Myra Breckinridge - Die Sexgöttin von Hollywood - Director’s Cut

Myra Breckinridge - Die Sexgöttin von Hollywood - Director’s Cut

Eine Filmkritik von Ingo Post

Eine knallbunte Farce aus den wilden Jahren Hollywoods

Bereits der deutsche Titel des Films führt vollkommen in die Irre, denn statt voyeuristisches Anschauungsmaterial zu liefern, rechnet diese Satire aus dem Jahr 1970 gnadenlos mit dem Machogehabe ab. Der Film erweist sich in mancher Hinsicht als schlaue Vorwegnahme des gegenwärtigen Sexwahns und als gewitzte Dekonstruktion der sexistischen Mechanismen des Showbiz amerikanischer Prägung.
Der Clou des Films zeigt sich bereits in der ersten Szene, die für den Zuseher und den Protagonisten ein im wahrsten Sinn des Wortes „einschneidendes“ Erlebnis ist: Denn die spätere Sexgöttin Myra (Raquel Welch) ist anfangs ein Mann namens Myron, welcher sich zu Beginn des Filmes einer Geschlechtsumwandlung unterzieht – und zwar auf extrem überzeichnete und surrealistische Weise: Die Operation findet nämlich vor Publikum statt und der Arzt raucht während des komplizierten Eingriffs ungerührt weiter. Nach erfolgter Operation macht sich Myron – Verzeihung, Myra natürlich – auf, um Hollywood zu erobern. Zu diesem Zweck gibt sie sich als Myrons Witwe aus – ein Trick, der ebenso gewitzt wie doppeldeutig ist: Denn nur durch den Tod ihrer alten Identität als Mann kann Myra nun befreit alle Register ihre weiblichen Weisens ausspielen. Das Verwirrspiel bleibt unentdeckt, so dass Myra sich in die Schauspielschule ihres Onkels Buck Loner (John Huston) einschleicht, um sich die Hälfte der Anteile an dem Unternehmen zu sichern. Für Myra der erste Schritt auf der Karriereleiter Hollywoods, doch Myron lässt sie nicht ganz los…

Basierend auf Gore Vidals gleichnamigem Skandal-Roman aus dem Jahr 1968, der sich wiederum auf den authentischen Fall von Christine Jörgensen bezieht, hat Regisseur Michael Sarne mit Myra Breckinridge – Sexgöttin in Hollywood eine knallbunte Farce gedreht, die provozierend mit den Rollen- und Geschlechtsklischees à la Hollywood bricht und dem Kampf der Geschlechter noch eine Variante hinzufügt. Hervorragend besetzt – so feiert unter anderem Hollywoods Sexbombe Mae West mit diesem Film nach dreißigjähriger Leinwandabstinenz ihr Comeback und der spätere „Magnum“ Tom Selleck sein Kino-Debüt – und mit nahezu surrealistischen Einfällen und alten Filmausschnitten aus Fox-Filmen, ist Myra Breckinridge eine skurrile Abrechnung mit dem Starkult des alten Hollywood und atmet so den Geist der späten sechziger und frühen Siebziger, in denen die alten, verkrusteten Strukturen aufbrachen.

Die DVD wartet mit einigen Extras wie Audiokommentaren mit Michael Sarne und Raquel Welch, einem „Hollywood-Backstories“-Featurette, einer Auswahl alternativen Szenen, einer Fotogalerie und einem Trailer auf.

Myra Breckinridge - Die Sexgöttin von Hollywood - Director’s Cut

Bereits der deutsche Titel des Films führt vollkommen in die Irre, denn statt voyeuristisches Anschauungsmaterial zu liefern, rechnet diese Satire aus dem Jahr 1970 gnadenlos mit dem Machogehabe ab.
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