Liebeswunden

Liebeswunden

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Freitag, 14. Mai 2010, 3sat, 22:50 Uhr

Dass Liebe auch qualvolle Schmerzen verursachen kann, und zwar nicht nur emotionaler, sondern durchaus auch physischer Art, schildert dieses chinesische Spielfilmdebüt von Zhuang Yuxin auf seine ebenso unpathetische wie beklemmende Weise. Liebeswunden aus dem Jahre 2006 zeichnet vor dem sozialpolitischen Hintergrund Chinas in der Zeit nach der Ära der so genannten Kulturrevolution Mao Zedongs das Porträt einer komplizierten jungen Frau auf den dornigen Pfaden der ersten intimen Begegnungen mit dem anderen Geschlecht.
Sie wirkt kühl, berechnend und duldet keinen Widerspruch: Die hübsche Yehong Qian (Yan Bingyan) führt an ihrer Schule in Peking eine derbe Mädchengang an. Ihr ernsthafter Mitschüler Xuesong (Chi Jia) ist zwar insgeheim in das rauhe Mädchen verliebt, bietet ihr aber dennoch öffentlich die Stirn. Als er ihr in einem Brief seine Zuneigung gesteht, nutzt Yehong die Gelegenheit, um ihn vor der ganzen Klasse lächerlich zu machen. Zutiefst verletzt attackiert Xuesong Yehong mit einem Stein, woraufhin diese wiederum auf Rache sinnt. Innerhalb der verfeindeten Interaktionen zwischen Xuesong und der Gang Yehongs kommt es schließlich zu einem tragischen Unfall, der das Mädchen in gewaltige Schuldgefühle stürzt …

Yehong wird im Verlauf des Films noch zwei Beziehungen erleben, die hart am Schmerz in seinen vielfältigen Ausprägungen entlangführen, ohne dass sich ihre Sehnsucht nach Nähe letztlich erfüllen wird. Das Schicksal des Mädchens korrespondiert gelungen mit den gesellschaftlichen Entwicklungen Chinas in der Dekade zwischen 1977 und 1987, die gleichzeitig durch Umbruch, Orientierungslosigkeit und immer noch stark präsente staatliche Willkür und Korruption geprägt war. Es sind die schonungslose Brutalität der Darstellung einerseits sowie die dezent inszenierten Emotionalitäten andererseits, die Liebeswunden zu einem intensiven Drama um die Macht und Ohnmacht der Liebe werden lassen, in dem vor allem die junge Hauptdarstellerin brilliert, die dafür 2007 mit dem Golden Rooster ausgezeichnet wurde.

Liebeswunden

Dass Liebe auch qualvolle Schmerzen verursachen kann, und zwar nicht nur emotionaler, sondern durchaus auch physischer Art, schildert dieses chinesische Spielfilmdebüt von Zhuang Yuxin auf seine ebenso unpathetische wie beklemmende Weise.
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