Running Scared

Running Scared

Eine Filmkritik von Renatus Töpke

New Jersey grotesk

Das größte Manko an Running Scared ist seine Atemlosigkeit. Und vielleicht auch seine Unentschlossenheit zwischen Blockbuster und fiesem Underground.
Regisseur Wayne Kramer wird manchem Heimkinogänger ein Begriff sein. Sein kleiner Film The Cooler mit William H. Macy gilt als Geheimtipp unter Filmfreunden. Mit vorliegendem Paul Walker-Vehikel begibt sich Kramer nun ins Action-Genre. Erste Genre-Sporen verdiente er sich schon 2004 mit dem Drehbuch für Mindhunters, dem völlig in die Hose gegangen Versuch Renny Harlins, wieder im Big Business Fuß zu fassen.

Paul Walker spielt den Ganoven Joey, der für seinen Boss eine Pistole verschwinden lassen soll, mit der kurz vorher ein Polizist umgelegt wurde. Doch was macht Joey? Er versteckt die Waffe im Keller, wo sie Nachbarsjunge Oleg klaut. Der schießt damit seinen jähzornigen Vater (Karel Roden, eine Klischee-Russe wie er im Buche steht) an und flieht in die Nacht. Joey ahnt noch nicht, was für eine Maschinerie sich nun in Gang setzt, als er überhastet die Spuren der verräterischen Waffe beseitigt und herauszufinden versucht, wo Oleg und die Waffe ist. Es beginnt eine blutige und oft bizarre Reise durch die Nacht, an deren Ende nicht mehr viele rennen, geschweige denn stehen werden.

Ein erstaunlich guter Paul Walker spielt sich sein Hollywood-Beau-Image, das er in The Fast And The Furious und Into The Blue aufgebaut hat, mit Leichtigkeit vom Leib. Der Film ist hektisch, brutal und teilweise nervtötend. Die Charaktere sind größtenteils unsympathisch – auch zu Anfang Joey – und überzeichnet. Kein Wunder, dass Running Scared kein Hit wurde. Er ist einfach zu schnell geschnitten, zu schmutzig, in manchen Momenten zu abgefahren. Zum Beispiel die Episode, in der Oleg einem Kinderschänder-Ehepaar in die Hände fällt. Oder die immer wieder auftauchenden Mini-Rückblenden. Verstörend auch der Abspann, der wie ein illustriertes Märchenbuch aufgebaut ist und die Filmstory noch einmal als Märchen erzählt — einem Tim Burton-Streifen ebenbürtig. Leider wirkt der gut gemeinte, aber unglaubwürdige Twist am Ende aufgesetzt und zu gewollt. Dennoch interessante Kost für Action-Fans und auch anspruchsvollere Filmfreunde sollten mal über den Tellerrand schauen und ein Auge riskieren. Vielleicht finden sie ja in Running Scared einen ungeschliffenen Diamanten.

Running Scared

Das größte Manko an Running Scared ist seine Atemlosigkeit. Und vielleicht auch seine Unentschlossenheit zwischen Blockbuster und fiesem Underground.
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