FAQs

FAQs

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Ein zornig-skurriles Pamphlet

Wer von dem Film FAQs eine staubtrocken-langweilige Abhandlung über häufig gestellte Fragen im Internet erwartet, der sei an dieser Stelle beruhigt. Denn FAQs handelt keineswegs vom gepflegten Nerdtum, sondern widmet sich den dringenden Fragen, die die schwul-lesbische Community bewegen. Denn der gesellschaftliche und politische Mainstream in den USA befindet sich – wie der Film es nahe legt und es gleich zu Beginn durch entsprechende Textpassagen aus dem Parteiprogramm der Republikaner verdeutlicht – in einem Dauerkriegszustand mit denjenigen, die sich nicht in den konservativen Wertekanon von (heterosexueller) Ehe und Familie einfügen wollen. Dabei beschränken sich die Repressalien, denen sich junge Schwule und Lesben ausgesetzt sehen, keineswegs nur auf schräge Blicke und diskriminierende Bemerkungen, sondern nehmen durchaus – und zwar mit steigender Tendenz – gewalttätige Formen an. FAQs dreht sich nun um die Frage, ob es für die Community legitim ist, gegen die gewalttätigen Übergriffe gegen Homosexuelle selbst mit Gewalt zu reagieren und wie Formen des Widerstandes aussehen könnten.

Im Mittelpunkt steht der siebzehnjährige Gelegenheits-Pornodarsteller India (Joe Lia), der auf der Straße lebt und dort ständigen blöden Anmachen und Übergriffen ausgesetzt ist. Als er eines Tages von zwei brutalen Schlägern bedrängt, wird, greift plötzlich die farbige Drag Queen mit dem sinnigen Namen Destiny (Allan Louis) ein, befreit ihn von seinem Verfolgern und gewährt ihm – wie vielen anderen jungen Schwulen und Lesben auch – Unterschlupf. Schnell merkt India, dass Destiny mit ihrer kleinen privaten Organisation Mittel und Wege sucht, sich gegen die gesellschaftliche Unterdrückung zu wehren – zur Not auch mit Waffengewalt. Langsam lernt India, mit seinem Hass auf die Heteros und mit seinem eigenen Schwulsein umzugehen…

Der Regisseur Everett Lewis (Luster / Lust) ist ohne Zweifel ein engagierter und begabter Filmemacher, der darüber hinaus eine klare gesellschaftliche und politische Botschaft zu vermitteln weiß. So ambitioniert FAQs auch sein mag, lässt der Film bei allem Respekt vor einer Low-Budget-Produktion doch einiges zu wünschen übrig, zumal was die Figurenzeichnung und die Wendungen der Geschichte anbelangt. Schade dabei ist vor allem, dass Lewis in die gleiche Falle läuft, in der er auch die kritisierte Gesellschaftsform weiß: Er ergeht sich in Verallgemeinerungen, Schwarz-Weiß-Malereien und Vorurteilen, die denen des Mainstream in nichts nachstehen und die nicht akzeptieren, wie weit die Gleichstellung von Homosexuellen in der modernen westlichen Gesellschaft (zumindest teilweise) bislang gelungen ist. Wer aber Schwulenklatscher generell als verkappte und noch nicht geoutete Schwule darstellt, der macht sich die Sache etwas zu einfach und gießt Öl in ein Feuer, dass es zu löschen und nicht anzufachen gilt. So ist FAQs als ein wütendes Statement zur empfundenen Situation vieler Homosexueller in den neokonservativen Vereinigten Staaten zu sehen, doch als Utopie für die weiteren Entwicklungen des Zusammenlebens von Homosexuellen und Nicht-Homosexuellen taugt der Film wenig.
 

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Wer von dem Film FAQs eine staubtrocken-langweilige Abhandlung über häufig gestellte Fragen im Internet erwartet, der sei an dieser Stelle beruhigt.

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