Jeder siebte Mensch

Jeder siebte Mensch

Eine Filmkritik von Red.

Das ländliche China zwischen Tradition und Wandel

Nicht nur jetzt, da die Olympischen Sommerspiele unmittelbar vor der Tür stehen, richten sich die Augen der Welt nach China. Überhaupt ist das bevölkerungsreichste Land der Erde zu einer Region geworden, mit der sich vielfältige Hoffnungen (vor allem wirtschaftlicher Natur), Wünsche und Sorgen verbinden. Und trotz boomender Metropolen und Megacities lebt nach wie vor der überwältigende Teil der Chinesen auf dem Land – rund 800 Millionen Menschen sind es. Daher stammt auch der Titel der Dokumentation von Elke Groen und Ina Ivanceanu: Jeder siebte Mensch auf der Erde, so will es die Statistik, ist ein chinesischer Bauer oder eine Bäuerin. Und gerade auf dem Land sind die Veränderungen, die in China stattfinden, besonders deutlich zu spüren.
Drei unterschiedliche Dörfer haben sich die beiden Filmemacherinnen herausgesucht, um den Wandel zu verdeutlichen: Beisuzha in der Provinz Hebei, 400 Kilometer südlich von Bejing, San Yuan in de Provinz Yunnan im Südwesten des Reichs der Mitte und Jiangjiazhai in der Provinz Shaanxi in Zentralchina. Die Ortschaften und ihre Bewohner stehen dabei für verschiedene Modelle, die nach wie vor in friedlicher Koexistenz bestehen: Beisuzha beispielsweise funktioniert noch nach den „traditionellen“Prinzipien kommunistischer Organisation und Planung: Ein von den Bewohnern des Dorfes gewähltes Komitee bestimmt über die Verteilung des Landes, regelt die Schulbildung und die Ausgabenpolitik und wacht über die Familienplanung

San Yuan geht einen anderen Weg: Hier soll ein Tourismusprojekt das erst seit fünf Jahren an das Straßennetz angeschlossene Dorf nach vorne bringen. In Jiangjiazhai wiederum zeigen sich andere Erscheinungsformen des Wandels: Hier treibt der „Sozialismus mit chinesischem Gesicht“ und die einsetzende Marktwirtschaft teilweise absurde Blüten: Binnen kurzer Zeit ist unter dem Einfluss des Nestlé-Konzerns die Anzahl der Milchkühe von o auf 420 Stück hochgeschnellt. Dabei wird in China traditionell keine Kuhmilch getrunken.

Ohne Zensur und lenkende Eingriffe der Behörden konnten die beiden Filmemacherinnen die Dörfer besuchen und führten dabei auch ausführliche Interviews mit den Bewohnern über deren Träume und Hoffnungen. So entstand ein vielleicht insgesamt etwas kurz geratenes, aber trotzdem beeindruckendes Bild des ländlichen Lebens in Chinas Dörfern zwischen alten Werten und neuen Chancen und Risiken, zwischen den Überbleibseln kommunistischer Planwirtschaft und den „Errungenschaften“ der Marktwirtschaft chinesischer Prägung. Die Entwicklungen der kommenden Jahre, sie werden nicht nur für die Menschen in China selbst, sondern auch für die gesamte Menschheit von enormer Bedeutung sein – immerhin betreffen sie jeden siebten Menschen.

Jeder siebte Mensch

Nicht nur jetzt, da die Olympischen Sommerspiele unmittelbar vor der Tür stehen, richten sich die Augen der Welt nach China.
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