Maria am Wasser

Maria am Wasser

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Fremd in der Heimat

Mehr als zwanzig Jahre, nachdem ein mit Kindern beladener Panzer bei der Durchquerung der Elbe verunglückte und vier der kleinen Passagiere den Tod fanden, kehrt einer der angeblich Ertrunkenen in den kleinen Ort Neusorge in der Nähe von Dresden zurück. Marcus (Alexander Beyer) ist Orgelbauer und nimmt sich vor, die defekte Orgel der Kirche Maria am Wasser zu reparieren. In Wahrheit aber deckt er durch seine Anwesenheit schonungslos die Lügen und Geheimnisse der Vergangenheit auf. Vor allem seine Mutter Maria (Marie Gruber), die ein Waisenhaus leitet, und sein Vater Hannes (Hermann Beyer) weigern sich, in ihm den verlorenen Sohn wieder zu erkennen, den sie nach wie vor für tot halten. Einzig die junge Osteuropäerin Alena (Annika Blendl) scheint ihm zu glauben. Im Laufe der Zeit wird klar, dass das Nichterkennen Marias auch ein Verschließen der Augen vor der eigenen Vergangenheit und der Schuld ist. Doch es ist nie zu spät, um zu vergeben und zu verzeihen…
Träge wie die Elbe lässt Thomas Wendrich seine Geschichte über Heimat und Entfremdung, verlorene Söhne und seltsame Eltern dahinplätschern und schafft es zu keinem Zeitpunkt, das Interesse des Zuschauers an den reichlich vorhandenen Konflikten aufrecht zu erhalten – im Gegenteil. Mit der Zeit wirkt die Geschichte um den verlorenen Sohn und die Verstrickungen eines ganzen Dorfes derart konstruiert und aufgesetzt, die Metaphern (Orgeln, Lämmer, die Kirche, die den gleichen Namen wie Marcus’ Mutter trägt etc.) so an den Haaren herbeigezogen und symbolisch aufgeladen, dass trotz des guten Endes ein mehr als schales Gefühl zurückbleibt. Das Bemühen, einen gehaltvollen Film mit starker Bildsprache zu drehen, ist in jedem Moment der langen 99 Minuten als schwere Bürde spürbar und lässt Maria am Wasser genauso verkrampft und gehemmt wirken wie die Personen in diesem Film. Besonders während der „Versteigerung“ der Kinder wird evident, wie sehr die vorhandenen inszenatorischen Schwächen die guten Absichten des Filmes torpedieren. Allein die gelungenen Landschaftsaufnahmen des Elbtals trösten über die teilweise recht lahme Inszenierung und ein schwaches Skript hinweg, was den Film aber auch nicht mehr rettet.

Nach seinem Drehbuch zu Freischwimmer hat Thomas Wendrich mit seinem Regiedebüt Maria am Wasser abermals zum Leitmotiv des Fließens und des Schwimmens zurückgefunden – und geht damit leider ziemlich baden.

Maria am Wasser

Mehr als zwanzig Jahre, nachdem ein mit Kindern beladener Panzer bei der Durchquerung der Elbe verunglückte und vier der kleinen Passagiere den Tod fanden, kehrt einer der angeblich Ertrunkenen in den kleinen Ort Neusorge in der Nähe von Dresden zurück.
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Meinungen
Gerd Jacob · 27.02.2009

ich muss dem kommentar von filmfanatic zustimmen der film ist einfach hervorragend er ist eine perle unter all den vielen filmen - man muss sich halt darauf einlassen wer nen mainstream quatsch erwartet der wird natürlich nicht bedient gott sei dank und gott sei dank gibt es noch solche filme

FilmFanatik · 26.02.2009

Das ist ja mal wieder so eine abtörnende Kopf-Kritik. Ich habe den Film in Cottbus gesehen, und fand ihn wunderschön. Eben kein ganz normales Kino a la Hollywood...

Kommentare

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