Vom Feuer erleuchtet

Vom Feuer erleuchtet

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Vom Mut zur Trauer

Mit dem Krieg um Las Malvinas, hierzulande besser bekannt als die Falklandinseln, beschäftigt sich dieser mehrfach ausgezeichnete Film des argentinischen Regisseurs Tristán Bauer aus dem Jahre 2005. Vom Feuer erleuchtet / Illuminados por el fuego stellt vor allem eines dar: ein schlichtes und eindringliches Memento der Schrecken des Krieges, der auch nach der Kapitulation der Argentinier noch einige Opfer forderte, denn weit über 200 ehemalige Soldaten begingen auch lange nach seinem Ende noch Freitod, da sie zwar überlebten, aber mit den Traumata der Ereignisse niemals zurechtkamen.

Nach dem Versuch, sich mit reichlich Alkohol, Kokain und anderen Drogen aus dem Leben zu katapultieren, fällt der Falklandkrieg-Veteran Vargas in ein tiefes Koma. Seine Frau Martha (Virginia Innocenti) verständigt daraufhin den mittlerweile 40jährigen Journalisten Esteban Leguizamón (Gastón Pauls), der damals gemeinsam mit ihm auf den Malvinas gehungert, gefroren und gekämpft hat. Durch dieses Wiedersehen unter traurigsten Umständen wird nun auch Esteban erneut mit diesem schwerlastigen Aspekt seiner Existenz konfrontiert, und mit zunehmender Intensität nimmt er jenen ebenso schmerzlichen wie heilsamen Prozess auf, die Wunden dieser Zeiten zu betrachten und zu versorgen. Schließlich reist er erneut auf die Inseln, und erst hier gelingt es ihm, seiner hilflosen, schwelenden Traurigkeit den Raum zu eröffnen, den sie bereits so lange schon ganz dringend benötigt.

Vom Feuer erleuchtet – dieser Titel erweist sich bei näherer Beschäftigung als in vielerlei Hinsicht zutreffend – wurde auf geradezu naturalistische Weise inszeniert: Von guten schauspielerischen Leistungen, bewegenden Dialogen und aufwändig konstruierten Bildern kann gar keine Rede sein. Hier dominieren konsequent Einfachheit, Schnörkellosigkeit und Unprätentiosität, dokumentarisch flankiert von aus den Nachrichten bekannten Bildern der damaligen britischen Premierministerin Margaret Thatcher und US-Präsident Ronald Reagan. Hier gibt es keine Helden, die kluge Weisheiten dreschen oder elegant leiden, sondern zitternde, jammernde und unspektakulär verzweifelte Soldaten, die der Hölle entrinnen oder aber in ihr verenden. Hier gibt es am Ende dieses ungemütlichen Films eine zutiefst von anklagenden, bis zur Tränengrenze und darüber hinaus reichenden Sentimenten begleitete mutige Katharsis eines Mannes, die von der politischen Lyrik und den melancholischen Klängen der Musik von León Gieco und Federico Bonasso eingefasst wird. Dieser erste Spielfilm aus Argentinien, der sich mit diesem unbequemen und verdrängten Thema befasst, transportiert seine Botschaft mit Authentizität: Lasst sie nicht wuchern, eure Wunden, behandelt sie sorgfältig, damit sie heilen können – und gestattet es euch, die Verluste kräftig zu beweinen.
 

Vom Feuer erleuchtet

Mit dem Krieg um Las Malvinas, hierzulande besser bekannt als die Falklandinseln, beschäftigt sich dieser mehrfach ausgezeichnete Film des argentinischen Regisseurs Tristán Bauer aus dem Jahre 2005.

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