Stein

Stein

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Montag, 29. September 2014, MDR, 23:40 Uhr

Als deutsche Truppen 1968 in die damalige ČSSR einmarschieren, entschließt sich der renommierte Theaterschauspieler Ernst Stein (Rolf Ludwig) zu einer ganz persönlichen, deutlichen Protestaktion: Gerade bei den Proben einer Aufführung von Shakespeares König Lear engagiert tritt er demonstrativ von der Bühne ab und verlässt das städtische Berlin, um von nun an in seinem komfortablen Haus in Wilhelmsruh auf dem Lande zu residieren. Hier wird die Villa des populären Akteurs bald zu einem Magneten für allerlei illustres Volk vornehmlich junger, unkonventioneller Leute, die sich einerseits um den mit der Zeit verwahrlosenden Schauspieler kümmern, ihn andererseits aber auch kräftig ausbeuten.
Zwanzig Jahre vergehen, und mit der jungen, politisch besonders in der Umbruchphase von 1989 politisch umtriebigen Sara (Franziska Herold), die sich besonders innig um ihn kümmert, verbindet ihn mit der Zeit so etwas wie ein Liebesverhältnis. Doch Stein lebt längst in seiner eigenen Welt zwischen vagen Imaginationen und geistigem Verfall, und als Sara ihn indirekt auffordert, zu ihr nach Berlin zu kommen, gerät Ernst Stein hilflos in die Wirren der Umbrüche…

Der Schriftsteller und Regisseur Egon Günther, der von 1958 bis 1978 für das Filmstudio Babelsberg der DEFA tätig war und dessen filmische Projekte seinerzeit nicht selten von der Zensur der damaligen DDR durchkreuzt wurden, hat mit Stein von 1991 erneut mit der DEFA zusammengearbeitet und damit ein bereits lange geplantes, sicherlich sehr persönliches Projekt realisiert, das er im Zuge der Wende noch aktualisiert hat. Auf diese Weise ist dieses dichte Drama, für den Hauptdarsteller Rolf Ludwig für seine ausdrucksvolle Verkörperung des verwirrten ehemaligen Schauspielers mit dem Platinum-Preis des Viareggio EuropaCinemas ausgezeichnet wurde, zu einem höchst politischen Film über diese deutsche Vergangenheit geraten, der souverän mit den Themen des Protests, des Widerstands und des Rückzugs jongliert, nicht ohne auch der geistigen Dimension sowie der emotionalen Komponente der Ereignisse reichlich Raum zu geben.

Ein Vierteljahrhundert nach den aufwühlenden politischen Ereignissen jener Zeiten stellt Stein, der unter dem Motto "25 Jahre Freiheit '89" beim MDR ausgestrahlt wird, ein markantes, deftiges Stück der Bewältigung dieses drastischen Umbruchs dar.

Stein

Als deutsche Truppen 1968 in die damalige ČSSR einmarschieren, entschließt sich der renommierte Theaterschauspieler Ernst Stein (Rolf Ludwig) zu einer ganz persönlichen, deutlichen Protestaktion: Gerade bei den Proben einer Aufführung von Shakespeares "König Lear" engagiert tritt er demonstrativ von der Bühne ab und verlässt das städtische Berlin, um von nun an in seinem komfortablen Haus in Wilhelmsruh auf dem Lande zu residieren.
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