Croupier

Croupier

Das Leben und die Kunst als Spiel

Wenn ein Film ein ähnliches Schicksal hat wie Mike Hodges Spielfilm Croupier aus dem Jahre 1998, dann ist man schnell mit Vermutungen über die (fehlende) Qualität des Werkes bei der Hand: Denn insgesamt drei Kinostarts, die allesamt nicht gerade erfolgreich waren und eine sehr verzögerte Fernsehausstrahlung beim koproduzierenden Sender ARTE legen den Verdacht nahe, dass die edle Verpackung ein Produkt nicht gerade erwähnenswerte Qualität beinhaltet. Doch in diesem Falle täuschen die Rahmendaten. Croupier ist ein völlig zu Unrecht kaum wahrgenommener Independent-Film, der nun auf DVD erschienen ist.
Jack Stevens (Clive Owen) ist ein reichlich erfolgloser Schriftsteller, der an seinem neuen Buch, einem Auftragswerk über Fußball verzweifelt. Eher widerwillig nimmt er einen Job als Croupier in einem Londoner Casino namens The Golden Lion an und gerät nach anfänglicher Ablehnung immer mehr in die faszinierende Welt der Spieler. Dort herrschen strenge Regeln für die Beschäftigten: Ein Croupier darf nicht selber spielen, er darf kein Verhältnis mit weiblichen Kolleginnen haben und keine Freundschaft mit den männlichen. Und mehr noch: „Draußen“, in der realen Welt darf er es nicht zeigen, wenn er einmal per Zufall einem Spieler begegnet. Klar, dass ein solche strenges Reglement sich nicht immer einhalten lässt, wie Jack Stevens bald schon feststellen muss.

Immer mehr dringt die Welt des Casinos in seinen Phantasien und in seine schriftstellerische Arbeit ein, das Casino wird zur Obsession und zur Kulisse eines neuen Romanes, in dem es selbstverständlich auch ein Alter Ego des Autors namens Jake gibt. Mehr und mehr verweben sich Roman und Realität, der Autor des Buchs und der Off-Erzähler des Films nähern sich immer weiter an, bis sie sich schließlich gegenseitig überlagern. Und schnell steht Jack zwischen drei Frauen, seiner Kollegin Bella (Kate Hardie), der Ex-Polizistin Marion (Gina McKee) und Jani (Alex Kingston), die ihn zu einem Coup gegen das Casino überreden will. Ein mörderisches Spiel beginnt, bei dem Ende nur ein gewinnen kann – wie beim Roulette eben auch.

Scheinbar glatt und durchstilisiert, gelingt Mike Hodges ein raffiniertes Spiel mit verschiedenen Realitäten und Erzählebenen. Bewusst vermeidet er eine glatte Auflösung der vielen Fragen, die die Geschichte aufwirft, führt den Zuschauer geschickt an der Nase herum und bleibt so – wie ein Croupier eben – jederzeit Herr der Lage und des Spiels, das auf außergewöhnliche Weise zu unterhalten weiß.

Die DVD enthält neben dem Film noch Interviews sowie einen Trailer.

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Wenn ein Film ein ähnliches Schicksal hat wie Mike Hodges Spielfilm Croupier aus dem Jahre 1998, dann ist man schnell mit Vermutungen über die (fehlende) Qualität des Werkes bei der Hand:
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