Mr. Shi und der Gesang der Zikaden

Mr. Shi und der Gesang der Zikaden

Eine Filmkritik von Katrin Knauth

Eine schwierige Vater-Tochter-Beziehung

Dem Filmtitel gemäß steht im Mittelpunkt Mr. Shi (Henry O), ein verwitweter Rentner aus China, der nach 12 Jahren Trennung seine einzige in der USA lebende Tochter Yilan (Faye Yu) besucht. Schon beim Wiedersehen am Flughafen prallen zwei Welten aufeinander: Das traditionelle China und der moderne Westen, den Yilan längst in sich aufgesogen hat. Sie spricht nicht nur fließend Englisch, sondern ist in ihrem ganzen Benehmen längst zur Amerikanerin geworden. Was natürlich um so befremdlicher auf ihren Vater wirkt, der sich lieber heute als morgen das Rot-China der Kommunisten zurückwünscht und auf alte Werte pocht.
Yilan, benannt nach einem Ort in China, ist ein sehr einsame Frau, die zurückgezogen in einer kleinen Siedlung am Stadtrand lebt. Sie verbringt ihre Abende lieber allein im Kino und wartet sehnsüchtig auf die Anrufe von Boris (Pasha Lychnikoff), dem Russen, mit dem sie eine unglückliche Affäre führt. Sie ist sehr ruhig und nahezu geheimnisvoll wenn es um das Thema Männer geht und reagiert sehr ungehalten, wenn ihr Vater sie darauf immer wieder anspricht. Hier prallen nicht nur unterschiedliche Kulturen aufeinander, sondern auch zwei weit auseinander liegende Generationen.

Mit Mr. Shi, der auf einer Kurzgeschichte von Yiyun Li basiert, kehrt Wayne Wang zu seinen chinesischen Wurzeln zurück. Er selbst wanderte gleich zweimal in die USA aus, einmal zum Film- und Malerei-Studium am California College of the Arts and Crafts in Oakland und ein zweites Mal Anfang der 1980er Jahre nachdem er einige Jahre in Hongkong beim Radio gearbeitet hatte. Kein Wunder also, dass er sich mit Yilan identifiziert, deren chinesischer Mann nach Peking zurückkehrte, während sie in den USA blieb.

Wangs Debütfilm war sein College-Abschlussfilm A Man, a Woman, and a Killer (1975). Sein zweiter Film Chan ist verschwunden drehte er sieben Jahre später basierend auf den Erfahrungen, die er als Sozialarbeiter mit jungen asiatischen Immigranten in San Franciscos Chinatown machte. Seitdem hat er über fünfzehn Filme in seiner amerikanischen Wahlheimat gedreht und gilt inzwischen als eine der Schlüsselfiguren des amerikanischen Independent-Kinos.

Mr. Shi und der Gesang der Zikaden

Dem in Hongkong geborenen und in den USA lebenden Regisseur Wayne Wang ist die diesjährige Retrospektive der Hofer Filmtage (23. bis 28. Oktober 2007) gewidmet.
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Meinungen
Jens · 29.10.2007

In Hof geshen. Ein wunderbarer Film, eine sehr interessante Retro und ein sympatischer Regisseur. Eigentlich das Highlight in diesem Jahr in Hof.

Kommentare

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