Sounds of Silents – Der Stummfilmpianist

Sounds of Silents – Der Stummfilmpianist

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Der Meister der sprechenden Töne

In einer Zeit, als der Tonfilm noch nicht erfunden war, in den ebenso turbulenten wie goldenen Zwanzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts, begann die Karriere von Willy Sommerfeld, dem ältesten noch aktiven Stummfilmpianisten Deutschlands. Als 1929 der Tonfilm langsam das Kino zu erobern begann, war es vorbei mit der Klavierbegleitung in den Filmtheatern, doch Willy Sommerfeld schlug sich weiter als Musiker durch, zunächst am Theater, bis er eines Tages beschloss, den obligatorischen Hitlergruß nach der Aufführung zu „vergessen“. An die Front musste der in Danzig Geborene trotzdem, er war im Westen und an der Ostfront in der Truppenbetreuung. Nach dem Krieg kamen Hörspielvertonungen, Arrangements und die Arbeit als Musiktherapeut dazu. Die schönsten Stunden aber waren die im nachtschwarzen Kinosaal, wenn Willy Sommerfeld niemals wusste, welcher Film gespielt werden würde und wenn er einfach improvisierte, sich von dem Emotionen des Films tragen ließ und das Publikum mitunter zum Weinen brachte.
Seine Rückkehr an die schwarzen und weißen Tasten des Klavier begann Anfang der Siebzigerjahre, als die Freunde der deutschen Kinemathek im Berliner Arsenal-Kino vermehrt begannen, Stummfilme aus dem Repertoire aufzuführen. Eines Tages war Willy Sommerfeld da und bedeutete den Kinoenthusiasten, dass es ja wohl an der adäquaten musikalischen Untermalung fehle und dass er, dereinst Stummfilmpianist und heute Pensionär sich gerne zur Verfügung stelle – der Beginn einer zweiten Karriere, die bis zum heutigen Tage anhält.

Ilona Ziok hat den Stummfilmpianisten besucht und schildert in ihrem Film einen Helden der deutschen Filmgeschichte, der erstaunlich frisch und munter und immer mit einem Augenzwinkern aus seinen Leben berichtet; ein Leben – wir sind uns sicher – dessen fast unerschöpfliche Energie sich vor allem aus der belebenden Wirkung der Musik speist. Und gleichzeitig ist Sounds of Silents auch eine Liebegeschichte zwischen Sommerfeld und seiner Frau Doris, die den „Titanen der Filmgeschichte“(Ulrich Gregor) seit Jahrzehnten begleitet. Große Geschichte, Filmgeschichte(n) und persönlicher Rückblick – all dies vereint Sounds of Silents im Übermaß und macht eine Menge Spaß.

Auf der Berlinale 2004 erhielt Willy Sommerfeld einen Ehrenbären für sein Lebenswerk, das weitaus mehr ist als die musikalische Begleitung, es ist lebendige Filmgeschichte und das Gedächtnis einer Zeit, die wir heute inmitten der THX-Soundsysteme und der technischen Perfektion kaum mehr spüren, das zutiefst menschliche Antlitz des Films und seine Herkunft aus dem Geist der Inspiration.

Sounds of Silents – Der Stummfilmpianist

In einer Zeit, als der Tonfilm noch nicht erfunden war, in den ebenso turbulenten wie goldenen Zwanzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts, begann die Karriere von Willy Sommerfeld, dem ältesten noch aktiven Stummfilmpianisten Deutschlands.
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