But Beautiful (2019)

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Wie könnte das Leben auf der Welt aussehen, wenn es nicht von Gier und Ausbeutung überschattet wäre? Erwin Wagenhofer stellt in seinem neuen Dokumentarfilm „But Beautiful“ Fragen für eine andere Zukunft und erkundet erfrischend optimistische Antworten auf die Probleme unserer Zeit.

But Beautiful (2019)

Eine Filmkritik von Lars Dolkemeyer

Ein Tropfen im Ozean

Überall auf der Welt findet Erwin Wagenhofer in seinem neuem Dokumentarfilm „But Beautiful“ Menschen, die ein gutes Leben führen. Doch was ist das eigentlich, dieses gute Leben? Wie lässt sich im Schatten der allesverzehrenden Gier von globalem Kapital ein Verhältnis zur eigenen Arbeit finden, das nicht nur den einzelnen Menschen, sondern die Gemeinschaft der ganzen Menschheit bereichert? Wie kann im Angesicht der immer drängenderen Probleme von Naturvernichtung und Klimawandel ein Verhältnis zum Planeten aussehen, das nicht gierig und rücksichtslos, sondern einfach und schön ist?

Um diese Fragen zu erkunden, nimmt der Film seinen Ausgang zunächst beim Jazz-Pianisten Kenny Werner: Veränderung auf der Welt ist unmöglich, wenn der Kreativität kein Freiraum hinter den Einschränkungen des verkopften Denkens bleibt und das Fließen und Atmen musikalischer Freiheit blockiert sind. Immer wieder kehrt Wagenhofer auf diese Weise zur Musik als Möglichkeit zurück, das eigene Verhältnis zur Welt, zu anderen Menschen und zu sich selbst anders zu denken. Mit dem jungen Jazz-Trio Mario Rom’s Interzone erkundet der Film die spontanen Rhythmen, die sich zwischen sich frei und vertrauensvoll aufeinander einlassenden Menschen ergeben; mit der kolumbianischen Sängerin Lucia Pulido und der atemberaubend einfühlsamen Tiefe ihrer Musik entsteht die Frage, wie Menschen aneinander wachsen können, anstatt sich nur an einem Gegenüber abzuarbeiten.

In die Melodien dieser Suche nach einer neuen Form der Wahrnehmung und des Denkens, die nur jenseits etablierter Barrieren und Muster liegen können, mischen sich dabei immer wieder auch ganz konkrete Töne: So arbeiten die Schweizer Barbara und Erich Graf bereits seit über einem Jahrzehnt auf La Palma, um dort verödetes Ackerland wieder fruchtbar zu machen. Mit überragendem Erfolg können die beiden davon berichten, wie sie bereits seit Jahren vollkommen autark von ihrer Permakultur leben. Sie stützen die natürlichen ökologischen Kreisläufe, verwerten die Energie von Wasser, Sonne und Boden und demonstrieren dabei, wie reichhaltig die Möglichkeiten der Natur sein könnten, würde man sie nur auf eine Weise jenseits der kurzfristigen Profitmaximierung zu nutzen verstehen.

Gleiches zeigt auch der österreichische Förster Erwin Thoma: Die kaum begreifbare Schönheit und Produktivität eines Waldes beschreibt er in tiefer Leidenschaft als einzigartiges Kraftwerk – ohne Verschmutzung, ohne Zerstörung produzieren Wälder nicht nur riesige Mengen Holz, sie reinigen auch Wasser und Luft und bieten einzigartige Lebensräume. Viel mehr Menschen könnten etwa in holzgedämmten Häusern gänzlich ohne Heizung leben; es mangelt nur an langfristiger Vorstellungskraft, die von kurzfristigen Interessen gänzlich eingehegt und an ihrer Entfaltung gehindert wird. Unbeschreibliche Kräfte lägen im Einklang nicht nur mit anderen Menschen, sondern auch mit den Möglichkeiten der Erde. Wie Kenny Werner mit einem bekannten Bild erklärt: Ein Tropfen Wasser alleine verdunstet schnell, ein Tropfen im Meer teilt die Macht des ganzen Ozeans.

But Beautiful selbst versucht sich dabei einer gradlinigen, einschränkenden Denkweise zu entziehen, um seinen Protagonist*innen Raum zu geben, in dem sie und ihre Gedanken sich entfalten können. Anders als in Wagenhofers Filmen über die Finanzkrise (Let’s Make Money, 2008), über globale Nahrungsversorgung (We Feed the World, 2005) oder über den internationalen Zustand von Bildungssystemen (Alphabet, 2013) gibt But Beautiful keine Erklärungen, führt Probleme nicht auf vereinfachte Ursachen zurück. Stattdessen präsentiert er umgekehrt Lösungen für eine andere Zukunft, die überall auf der Welt liegen können: Das Barefoot College in Indien etwa unterrichtet Frauen aus über 70 Ländern in der Herstellung von Solaranlagen. Als Solar Mamas kehren diese in ihre Dörfer zurück und bringen nicht nur Energieversorgung mit, sondern die Fähigkeit, jedes vorhandene Potenzial sinnvoll zu nutzen – persönliches, soziales wie ökologisches.

Beeindruckend an But Beautiful ist vor allem die Schönheit, die er entgegen warnend-dystopischer Filme wie Erde (Nikolaus Geyrhalter, 2019) gerade nicht darin sucht, die globale Zerstörung vor Augen zu führen, sondern vielmehr die unermesslichen Möglichkeiten, die unser Planet bereithält. Es ist nicht mehr die Zeit für überwältigte Hoffnungslosigkeit im Angesicht geradezu erhabener Zerstörung; es ist die Zeit für einen auf andere Zukünfte gerichteten Blick, der dabei fest auf dem Boden der Gegenwart steht. Es mangelt nicht an Aussichtslosigkeiten, sondern an Bildern einer Wirklichkeit, die längst in der Erde, in der Luft und im Wasser existiert.

But Beautiful (2019)

Wie könnte ein gutes, ein gelungenes Leben aussehen? Ist ein „anderes“ Leben überhaupt möglich? Entstanden ist ein Film über Perspektiven ohne Angst, über Verbundenheit in Musik, Natur und Gesellschaft, über Menschen mit unterschiedlichen Ideen aber einem großen gemeinsamen Ziel: eine zukunftsfähige Welt.
 

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Meinungen
Ulla Hamann · 08.01.2020

Der Film hatte Längen, die teilweise mit Musik überdeckt wurden. Die beruhigende Wirkung des Films wurde zerstört mit dem letzten Klavierstück, das "Greensleaves" verunstaltete und ich mir nur noch wünschte, dass das Klavierstück endlich aufhört.

care2cure · 02.12.2019

Der Film zeigt: Auch wenn die Probleme dieser Welt immer komplexer erscheinen, sind doch die Lösungen beschämend einfach.

Tinchen · 25.11.2019

Unfassbar platt. Hatte das Gefühl einen 1,5 stündigen Trailer anzuschauen.

Veronika · 24.11.2019

Sehr inspirierender mutmachender Film!
Herzlichen Dank!
Gibt's den Soundtrack separat zu haben????
Schade, dass die Namen all der tollen mitwirkenden Menschen nur im Nachspann und da winzig klein, fast unleserlich stehen!
Das find ich gar nicht gut 😞!

Kommentare

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