Hounds of Love

Hounds of Love

Eine Filmkritik von Falk Straub

Schreie und Flüstern

Der Australier Ben Young legt mit seinem Langfilmdebüt Hounds of Love ein Entführungsdrama vor, das tief in die Psyche eines mörderischen Paares dringt und den Zuschauern an die Nieren geht.
Geschmeidig gleitet die Kamera an einem Spielfeld entlang, auf dem sich Schülerinnen in Superzeitlupe Bälle zuwerfen. Über die Montage nähert sich der Film den Mädchen, nimmt ihre Arme, Beine, ihre weinroten Röcke und ihre blütenweißen Shirts ins Visier. Nur ihre Gesichter spart er aus, denn die Objekte der Begierde sind austauschbar. Dieser begehrende Blick, den man zunächst für einen rein männlichen halten könnte, gehört einem Paar. Kurze Zeit später bittet es eines der Mädchen in ihren Wagen. Es war nicht das erste, und es wird nicht das letzte sein.

Die beiden heißen John (Stephen Curry) und Evelyn White (Emma Booth) und haben laut Produzentin Melissa Kelly mehrere reale Vorbilder. Eines davon ist das Ehepaar David und Catherine Birnie, die 1986 im australischen Perth vier Frauen zwischen 15 und 31 Jahren ermordeten. Wie die Birnies sperren auch die Whites ihre Opfer nicht irgendwo fernab der Zivilisation ein, sondern in ihrem Haus inmitten einer beschaulichen Nachbarschaft. Der Bretterverschlag vor dem Fenster dämpft die Laute der geknebelten Mädchen nur unmerklich. Doch keiner schöpft Verdacht; kein Bekannter, kein Anrainer, kein Behördenmitarbeiter. Alle gehen von Eheproblemen aus, denken es sei Evelyn, die sich die Seele aus dem Leib brülle. Auch diese Geschichte erzählt Hounds of Love. Zwischen all den lüsternen und leeren, den begehrenden und bittenden Blicken der Entführer und ihrer Entführten geht es auch ums Wegsehen.

Hounds of Love ist Ben Youngs beängstigend souveränes Langfilmdebüt. Der Regisseur und Drehbuchautor tappt weder in die Falle, sich am Leid der Gepeinigten zu weiden, noch in die, deren Peiniger zu dämonisieren. Die anfänglich vorgeführte Sexualisierung der jungen Frauenkörper bleibt die letzte. Den Rest überlässt Young der Vorstellungskraft seines Publikums, wenn er ihm durch seine Protagonisten ein ums andere Mal die Tür vor der Nase zuschlägt. Was folgt, sind Schreie und Flüstern. An einer Stelle schwillt das Kreischen der gekidnappten Vicki Maloney (Ashleigh Cummings) gemeinsam mit tief dräuenden Bässen zu solch einem ohrenbetäubenden Crescendo an, wie man es selten, wenn überhaupt schon einmal im Kino gehört hat. Ein verzweifelter Hilferuf, der tatsächlich durch Mark und Bein geht.

Als ein Crescendo könnte man auch das Gesamtkonzept des Films bezeichnen. Minutiös komponiert Young gemeinsam mit seinem Kameramann Michael McDermott Einstellung für Einstellung, in denen er die Beziehungen zwischen Tätern und Opfer, zwischen dem Paar selbst und die Frage nach einer möglichen Rettung konsequent zum finalen Schlussakkord steigert. Evelyns Verhältnis zu John ist eine als Liebe missverstandene Abhängigkeit. Nicht zuletzt durch ihren hilfesuchenden Blick öffnet Vicky Evelyn die Augen. Am Ende sind es die Frauen, die den Ton angeben.

Hounds of Love

Der Australier Ben Young legt mit seinem Langfilmdebüt "Hounds of Love" ein Entführungsdrama vor, das tief in die Psyche eines mörderischen Paares dringt und den Zuschauern an die Nieren geht.
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Meinungen
Mourad · 13.10.2017

Großartig beklemmender, immens intelligent-berührender und schonungsloser Psycho Thriller gedreht von einem genialen Kameramann, dirigiert von einem jungen Meister Regisseur.
Hier passt einfach alles, die Szenerie, die Kunst des Filmens und jeder einzelne Hauptcharakter (was für tolle Schauspieler!). Blockbuster Kinogänger sollten allerdings die Finger von dem Film lassen. Hier wird nicht geprotzt, denn wer was kann, stellt sich selten in den Vordergrund. Der Film kann was. Besonders weh tun, keine leichte Kost...

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