Bam Gua Nat

Bam Gua Nat

Eine Filmkritik von Katrin Knauth

Berlinale 2008: Wettbewerb

Zum Auftakt erfahren wir, dass Sungnam (Kim Youngho) beim Marihuana rauchen erwischt wurde und deshalb nach Paris geflohen ist. Er lässt in Korea seine Frau und sein altes Leben als Maler zurück und sucht nach einem Neubeginn. Ein lapidarer Grund, meint man zunächst, doch schnell wird man von Hong Sangsoos tagebuchartiger Inszenierung aufgesogen und folgt gebannt dem sich treiben lassen des jungen Manns in Paris.
Sungnam hat nicht viel Geld und steigt in einem billigen Gästehaus eines Koreaners ab. Zehn Leute schlafen in einem Zimmer, schönes Wohnen sieht anders aus. Sungnam telefoniert jede Nacht um 1 Uhr mit seiner Frau, klagt über sein Leben in Paris, aber die Angst zurückzukehren und von der Polizei geschnappt zu werden, ist groß. Tagsüber zieht er ziellos durch die Straßen, besorgt sich Zigaretten, geht essen, Kaffee trinken. Vielmehr macht er nicht. Eines Tages läuft ihm seine Exfreundin Min-sun (Kim Younjin) über den Weg und kurz darauf lernt er zwei weitere junge koreanische Kunststudentinnen kennen, mit denen er viel Zeit verbringt, ans Meer fährt, Austern isst und etliche Flaschen Wein leert. Mit einer von ihnen beginnt er ein Verhältnis, doch als das sich zu entfalten beginnt, drängt ihn seine Frau mithilfe einer Notlüge, endlich wieder zurückzukommen.

Wie auch schon in Woman On The Beach, der letztes Jahr im Panorama-Programm der Berlinale gezeigt wurde, hat man auch in Bam Gua Nat / Nacht und Tag viel Zeit – die Filmlänge beträgt 145 Minuten! – die Figuren, ihre Charaktere und ihr Verhalten eingehend zu studieren. Besonders den von Sungnam, der immer etwas verschlafen und verloren aussieht, ganz so als hätten das illegal gerauchte Gras und der Jetlag nie aufgehört zu wirken. Er will ein neues Leben beginnen, doch fängt er nicht wirklich an, danach zu suchen. Einmal bewirbt er sich um einen Job als Kellner, doch weil er keine Arbeitserlaubnis hat, gibt er das Vorhaben schnell wieder auf. Er ist ein Drifter der nicht so richtig von der Stelle kommt.

Auch wenn der Film fast ausschließlich in Paris spielt, bewegt er sich kaum aus dem koreanischen Milieu heraus. Sungnam sucht immer nur die Nähe seiner Landsleute, was für uns Deutsche ja eher ungewohnt ist. Und so erfährt man viel über die Koreaner in der Fremde, wie sie zusammenhalten, ihre Gewohnheiten pflegen mit Allem was dazu gehört wie Essen, Trinken und Feiern. Sungnam bemerkt an einer Stelle, wie er einen jungen Franzosen beneidet, weil der ein Haus, ein Job, Freunde usw. hat. All das, was er in Paris eben nicht beseitzt. Doch nicht zuletzt scheitert es an der Sprache, sich ins Pariser Leben zu stürzen und genau diese Dinge zu erreichen.

Hong Sangsoo zählt zu den wichtigsten koreanischen Independent-Regisseuren. Bereits mit seinem Debütfilm The Day a Pig fell Into The Well (1996) erzielte der 48-jährige Filmemacher große Anerkennung in seinem Heimatland. Im Jahr 2004 gründete er seine eigene Produktionsfirma „Jeonwonsa“. Seine Filme beschäftigen sich an der Oberfläche eher mit banalen, alltäglichen Dingen, ermöglichen aber auch eine tiefere, komplexe Sichtweise auf das Leben und die koreanische Gesellschaft von Heute. Obwohl Bam Gua Nat / Nacht und Tag eines der bisherigen Festival-Highlights ist, ist jedoch fraglich, ob er einen der begehrten Preise erhalten wird.

Bam Gua Nat

Zum Auftakt erfahren wir, dass Sungnam (Kim Youngho) beim Marihuana rauchen erwischt wurde und deshalb nach Paris geflohen ist.
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