Camilla

Camilla

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Geschichte einer kauzigen alten Geigerin

Die Idee klingt ebenso vielversprechend wie die Schauspieler, allen voran die Britin Jessica Tandy, deren Karriere um die 80 noch einmal gewaltige Sprünge machte. Die mehrfach mit höchsten Ehrungen der Filmwelt ausgezeichnete Darstellerin brillierte in diesem hohen Alter noch in Filmen wie Miss Daisy und ihr Chauffeur / Driving Miss Daisy (1989) und Grüne Tomaten / Fried Green Tomatoes (1991), während sie in früheren Jahren durch Klassiker wie Das siebte Kreuz / The Seventh Cross (1944) und Die Vögel / The Birds (1963) einem ganz großen Publikum bekannt wurde. Ihr vorletzter Film Camilla von 1994, der ihr ebenso gewidmet ist wie der letzte desselben Jahres, Nobody´s Fool mit Paul Newman, nach dessen Dreharbeiten sie mit 85 verstarb, erzählt von einer außergewöhnlichen alten Dame und einer schrägen Frauenfreundschaft, die von der gemeinsamen Liebe zur Musik getragen wird.
Ein Urlaub soll dringend benötigten frischen Wind in die Beziehung von Freda (Bridget Fonda) und Vincent (Elias Koteas) bringen, und so mietet das Paar ein kleines Ferienhaus in Georgia, wo der mäßig erfolgreiche Künstler und die junge Musikerin eine gute Zeit miteinander verbringen wollen. Rasch entsteht ein Kontakt zu ihren Vermietern, wobei sich Freda sehr gern mit der alten, erzählfreudigen Camilla (Jessica Tandy) anfreundet, einer passionierten Geigerin, während Vincent deren etwas merkwürdigen Sohn Harold (Maury Chaykin), einen Independent-Filmemacher, zunächst recht widerwillig ein wenig kennen lernt. Doch als Harold ihm einen Job als Gestalter von Filmplakaten anbietet, will Vincent sofort mit dem Regisseur nach Toronto aufbrechen, wo er mit seiner Frau lebt, doch Freda weigert sich entschieden, mit nach Hause zu fahren.

So brechen die beiden Männer allein auf, und die Frauen beschäftigen sich viel miteinander und der Musik, bis Camilla Jessica vorschlägt, gemeinsam nach Toronto zu einem Brahms-Konzert zu reisen, in dem einst die Geigerin den schwierigen Solo-Part übernahm und das eine entscheidende Bedeutung für ihren Lebensweg hatte – es beginnt ein Roadmovie der besonderen Art, denn das alte Auto, mit dem sie unterwegs sind, rollt von der Fähre und versinkt im Fluß. Doch das entschlossene Gespann gibt nicht auf und findet immer einen Weg, um weiter in Richtung Toronto zu kommen, und diese Reise wird zur Begegnung mit der Musik und der Vergangenheit Camillas, während sich die Männer mittlerweile ganz heftige Sorgen um die vermissten Frauen machen, vor allem, als der Wagen aus dem Fluss geborgen wird …

Camilla der erfolgreichen indischen Regisseurin Deepa Mehta, die bereits seit 1973 in Kanada lebt, ist ein Film, der sich zwischen gefühlvollen Betrachtungen über das Leben und flockiger Komik bewegt. Mit teilweise sehr schönen Bildern gleitet die Geschichte jedoch zu häufig in seichte Sentimentalitäten ab, und die nicht immer sorgfältige Dramaturgie, die wenig pointierten Dialoge sowie die insgesamt zu schwach gezeichneten Charaktere vor allem des Paares Bridget Fonda / Elias Koteas verschrammeln einiges vom hervorragenden Potential des Films, der so allzu gefällig bleibt. Punktuell gibt es durchaus ansprechende Wendungen und Sequenzen, und vor allem Jessica Tandy füllt ihren Raum souverän und sehenswert aus, doch es gelingt nicht, die Umgebung und das Niveau dieser starken Figur mit ihrer berührenden Geschichte entsprechend zu gestalten. So bleibt Camilla eine heitere Schmonzette mit manchen ausgefallenen und pfiffigen Ansätzen, die aber überwiegend im Dickicht der Mittelmäßigkeit verschwinden.

Camilla

Die Idee klingt ebenso vielversprechend wie die Schauspieler, allen voran die Britin Jessica Tandy, deren Karriere um die 80 noch einmal gewaltige Sprünge machte.
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