Lady Business (2020)

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Kooperation statt Konkurrenzkampf — das klingt nach einer etwas anderen Businesslösung. Miguel Arteta versucht mit „Lady Business“ dieses aktuelle Thema umzusetzen. Ob das klappt?

Lady Business (2020)

Eine Filmkritik von Bianka Piringer

Kosmetik für Freundinnen

Können Frauen im Geschäftsleben Freundinnen sein? Die amerikanische Komödie von Regisseur Miguel Arteta („Die Coopers – Schlimmer geht immer“, 2015) gibt sich einen modernen Anstrich mit Themen, die das Selbstverständnis von Frauen und das Frauenbild der Gesellschaft betreffen. Die besten Freundinnen Mia (Tiffany Haddish) und Mel (Rose Byrne) haben sich einen Traum mit einer eigenen Kosmetikfirma verwirklicht, doch nun steht diese vor der Pleite. Als die führende Kosmetik-Herstellerin Claire Luna (Salma Hayek) einsteigt, droht der Freundschaft von Mia und Mel das Aus. Mia will sich nichts vorschreiben lassen und sieht das Konzept der Firma, die Schönheit der Frauen zu betonen anstatt sich auf das Retuschieren von Makeln zu konzentrieren, gefährdet. Dieser Filmstoff klingt nicht uninteressant, dient aber nur als Vorwand für niveaulose, plumpe Comedy.

Mit dem Auftauchen von Claire, die Anteilseignerin an der Firma von Mia und Mel wird, gehen die Interessen der beiden Freundinnen auseinander. Mel hat die Finanzen im Blick und den Wunsch, die Firma endlich auf Erfolgskurs zu bringen. Dafür lässt sie sich von der waschechten Kapitalistin Claire gehörig unter Druck setzen. Ständig will diese eine neue Präsentation, jagt die beiden Frauen in den Wettbewerb gegen eine Kosmetikfirma, die von zwei Männern (Ryan Hansen, Jimmy O. Yang) geführt wird. Mia hat sich nur Mel zuliebe auf die Zusammenarbeit mit Claire eingelassen, aber die Spannungen zwischen den beiden Freundinnen werden unkontrollierbar. Claire hat damit gerechnet. Sie drängte einst ihre beste Freundin und Geschäftspartnerin aus der Firma.

Claire vertritt in diesem Film eine Rolle, die sonst gerne Männer innehaben, nämlich die des skrupellosen Tycoons. Auch unlautere Mittel setzt sie ein, wenn sie es für nötig hält. Salma Hayek verschreibt sich ihrer Rolle, die Machtbewusstsein, Gier und Tumbheit vereint, ohne jegliche Scheu vor simpler, derber Comedy. Mit ihrer rothaarigen Lockenpracht und den enganliegenden Kleidern verkörpert sie das Selbstbewusstsein einer Sexbombe auf dem Chefsessel. Zugleich gibt sie mit ihrer ungetrübten Spiellaune der Komödie ein wenig Klasse. Als Mia und Mel den Geschäftsvertrag mit Claire unterzeichnet haben, befiehlt diese, zu feiern: Auf ein Handzeichen hin erklingt lateinamerikanische Musik und Claire schwingt die Hüften. Genauso brüsk befindet sie jedoch gleich wieder, nun sei genug gefeiert – der Humor setzt auf karikierende Federstriche.

Tiffany Haddish verfügt ebenfalls über eine starke Leinwandpräsenz und ihre Mia gibt praktisch durchgehend Kostproben im verbalen Kräftemessen mit anderen. In der vollmundigen Selbstbehauptung mit Kraftausdrücken und emotionaler Emphase ist sie unschlagbar. Dass sie dabei auch oft die Grenze zum Trash überschreitet, ist vom Drehbuch gewollt. Sogar Ekelszenen mit Klo- und Spuckwitzen muss sie meistern, die irgendwie zum Standard amerikanischer Komödien zu gehören scheinen.

Ein wenig schockieren lässt sich das amerikanische Publikum offenbar auch nach wie vor gerne – oder zumindest spekulieren die Filmproduzenten darauf — mit nicht jugendfreien Ausdrücken und Handlungen. Auf einer Party im Kreis ihrer Freundinnen betrachten Mia und Mel ein Kleinkind in seinem Bett und den Joint, der versehentlich neben seinem Gesicht landet. Die Sprache quillt oft über von sexuellen Bemerkungen, die zwar von Frauen stammen und deren Recht auf Lust betonen, aber deswegen nicht minder peinlich sind als ihr Pendant, die Machowitze auf Kosten von Frauen.

Rose Byrne hat als Mel den eher undankbaren Part der sorgenvollen, gestressten Geschäftsfrau, die zwischen Claires und Mias Überzeugungen laviert. Der Film singt der Frauenfreundschaft ein Loblied und tut dabei auch so, als wäre es eine Selbstverständlichkeit, dass Mia schwarzer und Mel weißer Hautfarbe ist. Die Hautfarbe soll schlicht keine Rolle spielen in dieser fidelen Geschichte, also sprechen Mia und Mel auch nie über rassistische Erfahrungen. Realitätsnähe ist nicht wirklich das Anliegen des kommerziellen Produkts, als das sich diese auffallend stillose Komödie begreift.

Lady Business (2020)

Mia und Mel sind beste Freundinnen und  leiten zusammen ein kleines Kosmetikunternehmen. Eigentlich könnte alles gut sein, doch finanziell steht den beiden Unternehmerinnen das Wasser bis zum Hals. Doch dann steht ein Aufkauf durch einen Kosmetikriesen in Aussicht, worunter aber die Freundschaft von Mia und Mel auf dem Prüfstand steht.

 

 

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