Die Croods - Alles auf Anfang (2020)

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Die Steinzeit ruft – oder das, was Dreamworks aus ihr macht. Die Fortsetzung der quirligen, aber nicht sonderlich tiefgründigen Animationskomödie „Die Croods“ führt die titelgebende Höhlenmenschfamilie in ein fortschrittliches Schlaraffenland und dreht sich vor allem um das Thema „Loslassen“.

Die Croods - Alles auf Anfang (2020)

Eine Filmkritik von Christopher Diekhaus

Wo das Morgen liegt

Im Rahmen eines kunterbunten und nicht gerade realistischen Steinzeitsettings erzählt die 2013 veröffentlichte Dreamworks-Produktion „Die Croods“ von einem Angriff auf die patriarchalische Ordnung, die im Film durch Grug, das Oberhaupt der titelgebenden Familie, repräsentiert wird. Zu Beginn folgen alle Mitglieder seiner Sippe der Regel, sich fast ausschließlich in der Sicherheit der Höhle aufzuhalten und alles Neue zu verschmähen. Als sich Teenagertochter Eep jedoch davonstiehlt und dem pfiffigen Waisenjungen Guy begegnet, beginnt das Fundament, auf dem Grugs Grundsätze fußen, zu bröckeln. Nach der Zerstörung ihres Zufluchtsortes sind die Croods plötzlich auf Guys Hilfe angewiesen und machen sich, den einfallsreichen Nomaden im Schlepptau, auf die Suche nach einem neuen Refugium.

Gefunden haben sie es auch am Anfang des zweiten Teils noch nicht. Und obwohl Grug mittlerweile weiß, dass Veränderungen nichts Schlechtes sein müssen, stößt dem nach wie vor etwas konservativ denkenden Anführer das Geturtel zwischen Eep und Guy übel auf. Die beiden Jugendlichen haben fast nur Augen füreinander, werfen sich andauernd Komplimente zu und vergessen immer wieder alles um sie herum. Betont ironisch, unter anderem dank einer augenzwinkernden Musikuntermalung, fängt Regisseur Joel Crawford ihre Liebe ein.

Grugs Alarmglocken läuten spätestens dann, als er durch Zufall mitbekommt, wie Guy seiner Angebeteten vorschlägt, sich von ihrer Familie zu trennen und allein nach dem Morgen, einem Ort zum Niederlassen, zu suchen. Fortuna steht dem Croods-Anführer allerdings in dieser Stunde bei. Unverhofft entdeckt der verärgert davonstapfende Grug kurz darauf eine Mauer, hinter der sich ein echtes Scharaffenland verbirgt. Ein Schlaraffenland, das Guys Pläne überflüssig machen könnte. Nach Betreten der versteckten Schutzzone stoßen die Höhlenmenschen jedoch auf Hope und Phil Bessermann, die sich ihrer fortschrittlichen Lebensweise rühmen und den eher primitiven Croods herablassend begegnen. Wie es ein weiterer Zufall will, sind die Eheleute alte Bekannte von Guys Eltern, die nun alles daran setzen wollen, ihre Tochter Dawn mit dem jungen Mann zu verkuppeln. Grug und sein Clan sind ihnen deshalb schnell ein Dorn im Auge.

Analog zum ersten Teil besticht Die Croods – Alles auf Anfang vor allem durch einen – selbst im Animationsumfeld – erstaunlichen Farbenreichtum und eine aus vielen skurrilen Details bestehende Story-Welt, die mit der realen Steinzeit erneut wenig gemeinsam hat. Allerlei Fantasiewesen bevölkern auch den zweiten Film und dürften gerade beim jüngeren Publikum für einige Lacher sorgen. Köstlich ist etwa die Enthüllung, dass es sich bei der Perücke der Großmutter in Wahrheit um ein kleines Fluggeschöpf handelt, das irgendwann als Späher zum Einsatz kommt. Ein Feuerwerk an starken Gags zündet das Sequel allerdings nicht. Häufig beschränkt sich der Witz auf markante Slapstick-Eskapaden.

Das schon im Vorgänger thematisierte Ringen zwischen Tradition und Fortschritt bekommt mit den Bessermanns eine neue Komponente. Zudem kristallisiert sich sehr früh eine Coming-of-Age-Geschichte heraus, die auf ein gerne genommenes Klischee zurückgreift: das des Vaters, der seine Tochter nicht mit einem anderen Mann ziehen lassen möchte. Die grundlegenden Konflikte haben sicher ihren Reiz, werden aber keineswegs so nuanciert und emotional berührend ausgearbeitet, wie es viele Animationswerke der Pixar-Schmiede hinbekommen.

Wenn Die Croods – Alles auf Anfang im Verlauf des zweiten Aktes eine neue Bedrohung aufmacht, schlägt der Kompass mehr und mehr in Richtung Beliebigkeit aus. Die Idee, dass die Frauen die Männer aus einer brenzligen Lage retten müssen, ist schön. Wie sich im letzten Drittel aber plötzlich Anleihen an das Genre der Superheld*innen mit überraschend düsteren Monsterfilmbildern und seichten Läuterungsmomenten vermischen, zeugt nicht von einer klaren erzählerischen Vision.

Die Croods - Alles auf Anfang (2020)

Die Fortsetzung von „The Croods“. Die chaotische Truppe um Familienoberhaupt Grug erwartet eine Herausforderung, die mindestens so erschütternd ist wie das Erdbeben, das einst seine geliebte Höhle in Schutt und Asche legte: Sie treffen auf eine andere Familie, die scheinbar in der Evolution schon ein paar Stufen weiter entwickelt ist.

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