Fire

Fire

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Rohrkrepierer mit Knalleffekten

Man hat es ja von Anfang an kommen sehen. Beginnend mit der für den Zuschauer völlig unmotivierten rasenden Hatz im silbergrauen Mercedes durch Berlin, die schließlich mit der Explosion des Wagen endet, fallen einem bei Raoul W. Heimrichs Actionstreifen Fire vor allem die technischen Unzulänglichkeiten ins Auge, die man in dieser Häufung selten je zu Gesicht bekommt. Rrrrrrrums kracht während der wilden Hatz ein Auto gegen das andere und präsentiert sich im nächsten Moment wie von Zauberhand in dem Zustand, in dem es das Werk verlassen haben dürfte. Später dann, etliche Schleuderkreisel weiter hängt immerhin mal das Nummernschild des Wagens schief, um sich dann nach dem nächsten Schnitt wieder an der vorgesehenen Stelle zu befinden. Da die Limousine aber wenige Sekunden später sowieso explodiert, sind solche Details sowieso kaum mehr von Belang.
Wer hier bereits zusammenzuckt, dem sei mit auf den Weg gegeben, dass der Rest von Fire sich kaum besser gestaltet. Zumal seltsame Lücken, schräge Anschlüsse und krude Sprünge sich nicht allein auf die Montage beziehen, sondern sich im Storytelling munter fortsetzen. Überhaupt die Story: Der chronisch erfolglose Musiker Phil May (Gary Dourdan, bekannt aus CSI: Den Tätern auf der Spur) und seine frisch vermählte Gattin Eve (Florentine Lahme) – natürlich ebenfalls mit brotlosem Beruf als Kunsttherapeutin – werden bei ihrer Bank vorstellig, um dort über ein Darlehen zu verhandeln, das ihnen dabei helfen soll, den Traum vom eigenen Häuschen zu verwirklichen. Währenddessen ist die Lage in Berlin angespannt: Am Tag vor der Wahl (die nächste Ungereimtheit – seit wann haben Banken Samstags geöffnet?), bei der der Kanzlerkandidat Kellermann (Ralph Herforth) mit aggressiven Statements zur inneren Sicherheit auf Stimmenfang geht, ist die Stimmung explosiv. Angeblich planen Terroristen einen Anschlag in Berlin und natürlich wird prompt die Bank, in der sich das junge Paar befindet, zum Ziel eines Überfalls. Da sich Phil aber gerade vor der Bank befindet und dort sein Handy von einem spanischen Journalisten (Manuel Cortez) vertauscht wird, befindet er sich im Nu inmitten eines politischen Komplotts. Denn die Verbrecher (deren Anführer wird von Ken Duken gegeben), haben es nicht auf das Geld abgesehen, sondern auf Leib und Leben eines Mannes, der sich in der Bank versteckt hält. Um ihr Ziel zu erreichen, nehmen die Terroristen Eve als Geisel und Phil soll ihnen dabei helfen, ihre finsteren Pläne in die Tat umzusetzen. Es beginnt ein Wettlauf um Leben und Tod, in dessen Verlauf sich der Musiker als ernstzunehmender Gegner erweist.

Dass einen die Eröffnungssequenz und die klischeebeladene Story von Fire an „Vorbilder“ wie Alarm für Cobra 11 erinnert, kommt nicht von ungefähr. Regiesseur Raoul W. Heimrich hat bislang vor allem fürs Fernsehen gearbeitet und dort vor allem für RTL-Serien wie Der Clown, Motorradcops, Alarm für Cobra 11 und Marienhof. Und genauso sieht der Film dann auch aus. Unendlich viele Schnitte, eine irrlichternde Kamera, deren ständige Bewegung Anspannung und Nervosität simulieren soll, ein Cast, das bislang vor allem durch Fernsehpräsenz aufgefallen ist und sich sichtlich bemüht durch die hanebüchene und klischeebeladene Story quält, dazu immer wieder Actionszenen, die vor allem durch eklatante Schnittfehler und andere Missgeschicke auffallen.

Genrefilme hätten es schwer in Deutschland, diese Klage hört man immer wieder. Hinsichtlich dieses Filmes, der nachts im Fernsehen entschieden besser aufgehoben wäre als im Kino, bedauert man das nicht wirklich. In gewisser Weise erinnert Fire in seinem gnadenlosen Dilettantismus an den in dieser Kategorie bislang ungeschlagenen Cascadeur – Die Jagd nach dem Bernsteinzimmer, wobei letzterer wenigstens Spurenelemente von Selbstironie und einige wirklich gute Gags aufzuweisen hatte. Gute Gründe zur Heiterkeit sucht man in Fire hingegen ebenso vergebens wie überzeugende Stunts, eine packende Story oder halbwegs passable darstellerische Leistungen.

Möglichst schnell ins Fernsehen damit, am besten zu nachtschlafender Zeit – da versendet sich so ein Rohrkrepierer, ohne allzu viel Schaden anzurichten.

Fire

Man hat es ja von Anfang an kommen sehen. Beginnend mit der für den Zuschauer völlig unmotivierten rasenden Hatz im silbergrauen Mercedes durch Berlin, die schließlich mit der Explosion des Wagen endet, fallen einem bei Raoul W. Heimrichs Actionstreifen „Fire“ vor allem die technischen Unzulänglichkeiten ins Auge, die man in dieser Häufung selten je zu Gesicht bekommt.
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