Wim Wenders ist einer der bedeutendsten Regisseure des Weltkinos. Erste internationale Bekanntheit erlangte er mit der Verfilmung des Peter Handke-Romans Die Angst des Tormanns beim Elfmeter (Preis der Internationalen Filmkritik in Venedig). Diesem ersten Erfolg folgten eine Adaption von Nathaniel Hawthornes Der scharlachrote Buchstabe und eine Reihe dramatischer Filme über Charaktere, die an ihrer eigenen Entwurzelung zu tragen haben, darunter Alice in den Städten (1973), Falsche Bewegung (1974) und Im Lauf der Zeit (1975). Diese Filme werden mit mehreren Deutschen Filmpreisen ausgezeichnet.

Diese drei Filme, ebenso wie der Thriller Der Amerikanische Freund (1977, nach Patricia Highsmith) mit Dennis Hopper und Bruno Ganz in den Hauptrollen, setzten sich mit dem Nachkriegsdeutschland und dem Prozess seines rasanten Wandels auseinander. Aus diesen Filmen spricht Wenders‘ außerordentliche Liebe zum Kino und zur Musik des Rock ‚n‘ Roll – eine Liebe, die sich durch die Gesamtheit seines Werks zieht.

Wim Wenders wurde am 14. August 1945 in Düsseldorf geboren. Nach dem Abitur in Oberhausen studierte er Medizin und Philosophie, brach aber 1967 alles ab, um sich an der damals gerade gegründeten Hochschule für Film und Fernsehen einzutragen.

Neben seinem Studium schrieb er Film- und Musikkritiken für verschiedene Publikationen, darunter die Filmkritik und die Süddeutsche Zeitung. 1971 gehörte er zu den Mitbegründern des Filmverlags der Autoren. 1976 nahm seine eigene Produktionsfirma Road Movies die Geschäfte auf. Zwischen 1991 und 1996 war er Vorsitzender der Europäischen Filmakademie, deren Präsident er heute ist. Seit 1993 unterrichtete er an der Münchener Filmhochschule. Er erhielt die Ehrendoktorwürde der Faculté des arts et des lettres der Sorbonne und der theologischen Fakultät der Universität Fribourg in der Schweiz. Zur Zeit unterrichtet Wenders als Professor an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg. Außerdem ist er Co-Geschäftsführer der mit Peter Schwartzkopff gegründeten Produktionsfirma Reverse Angle Productions GmbH.

1978 begann Wenders mit Francis Ford Coppola zusammenzuarbeiten. Für dessen Zoetrope Studios drehte er den Film Hammett, eine fiktive Geschichte um den Kriminalschriftsteller Dashiell Hammett und einen mysteriösen Fall in San Francisco. Der Film kam schließlich 1982 nach mehreren Rückschlägen heraus, und die Erfahrungen, die mit diesem Projekt verbunden waren, erwiesen sich als Inspirationsquelle für seine kommende Arbeit, der Stand der Dinge (1982) – eine strenge Bestandsaufnahme der modernen Filmproduktion. Mit diesem Film gewann er den Goldenen Löwen für den Besten Film bei den Filmfestspielen von Venedig.

Weltweit berühmt wurde Wim Wenders mit seinem nächsten Film Paris, Texas. Es ist die Geschichte eines ereinsamten Mannes, der Frieden schließen will mit seiner turbulenten Vergangenheit. Mit diesem Film gewann der Regisseur 1984 die Goldene Palme in Cannes, hinzu kam die Auszeichnung als Bester Regisseur durch die BAFTA, die British Academy of Film And Television Arts.

Im Anschluss kehrte Wenders nach Deutschland zurück, wo er 1987 Der Himmel über Berlin drehte, ein Märchen über einen Engel, der für die Liebe einer Frau seine Unsterblichkeit aufgibt. Wenders erhielt dafür in Cannes den Preis für die beste Regie, den Europäischen Filmpreis, den deutschen Filmpreis und einen Independent Spirit Award. Die Geschichte wurde später noch einmal verfilmt als City of Angels mit Meg Ryan und Nicholas Cage.

1990 drehte Wenders sein ehrgeizigstes Projekt. Bis ans Ende der Welt kostete weit über 20 Millionen Dollar und wurde rund um die Welt, in 4 Kontinenten, gedreht. Von Verleihverträgen geknebelt, mußte Wenders den Film in einer verstümmelten kurzen Version herausbringen. Sein eigener „Director’s Cut“ sollte erst 12 Jahre später herauskommen.

1993 drehte Wenders eine Fortsetzung seiner Engelgeschichte im wiedervereinten Berlin: In weiter Ferne, so nah!. Viele Darsteller, darunter Bruno Ganz, Otto Sander und Peter Falk, waren schon im ersten Film dabei, neu hinzu kamen u.a. Heinz Rühmann, Willem Dafoe und Horst Buchholz.

Im Jahr 2000 inszenierte Wenders The Million Dollar Hotel auf der Grundlage einer tragikomischen Story des U2-Musikers Bono. Die Hauptrollen spielten Mel Gibson, Jimmy Smits, Jeremy Davies, Milla Jovovich, Peter Stormare, Amanda Plummer, Gloria Stuart und Bud Cort. Der Film gewann den Silbernen Bären bei der Berlinale.

Während seiner gesamten Karriere drehte Wenders auch eine Reihe unkonventioneller Dokumentarfilme, darunter Nick’s Film – Lightning Over Water (1980), ein bewegendes Porträt über und mit Nicholas Ray, gefolgt von Tokyo Ga (1985), eine Hommage an den japanischen Regisseur Yasujiro Ozu, und Aufzeichnungen zu Kleidern und Städten (1989), eine Auseinandersetzung mit der Arbeit des avantgardistischen Fashion-Designers Yohji Yamamoto. Darüber hinaus inszenierte er mehrere Videoclips, u.a. für seine irischen Freunde U2 und einen Konzertfilm Willie Nelson At The Teatro (1998).

Seine bekannteste Auseinandersetzung als Filmemacher mit Musik und Musikern ist sicher die Dokumentation Buena Vista Social Club (1999) – ein liebevolles Porträt der von Ry Cooder wiederentdeckten kubanischen Musiker, zu denen u.a. Ibrahim Ferrer, Compay Segundo und Ruben Gonzales gehören. Der Film erhielt eine OSCAR-Nominierung und wurde vom National Board of Review als Bester Dokumentarfilm ausgezeichnet. Die gleiche Ehrung wurde ihm von der Vereinigung der New York Filmcritics und der Los Angeles Filmcritics zuteil.

2001 schließlich drehte Wenders Viel Passiert – der BAP Film mit seinem Freund Wolfgang Niedecken und dessen Kölner Band BAP.

Sein in den USA gedrehter Film Land Of Plenty kam im Herbst 2004 in die deutschen Kinos, ohne dort grosse Beachtung zu finden. 2005 war Wenders wieder einmal im Wettbewerb von Cannes vertreten. Dort zeigt er Don’t Come Knocking, ein Gemeinschaftswerk mit Sam Shepard, mit dem er auch schon bei Paris, Texas zusammen gearbeitet hatte.
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