Ödipussi

Ödipussi

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Donnerstag, 29.12.2011, MDR, 22:50 Uhr

Im vergangenen August verstarb im Alter von 87 Jahren ein deutscher Künstler und Komiker, dessen ebenso umfangreiches wie vielseitiges Schaffen einige markante und unvergessliche Witzigkeiten innerhalb der heimischen Humorlandschaft angepflanzt hat: Loriot alias Vicco von Bülow, geboren als Bernhard-Victor Christoph Carl von Bülow, der für sein illustres Werk mit zahlreichen (Ehren-)Preisen ausgezeichnet wurde. Neben seinen Buchpublikationen, einigen Produktionen für das Fernsehen sowie ungezählten anderen Missionen in Sachen lachen sind es zwei Spielfilme, die Loriot als Regisseur realisiert hat: Ödipussi von 1987 und Pappa ante Portas aus dem Jahre 1991, die hierzulande sensationelle Erfolge verbuchen konnten und beide mit der Goldenen Leinwand als meistbesuchte Filme ihres Kinojahres prämiert wurden.
„Sag nicht immer Pussi zu mir“, fordert der 56jährige Geschäftsmann Paul Winkelmann (Vicco von Bülow) gleichermaßen genervt und vergeblich von seiner herrischen Mutter Louise (Katharina Brauren), die ihren Sohn nur allzu gern und energisch wie ein großes, längst gealtertes Kind behandelt, für das sie selbstverständlich noch das Kochen und Bügeln übernimmt. Unverzeihlich ist es für sie, dass Paul dann schließlich doch in eine eigene Wohnung gezogen ist, und dass sich ihr nicht nur auf sozialem Terrain völlig ungeschickter Abkömmling nun auch noch mit einer Frau trifft, kann die dominante Mama so gar nicht akzeptieren. Doch für Paul stellt die sich holprig anbahnende Beziehung zu der ebenfalls kräftig schrägen Psychologin Margarethe Tietze (Evelyn Hamann), die auch nicht wenig unter ihren stumpfen Eltern (Edda Seippel, Richard Lauffen) leidet, nun mal seine erste Erfahrung in Sachen Liebe dar, die er sich nicht nehmen lässt, und als die beiden Familien schließlich aufeinander treffen, ist die zwischenmenschliche Katastrophe bereits vorprogrammiert …

Das hervorragend ausdifferenzierte, trefflich humoristische Spiel mit den allzu gängigen, beinahe banalen menschlichen Unzulänglichkeiten ist die Spezialität von Loriot, die er in seinem ersten Spielfilm als Regisseur und Drehbuchautor sowie auch als Hauptdarsteller gekonnt zum Kochen bringt. An seiner Seite und von ihrer besten zeigt sich hier Evelyn Hamann, die bereits seit 1976 als weiblicher Gegenpart zu Loriot knochentrocken im Einsatz war. Ödipussi wurde seinerzeit mit dem Ernst-Lubitsch-, dem Bayerischen und dem Deutschen Filmpreis in Gold ausgezeichnet, und es sind zuvorderst die oftmals schreiend komischen Details und Entwicklungen der schlichten, doch höchst konzentrierten Szenengestaltung, die den Film zu einem explosiven Heiterkeitsmeisterwerk werden lassen. Dabei stehen wie so häufig bei Loriot auch hier Sprachwitz und Holprigkeiten um die menschliche Kommunikation in ihrer typisch lakonischen Art im Fokus, die meisterlich von kruder Körperkomik flankiert werden. Im Hilflosen, Umständlichen und Missverständlichen entfaltet sich ein parodistischer Humor, der deshalb ankommt, weil diese Territorien einem Jeden nur allzu bekannt sind und es dem Zuschauer dadurch wohltuend gelingt, im Grunde über die eigenen Schwächen zu lachen, ganz im Sinne Loriots, der es trotz seines würdig-respektablen Niveaus geschafft hat, auch Massen zu begeistern.

Ödipussi

Im vergangenen August verstarb im Alter von 87 Jahren ein deutscher Künstler und Komiker, dessen ebenso umfangreiches wie vielseitiges Schaffen einige markante und unvergessliche Witzigkeiten innerhalb der heimischen Humorlandschaft angepflanzt hat: Loriot alias Vicco von Bülow, geboren als Bernhard-Victor Christoph Carl von Bülow, der für sein illustres Werk mit zahlreichen (Ehren-)Preisen ausgezeichnet wurde.
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