Das Mädchen mit den schwarzen Strümpfen

Das Mädchen mit den schwarzen Strümpfen

Eine Filmkritik von Martin Beck

Jeder ist verdächtig

Die ewige Anziehungskraft von Sex & Crime, nur leider aus dem Jahr 1957, als das mit den Andeutungen noch etwas zu übereifrig gehandhabt wurde. Wäre Das Mädchen mit den schwarzen Strümpfen ein aktueller Film, könnte man ohne Probleme allen möglichen Sleazeversuchungen erliegen, doch so bleibt es bei dezenten Ergebnis-Make-Ups und doppeldeutigen Dialogen. Was leider nicht ganz ausreicht, um ohne Anflüge von Langeweile zum „überraschenden“ Ende zu gelangen.
Angelegt ist Das Mädchen mit den schwarzen Strümpfen als Whodunit-Noir, angesiedelt in einem Motel in Utah, das zum Schauplatz mehrerer Morde wird. Beginnend mit dem titelgebenden Mädchen wird hier wiederholt gemeuchelt und jeder (außer dem Barkeeper!?) ist natürlich verdächtig. Besondere Aufmerksamkeit richtet sich auf einen gelähmten Frauenhasser (Ron Randell), aber auch ein strammer Anwalt (Lex Barker), die Schwester des Frauenhassers (Marie Windsor), ein saufender Indianer (Larry Chance) oder die Freundin des Anwalts (Anne Bancroft) könnten als Täter in Frage kommen.

Es ist eine illustre Gemeinschaft, die sich in dem Motel in Utah zusammengefunden hat, doch allzu viele illustre Dinge gibt es leider nicht zu sehen. Mal abgesehen von der braven Darstellung der Sex- und der Crime-Szenen, ist der Film so preiswert inszeniert, dass die Charaktere ständig nur reden und dabei stocksteif herumstehen. Der Regisseur hier, Howard W. Koch, der später als Produzent von zum Beispiel Ein seltsames Paar oder Airplane! große Erfolge feiern sollte, hat null Ahnung von Stil oder Spannung.

Das Mädchen mit den schwarzen Strümpfen ist Low-Budget-Pulp, basierend auf einer Kurzgeschichte von Peter Godfrey, der die über die Figuren angebotenen Möglichkeiten kaum ausnützt. Die Whodunit-Frage lässt jede Dramatik vermissen, die Dialoge sind kurz vor psychotronisch und so richtig nahe kommen einem die Personen auch nicht, dafür sind sie viel zu sehr gefangen in einem hemdsärmeligen bis braven Drehbuch, das selbst Mamie Van Dorens Cruise Missiles wie Eiersollbruchstellenverursacher darstellt.

Wie so oft bei obskuren B- bis C-Filmen aus lange zurückliegenden Jahrzehnten macht das Poster mehr Appetit als alles andere. Wenn denn ein Rettungsanker gefunden werden soll, würde sich das durchaus interessante Schauspieler-Ensemble anbieten, das hier überraschend hüftlahm herumsteht und durch die Bank unter Normalform spielt – was im Falle von Lex Barker durchaus etwas heißen mag. So richtig kommt hier einfach keiner aus der Hüfte und spätestens bei der horriblen Szene, als eine Person durch einen Schubser in den Swimmingpool umgebracht wird, fragt man sich, warum das alles hier nicht ungefähr 20 Jahre später entstanden ist.

Die DVD von Pidax bietet ein exzellentes Bild und eine schöne deutsche Synchro mit Perlen wie „Wasser macht mich krank“ oder „Nur wenn ich betrunken bin, erinnere ich mich an die Dinge, die passierten als ich das letzte Mal betrunken war“. Als Bonus liegt eine selbstverständlich liebevoll gestaltete Reproduktion der passenden Ausgabe der Illustrierten Film Bühne bei.

Das Mädchen mit den schwarzen Strümpfen

Die ewige Anziehungskraft von Sex & Crime, nur leider aus dem Jahre 1957, als das mit den Andeutungen noch etwas zu übereifrig gehandhabt wurde. Wäre „Das Mädchen mit den schwarzen Strümpfen“ ein aktueller Film, könnte man ohne Probleme allen möglichen Sleazeversuchungen erliegen, doch so bleibt es bei dezenten Ergebnis-Make-Ups und doppeldeutigen Dialogen.
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