Kill the King

Kill the King

Eine Filmkritik von Falk Straub

Pulverdampf und heiße Lieder

Um Elvis Presley ranken sich unzählige Mythen. Regisseur Eddie O’Keefe fügt dem bewegten Leben des Königs des Rock ‚n‘ Roll eine weitere schillernde Facette hinzu. In seinem Langfilmdebüt Kill the King bekommt es der Sänger mit einem mörderischen Paar zu tun.
Die Liste ist lang, deshalb seien an dieser Stelle nur ein paar Beispiele genannt. Ob als Opfer einer Entführung in Chris Columbus‘ Komödie Heartbreak Hotel (1988) oder als Geist in Tony Scotts True Romance (1993), ob inkognito als neuer Nachbar in der Fernsehserie ALF (1986-1990) oder als potenzieller Geheimagent in Elvis & Nixon (2016) – auch Jahrzehnte nach seinem Ableben beflügelt Elvis Presley die Fantasie der Drehbuchautoren und Regisseure. In Eddie O’Keefes Langfilmdebüt treibt er ein junges Halbblut in den Wahnsinn.

Das heißt Jack Blueblood (Luke Grimes) und ist nach Presleys legendärem Konzert auf Hawaii im Januar 1973 so dermaßen vom Musiker enttäuscht, dass es in der Nervenheilanstalt landet. Doch die Elektroschocks bekommen Jack nicht gut. Statt Heilung Halluzinationen: Seine verstorbene Mutter befiehlt Jack, den König des Rock ‚n‘ Roll um die Ecke zu bringen. Gemeinsam mit Mitpatientin Karen (Emily Browning) macht er sich auf den Weg zum nächsten Konzert. Unterwegs gabelt das Liebespaar im Indianerreservat kurzerhand den Transsexuellen Teijo Littlefoot (Avan Jogia) auf. Frisch geschieden, zehn Kilo zu schwer und depressiv, hat der King (Ron Livingsto) kurz vor seinem Auftritt in der Stadt der Engel derweil ganz andere Probleme.

Kill the King hat im Grunde alles, was ein durchgeknalltes Roadmovie braucht: ein charismatisches Killerpärchen, schmierige Therapeuten, (transsexuelle) Indianer, Musik-Mafiosi, einen ausgebrannten Rockstar, der selbst zur Waffe greift, und Burt Reynolds als Erzähler aus dem Off. Der Soundtrack stimmt, ist mal Soul, mal Folk, mal Easy Listening. Auch visuell trägt O’Keefe dick auf, ahmt Filmmaterial und Stil jenes Jahrzehnts nach, in dem er seine Handlung angesiedelt hat. Die Bilder sind rau und grobkörnig, voller Gebrauchsspuren, eingefärbt und mehrfach belichtet. Die Handkamera wackelt, die Zooms sind schnell und reißerisch.

Die Hommage an das Kino der 1970er-Jahre von New Hollywood bis Exploitation und an dessen Epigonen von Oliver Stone bis Quentin Tarantino ist unverkennbar. Und O’Keefe ringt seiner detailverliebten Widmung immer wieder kraftvolle Bilder und Montagesequenzen ab, etwa wenn Jack und Karen in einem knallbunten Bällebad miteinander schlafen oder Elvis einen Drogenrausch durchlebt, der verdächtig an eine Szene aus Easy Rider (1969) erinnert. Über all den Zitaten geht dem Debütanten seine Geschichte etwas verloren. Für eine augenzwinkernde Farce ist Kill the King zu ernst, für einen Thriller zu behäbig, für ein Roadmovie zu trist. Das liegt zum großen Teil an den viel zu schablonenhaften Figuren, die jederzeit ihre Konstruktion erkennen lassen und Kill the King nicht über eine stilistisch hochwertige Fingerübung hinausheben.

Kill the King

Um Elvis Presley ranken sich unzählige Mythen. Regisseur Eddie O’Keefe fügt dem bewegten Leben des Königs des Rock ‚n‘ Roll eine weitere schillernde Facette hinzu. In seinem Langfilmdebüt „Kill the King“ bekommt es der Sänger mit einem mörderischen Paar zu tun.
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