Go West, Young Man!

Go West, Young Man!

Western von Gestern

Nach einer vorübergehenden kurzen Renaissance Anfang der Neunziger ist es in den letzten Jahren still geworden um den Western. Eines der Hauptgenres der US-amerikanischen Filmgeschichte, das Jahrzehnte lang die Leinwände beherrschte, ist tot und taugt nur noch als Untersuchungsgegenstand von Filmgeschichtsschreibung oder als Gegenstand nostalgischer Verklärung und retrospektiver Dekonstruktionen, wie jüngst in Wim Wenders Don’t come knocking. Die beiden niederländischen Dokumentarfilmer Peter Delpeut und Mart Dominicus – ersterer ein langjähriger Fan des Genres, letzterer ein erklärter Western-Hasser – haben sich in ihrer filmischen Reise Go West, Young Man! aufgemacht, um das zu untersuchen, was der Western als Spuren in den Köpfen hinterlassen hat. Und das ist wahrhaft nicht wenig…

Ihre filmische Reise, die dem Titel gebenden Aufruf des New Yorker Zeitungsverlegers Horace Greeley aus dem Jahr 1865 folgt, der die Eroberung und Besiedelung des Westens verlangte, ist ein Road-Movie, der sich wie ein Fährtensucher an die Spuren des Mythos Western heftet und dabei nahezu alles aufsammelt, was sich am Wegesrand findet, beispielsweise Eaves Movie Ranch nahe Santa Fe in New Mexico, früher eine eindrucksvolle Filmkulisse für Western, heute Heimat einer Stuntshow, die das Andenken der Cowboys und Pistoleros hoch hält. Ebenso suchen sie einen Vertreter der vermutlich vom Aussterben bedrohten Zunft der Lasso- und Sattelmacher auf oder sprechen mit dem waschechten Indianer Dan Israels, der in etlichen Western die – je nach Intention des Regisseurs – edle oder finstere Rothaut geben durfte und der sich noch niemals einen seiner Filme angeschaut hat. Sie sprechen mit den Betreibern des Internet-Portals www.readthewest.com, das sich für den Erhalt und die Wiederbelebung des Western-Genres einsetzt, mit Filmregisseuren wie John Milius und William A. Fraker, besuchen Rodeoshows, folgen den Spuren Billy the Kids und begleiten schließlich echte Cowboys bei der Verrichtung ihrer Arbeit in Nevada – ein Panoptikum des Westens, angesiedelt zwischen Nostalgie und Wahrheit, zwischen Images sowie Film- und realen Bildern, die gegeneinander gestellt werden.

Selten allerdings gelingt es den beiden Regisseuren, sich wirklich von der Faszination und den Vorstellungswelten der verehrten Regisseure und Werke freizumachen und die Weltentwürfe des Westerns kritisch zu hinterfragen. Etwas mehr Schärfe und etwas weniger Schwärmerei für hinlänglich bekannte und häufig wiederholte Stereotypen hätte den Erkenntnisgewinn und damit den Genuss spürbar vergrößert. So ist der Film mit seinen schwelgerischen Landschaftsaufnahmen und der passenden Filmmusik eine sentimentale Reise für alle großen und kleinen Cowboys, die zwischen Berchtesgaden und Kiel den Träumen von den unendlichen Weiten der Prärie nachhängen. Mehr aber auch nicht.

Go West, Young Man!

Nach einer vorübergehenden kurzen Renaissance Anfang der Neunziger ist es in den letzten Jahren still geworden um den Western.

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