The Field Guide to Evil (2018)

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Nach den „ABCs of Death“ kommt mit dem „Field Guide to Evil“ ein neues Anthologie-Projekt der Produzenten Ant Timpson und Tim League. Aber liegt in den acht Episoden des Films mehr als das Durchblättern einer Monster-Enzyklopädie?

The Field Guide to Evil (2018)

Eine Filmkritik von Lars Dolkemeyer

Angst, katalogisiert

Acht Einträge bilden als „Field Guide to Evil“, den neuen Anthologie-Film des Produzenten-Duos Ant Timpson und Tim League, das bereits mit seinen grotesken Sammlungen „ABCs of Death“ (2012-2016) für einiges Aufsehen an den Rändern des Horror-Kinos sorgte. Nun aber geht es dunkler und ernster zu: Acht Figuren aus den Mythen- und Sagenwelten unterschiedlicher Länder werden in kurzen Episoden unter wechselnder Regie vorgestellt. Bindet sich aus den gesammelten Erzählungen aber ein stimmiger Zusammenhang? Oder bleibt es bei den verstreuten Einträgen eines Lexikons dunkler Folklore?

Die Breite der Stoffe reicht von der österreichischen Trude, die des Nachts sündige junge Frauen in einer mittelalterlichen Waldgegend bestraft (Regie: Veronika Franz/Severin Fiala), über den türkischen Al Karisi-Dämon, der das Neugeborene einer jungen Mutter rauben will (Regie: Can Evrenol), oder die Legende der Melonenköpfe, die im US-Niemandsland Urlauber verspeisen (Regie: Calvin Reeder), bis zum Märchen von Botond und Tivadar, zwei ungarischen Schuhmacher-Brüdern, die um die Hand einer Prinzessin anhalten – damit aber, natürlich, Schreckliches in Gang setzen (Regie: Peter Strickland).

So verschieden die Episoden in der Auswahl ihrer Legenden und in ihren Inszenierungen sein mögen, und so sehr es fasziniert, dass diese Legenden eher von den Rändern ihrer jeweiligen Erzähltraditionen stammen – so sind es dabei ausgerechnet die Probleme und Schwachstellen, die zwischen den Episoden ärgerliche Gemeinsamkeiten herstellen. Fast allen Abschnitten fehlt es an Präzision in der Entfaltung ihrer dunklen Welten. Selten entsteht der Eindruck, dass sich hinter den häufig unvorteilhaft und inspirationslos ins Bild gesetzten Kulissen eine kohärente Welt erstrecken mag. Ein vernebelter Wald, eine verlassene Hütte, ein alter Tempel – es mangelt nicht an Orten mit natürlich-finsterem Potential. Allerdings wäre dieses auch darauf angewiesen, inszenatorisch stimmig gestaltet zu werden, um eine interessante Vorstellung der vor-zeitlichen Mythenwelten hervorzubringen.

Das größte Problem ist die Ziellosigkeit der meisten Episoden: Kaum einem der Einträge im Field Guide gelingt es, ein pointiertes Bild seiner folkloristischen Figuren zu zeichnen. Ein Setting wird entworfen, Protagonist*innen, die den unterschiedlichen Schrecken zum Opfer fallen, werden eingeführt, doch dann: nichts. Ein paar mitunter grauenvoll einfache Effekte – hier ein wenig Blut, dort ein wenig Türenklappern, gelegentlich unnötig schlimme Visual Effects – und schon wartet wieder die einigermaßen alberne Animation eines dämonisch daherkommenden Buches, dessen aufblätternde Seiten die Segmente miteinander verbinden.

Den einzigen Lichtblick bildet die letzte Episode des Films unter der Regie von Peter Strickland: Als nostalgische Erinnerung an expressionistische Horror-Stummfilme – mit verschnörkelten Zwischentiteln, ausdrucksstarkem Spiel und expressiv-verzerrten Kulissen – ist Stricklands dunkles Märchen ein umso deutlicher herausfallendes Beispiel für jene Präzision und pointierte Inszenierung, die in den anderen Episoden schmerzlich zu vermissen sind. The Field Guide to Evil hinterlässt einen Eindruck, der eher dem Gefühl ähnelt, lustlos durch einen Katalog folkloristischer Monster zu blättern, deren Geschichten doch keinen zugrundeliegenden Zusammenhang, keine gemeinsame Idee erkennen lassen, und denen es nie gelingt, auf einen Punkt zu kommen, der ihre oberflächliche Gestaltung durchbricht.

The Field Guide to Evil (2018)

„The Field Guide to Evil“ ist der lang erwartete Nachfolger von den Machern der „ABC of Death“-Reihe und besteht wie diese aus verschiedenen Segmente unterschiedlicher Regisseur*innen — unter ihnen Peter Strickland, Veronika Franz, Can Evrenol und Katrin Gebbe. 

 

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