Clandestinos – Gefährliches Leben

Clandestinos – Gefährliches Leben

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Intime Betrachtungen der Untergrundbewegung

Wer sich dafür entschließt, innerhalb eines politisch repressiven Systems seinen Widerstand konsequent zu radikalisieren und damit in den Untergrund zu verlagern, ist gezwungen, sich von seiner bisherigen Existenz weitgehend zu trennen. Das bedeutet in der Regel den Verzicht auf ein eigenes Leben, das nunmehr ganz unter dem Zeichen der politischen, illegalisierten Agitation steht, der sich alle anderen persönlichen Wünsche unterordnen müssen – ein selten bedachter Aspekt, der die häufig romantisch verklärten Vorstellungen vom Leben eines Revolutionärs erheblich relativiert. In seinem Spielfilmdebüt Clandestinos – Gefährliches Leben / Clandestinos entwirft der kubanische Regisseur und Professor für Filmgeschichte Fernando Pérez die tragische Geschichte einer Gruppe junger Menschen, die den waghalsigen Weg der städtischen Guerilla im vorrevolutionären Kuba beschreitet und auf diese Weise ihre gesamte Existenz in den Dienst der eigenen Ideale einer freiheitlichen Gesellschaft stellt.
Kuba in den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts: Um die überzeugten Gegner der Diktatur Fulgencio Batistas, Ernesto (Luis Alberto García) und Carmen (Susana Pérez), die in geheimen Missionen Flugblätter gegen die inhumane Regierung drucken und unter das Volk bringen, bildet sich ein Kreis engagierter Gleichgesinnter, der nach einigen Aktionen von den Sicherheitskräften verfolgt wird und sich für ein geheimes Leben im Schatten der Illegalität entscheidet, zumal beinahe alle bereits Erfahrungen mit Folterungen in den staatlichen Gefängnissen gemacht haben und diese als den größten Horror überhaupt fürchten, der sie bei einer Ergreifung zweifellos erwarten würde. Ausgestattet mit neuen Identitäten nimmt das Dasein der jungen, kämpferischen Widerständigen nun einen ganz anderen Verlauf, der vom gefährlichen, bewaffneten Kampf gegen das Unterdrückungsregime bestimmt wird.

Während es dem idealistischen, geradlininigen Ernesto zunächst allem Anschein nach leicht fällt, sich von seinen sozialen Verbindungen und persönlichen Bedürfnissen zu distanzieren, leidet Carmen immer mehr darunter, dass sie ihren Liebsten Juan (Miguel Navarro), der auch zur Untergrundgruppe gehört, nicht einfach heiraten kann und dass auch so kaum Raum für eine Liebesbeziehung bleibt. Als die junge Nereida (Isabel Santos), Tochter eines Arztes, der ebenfalls die Widerstandsbewegung bei Zeiten unterstützt, sich zunehmend in den Kreis der Clandestinos integriert, geschieht genau das, was Ernesto vermeiden wollte: Zwischen ihm und Nereida bahnt sich ein enges, inniges Verhältnis an, während sich der Kampf – von Seiten der Regierung besonders von dem brutalen, skrupellosen Miralles (Miguel Gutiérrez) verschärft, von dem Ernesto bereits im Gefängnis gefoltert wurde – auf Leben und Tod zuspitzt. Inmitten dieser Unruhen, denen schließlich Juan zum Opfer fällt, wird Nereida schwanger, und Ernestos klare Sicht auf die Dinge beginnt zu verrutschen …

Beschäftigt sich Clandestinos – Gefährliches Leben von 1987 des mittlerweile vielfach ausgezeichneten Regisseurs Fernando Pérez (La vida es silbar / Das Leben, ein Pfeifen, 1998, Suite Habana / Suite Havanna, 2003, Madrigal, 2006) auch in fiktiver Art mit einem ungewöhnlichen, spannenden Thema nach authentischen Ereignissen, so erscheint seine Dramaturgie doch ein wenig eindimensional. Nach einem recht einfallsreichen Auftakt geraten die Auseinandersetzungen mit der Polizei einerseits und die persönlichen Befindlichkeiten der Clandestinos andererseits recht unreflektiert in den Fokus der Handlung, die sich zwar streckenweise eindringlich gestaltet, doch vor allem inhaltliche Hintergründe des Themas vermissen lässt, so dass vor allem die Motivation der Protagonisten kaum Berücksichtigung findet.

Clandestinos – Gefährliches Leben ist zweifellos ein engagierter Stoff, der in Details reichlich Anspielungen auf die historischen Anbahnungen der Revolution in Kuba enthält, die mitunter jedoch zu pathetisch geraten, wie beispielsweise der Name Ernesto der Hauptfigur. Gegen Ende findet zwar eine gelungene Zuspitzung in Form einer unabwendbaren Tragödie statt, die allerdings im Verlauf der Geschichte unzureichend vorbereitet wird und damit nur punktuell überzeugen kann. Diese Tendenz durchzieht den ganzen Film, der in Ansätzen immer wieder positiv aufleuchtet und zweifellos ein wichtiges Anliegen transportiert, in seinen vagen Andeutungen des komplexen Gegenstandes jedoch nicht zu begeistern vermag.

Clandestinos – Gefährliches Leben

Wer sich dafür entschließt, innerhalb eines politisch repressiven Systems seinen Widerstand konsequent zu radikalisieren und damit in den Untergrund zu verlagern, ist gezwungen, sich von seiner bisherigen Existenz weitgehend zu trennen.
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