The Bang Bang Club

The Bang Bang Club

Eine Filmkritik von Katrin Knauth

Die Jagd nach dem besten Schuss

Das Foto eines abgemagerten sudanesischen Mädchens, auf dessen Hungertod ein Geier lauert, ging 1994 um die Welt. Sein Fotograf, Kevin Carter, gewann dafür den begehrten Pulitzerpreis. Ein paar Monate später nahm er sich das Leben. Carter ist einer von vier südafrikanischen Kriegsfotografen, die dem sogenannten Bang Bang Club angehörten. Sie stürzten sich mitten ins Elend, in den Krieg, in die Gefahr – immer auf der Suche nach dem besten Schuss. Über ihre Arbeit und ihr Leben Anfang der Neunziger Jahre in Südafrika hat der südafrikanische Regisseur Steven Silver mit The Bang Bang Club einen spannenden Actionfilm gedreht.
Als 1990 das Ende der Apartheid in Südafrika eingeleitet und Nelson Mandela freigelassen wurde, kam es zu heftigen Unruhen. Machkämpfe zwischen dem African National Congress (Xhosa-Volk) und der Inkatha Freedom Party (Zulu-Volk), die sich beide für die Interessen der farbigen Bevölkerung einsetzten, spielten sich in den Townships wie Soweto und Thokoza ab und forderten mehr als 30.000 Tote. Erst als 1994 die ersten demokratischen Wahlen in Südafrika stattfanden, kam das Land zur Ruhe.

Mitten in diesen Bürgerkrieg stürzten sich die vier Fotografen vom Bang Bang Club: Greg Marinovich (Ryan Phillipe), Kevin Carter (Taylor Kitsch), Ken Oosterbroek (Frank Rautenbach) und João Silva (Neels van Jaarsfeld). Für ein gutes Foto begaben sie sich an die Front mitten in die Townships und gerieten dadurch – obwohl unabhängig – immer wieder zwischen die Fronten. Im September 1990 fotografierte Greg Marinovich eine Serie für die Nachrichtenagentur Associated Press, darunter das Bild eines Unterstützers des African National Congress (ANC), der auf ein brennendes Mitglied der Inkatha Freedom Party (IFP) einprügelt. Das Bild brachte Marinovich weltweiten Ruhm und den Pulitzerpreis ein.

Wer solche Bilder macht, kann nachts nicht mehr ruhig schlafen. Der kann auch kein normales Leben führen. Der schlägt sich die Nächte mit Bier, Whisky und Joints um die Ohren, bevor er jeden Morgen aufs Neue an seinen Arbeitsplatz zurückkehrt, der ein wütendes Inferno aus Blut, Leichen, Armut ist. Kriegsfotograf zu sein, also "embedded journalist" wie die Kriegsberichterstatter seit Beginn des Irakkriegs 2003 genannt werden, bedeutet ein tagtägliches Katz-und-Maus-Spiel – immer auf der Suche nach den besten Bilder in Hut vor dem tödlichen Schuss.

Was sind die Motive dieser Fotografen? Streben sie nach Ruhm, wie ihnen oft vorgeworfen wird? Wollen sie das Geschehen für den Rest der Welt dokumentieren und mit ihren Bildern aufrütteln? Ist es ein Kick für sie? Wie auch immer die Ambition sein mag, so ein Beruf kann nur mit Hingabe, Leidenschaft und der Bereitschaft dabei zu sterben, ausgeübt werden. Wenn einer der vier stirbt und einer anderer sich das Leben nimmt, dann weiß man, wie haarscharf das Pech an den anderen beiden vorbei gegangen ist. Wir sehen immer nur die Bilder, sind begeistert, verstört oder gar empört. Steven Silvers Film zeigt die Tragödie, die Spannungen und das Leben hinter diesen Bildern. Er blickt hinter die Kulissen und lässt uns an der Entstehung der Bilder teilhaben, von denen jedes Einzelne eine eigene Geschichte zu erzählen vermag.

The Bang Bang Club, der auf dem Buch von Greg Marinovich und João Silva basiert, ist nicht der erste Film der sich mit der Geschichte der vier jungen Männer auseinandersetzt. Dank Krauss drehte 2004 mit The Death of Kevin Carter: Casualty of the Bang Bang Club einen Dokumentarfilm, der sich hauptsächlich mit dem Leben von Kevin Carter beschäftigt.

Bemerkenswert an dem Spielfilm ist seine dokumentarische Erzählweise, die vor allem auf die brillante und authentische Darstellung der vier Hauptprotagonisten zurückzuführen ist. Ryan Phillippe, der demnächst außerdem in Der Mandant zu sehen ist, vermag seiner Figur zunächst etwas Unschuldig-Naives zu verleihen, das sich später in Arroganz verwandelt. Auch Taylor Kitsch in der Rolle von Kevin Carter ist genial. Diese Flucht vor dem Leben, diese Leere und das tägliche Durchdrehen trifft es genau auf den Punkt. Unbedingt reingehen und ansehen!

The Bang Bang Club

Das Foto eines abgemagerten sudanesischen Mädchens, auf dessen Hungertod ein Geier lauert, ging 1994 um die Welt. Sein Fotograf, Kevin Carter, gewann dafür den begehrten Pulitzerpreis. Ein paar Monate später nahm er sich das Leben. Carter ist einer von vier südafrikanischen Kriegsfotografen, die dem sogenannten Bang Bang Club angehörten.
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