Tony Takitani

Tony Takitani

Eine Filmkritik von Katrin Knauth

Die Magie der Einsamkeit

Tony Takitani (Issey Ogata) ist ein leidenschaftsloser Einzelgänger, der auf eine einsame Kindheit zurück blickt und Gefühle als befremdlich empfindet. Mechanisch geht er seiner Arbeit als technischer Zeichner nach und führt auch nach Feierabend ein ziemlich ereignisloses Leben. Sein trostlos dahin fließendes Leben ändert sich erst, als er Eiko (Rie Miyazawa) begegnet. Die 15 Jahre jüngere Schönheit lässt Tony Takitani endlich richtig aufblühen und zum ersten Mal wahre Nähe und Geborgenheit erleben. Auf das glückliche Verliebtsein folgt die rasche Heirat.

Doch das junge Glück wird durch eine krankhafte Sucht Eikos getrübt: ihre obsessive Leidenschaft für teure Designer-Kleidung. Immer wieder gerät sie in einen exzessiven und zwanghaften Kaufrausch, so dass bereits ein ganzes Zimmer mit ihren luxuriösen Kleidern gefüllt ist. Tony Takitani kann es schließlich nicht mehr ertragen und bittet seine Frau, sich beim Einkaufen etwas einzuschränken. Aus Liebe zu ihm will sie sich mäßigen, aber er ahnt nicht, welche dramatischen Konsequenzen das für ihn hat. Durch ein schlimmes Unglück erlebt er die bittere Einsamkeit aufs Neue verbunden mit dem tragischen Verlust seiner geliebten Frau, die ihm ihre gesamte wertvolle Garderobe hinterlässt. Verzweifelt versucht er sein Schicksal zu ertragen und macht sich auf die Suche nach einer Frau mit der gleichen Kleidergröße wie Eiko.

Tony Takitani ist die Verfilmung der gleichnamigen Erzählung von Haruki Murakami. Der japanische Regisseur Jun Ichikawa, geboren 1948 in Tokio, gehört der gleichen Generation wie Murakami an und ist begeisterter Fan seiner Literatur. Wie der Autor hat auch Ichikawa ein großes Einfühlungsvermögen für Themen wie Einsamkeit, Isolation und Verlust. Die zauberhafte Melancholie der Erzählung hat er in wunderschöne, reduzierte Bilder gebracht und einen poetischen, stillen Film geschaffen, der uns ganz entzückt aus dem Kino entlässt.
 

Tony Takitani

Tony Takitani (Issey Ogata) ist ein leidenschaftsloser Einzelgänger, der auf eine einsame Kindheit zurück blickt und Gefühle als befremdlich empfindet.

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Meinungen
mehrdad zaeri · 03.07.2005

Nach langer zeit wieder ein Film, der mir für die nächsten Jahre in guter Erinnerung bleib.
Die kameraführung (fließender Szenenwechsel), die Filmmusik und die Farben zeugen von einem spielerischen, mutigen Umgang des Regisseurs mit diesem Film.
Es gibt hier Zahllose Symboliken und Nebengedanken, die dem Zuschauer erst nach dem Film langsam klar werden.

· 27.06.2005

Einfach genial, wie der Film die Stimmung aus den Büchern rüber bringt.

tina · 14.06.2005

Sehr schade, dass dieser Film synchronisiert wurde! es gibt in dieser Stadt (Frankfurt) ein Mangel an OF-Filme... Gerade der Film von Ichikawa! Mit viel Sensibilität gedreht, wunderbare Farben (alles um die graue Farbe) die eine "Zen"-Atmosphère vermitteln aber auch die Einsamkeit betonen... Sehr sehenswert.

Marie · 08.06.2005

Schade finde ich, dass der offizielle Kino-Start am 9.6. ist, jedoch der Film bei keinem der drei großen Kino-Betreibern gezeigt wird , die mittlerweile die kleinen alternativen Stadtteilkinos verdrängt haben. So bleibt so manchem willigen Kinogänger oder heißblütigen Murakami-Leser der Zugang zum Film vorerst verwehrt.

Kommentare

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