Jazz an einem Sommerabend (1959)

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Die Größen des Jazz beim Newport Jazz Festival 1958 – und wir sind dabei, bei der Musik und in der Atmosphäre. Denn Jazz an einem Sommerabend“ ist einer der besten Konzertfilme, die es geben kann.

Jazz an einem Sommerabend (1959)

Eine Filmkritik von Harald Mühlbeyer

Jazz lebt

Jazz, Jazz, Jazz: Die Luft, das Wasser – alles flirrt von Musik, von Leichtigkeit, von Spontanität, von Freiheit. Jazz an einem Sommerabend“ porträtiert das Newport Jazz Festival vom Juli 1958 – und er tut so viel mehr als das. Louis Armstrong und Thelonious Monk, Dinah Washington und Mahalia Jackson – und viele weitere Größen des Jazz‘ spielen auf, zu hören sind verschiedenste Stile inklusive Gospel bis hin zu Chuck Berry: Der Rock’n’Roll ist ja auch nur schneller, harter Blues. Die Kameras fangen die Musiker ein, die Reaktionen des Publikums, allein das wäre schon ein filmisches Fest, weil man gerne dabei gewesen wäre. Selbst, wenn man kein ausgesprochener Jazzaficionado ist.

Doch die Regisseure Bert Stern und Aram Avakian kombinieren ihre Fähigkeiten optimal: Stern ist eigentlich Mode- und Werbefotograf, Avakian hat den Film auch geschnitten. Und das innige Miteinander von Bildern und Bildfluss ist die perfekte Ergänzung zur Musik. Denn die beiden bleiben für ihren Film nicht an der Bühne. Sie fangen Bilder ein, wie ein Musiker-Ensemble im offenen Wagen durch die Gegend fährt und Dixieland spielt, wie in Newports Straßen die Freude des Sommers ankommt, alles cool, alles entspannt, auch vom America’s Cup-Yachtrennen – ohne kommentierende Worte, nur getragen von der Musik, von Rhythmus, von filmischer Montage.

Musikfilme, insbesondere Konzertfilme, sind oft nur abgefilmte Bühnenperformances, allerbestenfalls ein historisches Zeugnis großer Stars – doch dadurch zunächst lediglich eine Kopie, die im Betrachter und Zuhörer vor allem den Wunsch erweckt, Zeit und Ort manipulieren zu können, um dabei gewesen zu sein. Doch es gibt einige Konzertfilme – die ewigen Meisterwerke –, die ausgehend vom Erlebnis die Bühnendarbietungen transzendieren. Woodstock wäre das ikonische Beispiel: als Manifest einer ganzen Generation, das aus dem Festival einen ganz eigenen Film-Mythos machte. Jazz an einem Sommerabend, zehn Jahre nach Woodstock, gelingt dieses filmische Surplus ebenfalls. Weil nicht nur Musik, sondern Atmosphäre erzeugt wird. Und dies, indem die Atmosphäre des Jazzfestivals nicht nur eingefangen, sondern verdichtet, verstärkt und geschärft wird.

Zwischendurch gibt es eine Party. Die Kamera folgt den jungen Menschen, fängt sie ein, wir lernen einige kennen. Einer hat Probleme mit dem Biernachschub, andere spielen Musik, es wird getanzt, auf dem Balkon, auf dem Dach, und wir sehen, wie ein Pärchen in den Dünen verschwindet… Das muss, so stellt es sich der heutige Zuschauer vor, ein unglaubliches Bild von Freiheit und Autonomie sein, in den prüden 1950er Jahren der USofA: Es ist einfach Leben, was wir hier sehen, ungezügelt, uneingeschränkt, zwanglos. so, wie es sein sollte.

Und dies alles ist enthalten in der Musik, die den Film durchswingt, eine Feier des Menschseins, des Daseins, und das alles können wir heute noch nachvollziehen, 60 Jahre später. Wir sind dabei, bei den Jazz-Stars, bei den Zuschauern, beim Geist der Freiheit und der Freude – und dies nun bestmöglich, in 4K-Restaurierung mit glanzvollem Ton.

Jazz an einem Sommerabend (1959)

Der erste und einzige Film des weltberühmten Fotografen Bert Stern (u. a. Marilyn Monroes „Last Sitting“) ist nicht nur ein herausragender Konzertfilm, sondern auch ein wunderbares Zeitdokument: Aufnahmen des Newport Jazz Festival und der America‘s Cup Segelregatta von 1958 werden mit stimmungsvollen Bildern der Stadt und Menschen in der Sommerfrische elegant kombiniert.

Auf der Bühne stehen — neben vielen anderen  Legenden wie Louis Armstrong, Gerry Mulligan, Thelonious Monk und Mahalia Jackson.

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