In den Wind geschrieben

In den Wind geschrieben

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Sonntag, 10. Oktober 2010, ARTE, 20:45 Uhr

Von unerfüllten Lebensträumen, verpassten Chancen, familiären Fallstricken und vor allem von der Sehnsucht nach Liebe handelt dieses eindrucksvoll inszenierte Melodram aus dem Jahre 1956. Der als Sohn dänischer Eltern in Hamburg geborene Regisseur Douglas Sirk (1897-1987), der zunächst als Theaterintendant arbeitete, später für die Ufa und ab den frühen 1940er Jahren seine Karriere als Spezialist für konfliktreiche, stark emotional geprägte Stoffe in den USA fortsetzte, hat mit In den Wind geschrieben einen Klassiker der schwermütigen, bewegenden Beziehungsdramen geschaffen. Seinerzeit in drei Kategorien für den Oscar vorgeschlagen gewann der Film die begehrte Auszeichnung für Dorothy Malone als Beste Nebendarstellerin, die ebenfalls für einen Golden Globe nominiert wurde.
Der Texaner Jasper Hadley (Robert Keith) ist durch das Ölgeschäft ein äußerst vermögender Mann geworden, doch seine erwachsenen Kinder Marylee (Dorothy Malone) und Kyle (Robert Stack) bereiten ihm kräftigen Kummer, während er an seinem Ziehsohn Mitch Wayne (Rock Hudson), der praktisch in seiner Familie aufwuchs, seine helle Freude hat. Die offensichtlich zutiefst unglückliche und widerborstige Marylee, die insgeheim in Mitch verliebt ist, neigt zu skandalösen sexuellen Eskapaden, und Kyle kämpft mit einem argen Alkoholproblem. Als Mitch die ebenso aparte wie kühl auftretende Werbemanegerin Lucy Moore (Lauren Bacall) kennen lernt, die ihn von Anfang an fasziniert, spannt ihm bald darauf Kyle seine Angebetete aus, die sich nach anfänglichem Sträuben dann doch rasch mit ihrem aufdringlichen reichen Verehrer vermählt. Aus den Flitterwochen heimgekehrt scheint Kyle ein neuer Mensch zu sein, der seine schwelenden Schwierigkeiten offenbar zusammen mit seiner Trunksucht hinter sich gelassen hat und sich nun nichts sehnlicher wünscht als Nachwuchs. Doch zunächst bleibt die junge Ehe kinderlos, und die Stimmung bei den Hadleys spitzt sich zu, als die von Mitch verschmähte Marylee ahnt, dass dieser sein Herz an Lucy verloren hat und zu intrigieren beginnt. Als Lucy dann doch schwanger wird, obwohl ein Arzt Kyle als unfruchtbar diagnostiziert hat, eskaliert das gesamte Familiengefüge ...

Mit einem sensiblen Gespür für menschliche Untiefen und schwierige Beziehungskonstellationen ist Douglas Sirk (Solange es Menschen gibt / Imitation of Life, 1959) hier eine packend-pathologische Familiengeschichte mit einer für die 1950er Jahre erstaunlich tiefschichtigen Perspektive gelungen. Mit seiner blumigen bis beinahe schrillen Farbästhetik, seinem hervorragend agierenden Ensemble und seinen symbolträchtigen Bildkompositionen überzeugt In den Wind geschrieben als für die damalige Zeit innovativ inszeniertes, melancholisches Melodram, dessen brisante Thematik auch heute noch brennend aktuell ist.

In den Wind geschrieben

Von unerfüllten Lebensträumen, verpassten Chancen, familiären Fallstricken und vor allem von der Sehnsucht nach Liebe handelt dieses eindrucksvoll inszenierte Melodram aus dem Jahre 1956.
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