Der Zaun

Der Zaun

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Eine Chronik zum G8-Gipfel in Heiligendamm

Anlässlich des jährlichen Gipfeltreffens der acht großen Industriestaaten, das im Juni 2007 in Heiligendamm an der Ostseeküste stattfand, wurde dort ein 13 Kilometer langer und 12,5 Millionen Euro teurer Zaun errichtet. Innerhalb tagten im Grand Hotel Kempinski die Oberhäupter der Nationen, außerhalb versammelten sich die Kritiker der Globalisierungspolitk zu Protestaktionen, die eben dieser Zaun unter dem Aspekt der Sicherheit auf Distanz halten sollte. Einige Zeit vor dem Beginn des G8-Gipfels reisten Andreas Horn und Armin Marewski nach Heiligendamm, um die Bauarbeiten zur Errichtung des Zauns und die einschneidenden Veränderungen vor Ort zu dokumentieren, die dieses politische Ereignis für die Bewohner von Heiligendamm mit sich brachte.
Ein spielendes Kind vor einem monströsen Stacheldrahtgebilde am Strand, ein Polizist in der Landschaft vor einem Dixi-Klo, Arbeiter, die den gewaltigen Zaun montieren und die Räumlichkeiten des noblen Hotels Kempinski – das sind Impressionen aus Heiligendamm während der Vorbereitungen auf den G8-Gipfel, der 2007 unter deutscher Präsidentschaft und dem Motto „Wachstum und Verantwortung“ veranstaltet wurde. Vor allem sicher und ungestört sollte das Treffen der Repräsentanten der großen Industrienationen verlaufen, und bereits im Vorfeld fanden in verschiedenen Regionen Deutschlands Razzien überwiegend bei potentiell als militant geltenden Gegnern des Gipfels aus der politisch linken Szene statt, die später vom Bundesgerichtshof als rechtswidrig eingestuft wurden. Das waren nicht die einzigen präventiven Schutzmaßnahmen innerhalb einer juristischen Grauzone, und es stellen sich auch mit der Einschränkung der Bürgerrechte in Heiligendamm grundsätzliche Fragen nach dem Verhältnis von Sicherheit, Freiheit und dem Recht des Einzelnen, gegen die Vorgänge der „großen“ Politik zu protestieren.

In ihrer Dokumentation Der Zaun beschäftigen sich Andreas Horn und Armin Marewski sowohl mit der konkreten Situation der Bewohner in Heiligendamm um die Gipfel-Zeit als auch mit jener der angereisten Gipfel-Gegner, und auch Vertreter der Ordnungsmacht kommen zu Wort und ein Jurist erläutert die rechtliche Seite. Es schließen sich Bilder von Aktionen der Demonstranten und Maßnahmen der Polizei an, und neben aller Ernsthaftigkeit ergeben sich dabei auch geradezu aberwitzige Eindrücke, wenn eine Gruppe grotesker Clowns eine McDonald´s-Filiale stürmt. Auch nach dem Ende des dreitägigen Gipfels spüren die Regisseure noch drängenden Fragen nach, die das Ereignis vorauswarf sowie nach sich zog und die einen kritischen Blick auf die politische Theorie und Praxis unserer Gesellschaft werfen – ein wichtiger Film, der anhand der vordergründigen Zaun-Symbolik auch Abgründe aufgreift, die nicht nur im Gegensatz der führenden Politiker zu den Globalisierungsgegnern, sondern letztlich in der weltweit ständig krasser werdenden Kluft zwischen Reichtum und Armut zu finden sind.

Der Zaun

Anlässlich des jährlichen Gipfeltreffens der acht großen Industriestaaten, das im Juni 2007 in Heiligendamm an der Ostseeküste stattfand, wurde dort ein 13 Kilometer langer und 12,5 Millionen Euro teurer Zaun errichtet.
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