ihm wünscht. Beide Paare führen mehr oder minder glückliche Ehen, leben zumindest ihre separaten Leben und haben nichts miteinander zu tun – bis zur Krankheit von Hehe, denn sie ist das Kind aus erster Ehe, der von Mei Zhu und Xiao Lu. Um Hehe zu retten, müssten die beiden erneut ein Kind zeugen und genau das verlangt Mei Zhu von ihrem Exmann. Ein Dilemma. Das todkranke Kind auf der einen Seite, aber die Absurdität der Lösung auf der anderen. Beide Paare haben fortan schwierige Krisen zu bewältigen, die von Wang Xiaoshuai jedoch bemerkenswert aufgelöst werden.

Yu Nan, die die Rolle der neuen Frau von Xiao Lu spielt, war übrigens auch auf der letzten Berlinale zu sehen. Da hat sie Tuya in Tuyas Hochzeit / Tu ya de hun shi von Wang Quan’an gespielt, der dafür den Goldenen Bären gewonnen hatte. Da war sie als Bäuerin in dicken Wattejacken eingepackt in der Mongolei zu sehen. In Zuo You spielt sie die moderne Frau von heute, das verwöhnte Luxusmäuschen, dabei sieht sie so verwandelt aus, dass sie kaum wieder zu erkennen ist.

Wang Xiaoshuai hat eine brillante Beobachtungsgabe und wenn er uns das Leben der vier Protagonisten vor Augen führt, dann bekommen wir einen sehr aufschlussreichen Einblick in Chinas Gegenwart zu sehen. Es sind viele Details, die sich darunter subsumieren. Anderseits ist die Geschichte an sich sehr universell und könnte sich überall abspielen. Ein Kind mit dem geschiedenen, neu verheirateten Mann zu zeugen, bringt sicher in jedem Kulturkreis Probleme mit sich. Natürlich kommt in China das Problem der Ein-Kind-Ehe hinzu, aber auch ein zweites Kind ist möglich, auch wenn es das Leben nicht gerade erleichtert.

Der Regisseur Wang Xiaoshuai, einer der talentiertesten jungen chinesischen Filmemacher der Sechsten Generation, war 2001 schon einmal im Berlinale Wettbewerb mit Bejing Bicycle vertreten, für den er den Silbernen Bären gewonnen hatte. Wie schon Bejing Bicycle spielt auch Zuo You in der chinesischen Gegenwart. Auch wenn es kein rein politischer Film ist, werden doch viele Probleme Chinas angesprochen, sei es die Ein-Kind-Politik und deren Folgen oder die Ausbeutung der Wanderarbeit. Es bleibt abzuwarten, ob ihm dieser Ansatz einen der begehrten Preise beschert.

Zuo You

Nach dem furiosen Auftakt der Berlinale mit den Rolling Stones und Martin Scorsese befasst sich der Wettbewerb nun mit den ernsten Dingen des Lebens, den Problem- und Konfliktlagen der heutigen Gesellschaft.
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