Der Frauenmörder

Der Frauenmörder

Eine Filmkritik von Rajko Burchardt

Im Schrank von Kevin Bacon

Andere Justizthriller enden mit großen Gerichtsprozessen, dieser beginnt gleich mit einem. Der Frauenmörder heißt Martin Thiel (Kevin Bacon) und kommt aus reichem Hause. Eine Zeugin will ihn während seiner mutmaßlichen Tat beobachtet haben, doch Staranwalt Ben Chase (Gary Oldman) bezweifelt deren Glaubwürdigkeit. Es kommt zum Freispruch, wenige Tage später geschieht ein weiterer Mord. Die Tatumstände ähneln sich, Martin gerät erneut unter Verdacht. Er tut bemerkenswert wenig dafür, nicht als Psychopath wahrgenommen zu werden, aber es fehlt nach wie vor an Beweisen gegen ihn. Allmählich dämmert auch Ben, dass sein mit der Schuldfrage fröhlich kokettierender Mandant ein Serienkiller sein könnte. Ihm muss also noch einmal der Prozess gemacht werden, notfalls außergerichtlich.
Dieser Herausforderung scheint Ben nicht gewachsen. Er hat an Martin geglaubt. Ist dessen kühlem Charme erlegen. Lässt sich von ihm noch immer schöne Augen machen. Man könnte das fast zweistündige Umeinanderkreisen dieser beiden Figuren Psychoduell nennen, wenn es nicht doch nur bloßes Balzverhalten wäre. Der homoerotische Subtext des Films mag bedrohlich gedacht sein, ist aber vor allem amüsant. In einem grandios subtilfreien Moment entdeckt Ben – ehemals District Attorney und jetzt Strafverteidiger („I switched teams.“) – einen gläsernen Gartenpavillon, dessen unterirdische Tunnelverzweigungen direkt zum Kleiderschank von Martin führen! Im closet des Frauenmörders kommt es anschließend zum herrlich bedepperten Zwiegespräch: Eines Tages, lässt Martin den Anwalt wissen, werde er all seine Geheimnisse herausfinden – „und ich frage mich, ob wir dann noch Freunde sind“.

Nach halber Laufzeit dichtet der Film seinem Helden eine Affäre an, um die unterdrückten Begehrlichkeiten erst richtig in Wallung zu bringen. Ellen (Karen Young) stolpert folglich als Frau ohne Eigenschaften in die Handlung, darf Ben den Kopf verdrehen und Martin ein potenzielles Opfer sein. Buchstäblicher Höhepunkt ist dann eine Sexszene, unter die der Film Squash-Impressionen (!?) schneidet, ehe sich Ben statt seiner Ellen konsequenterweise den lustvoll grinsenden Martin ins Bett fantasiert. So generisch der Film auch konstruiert sein mag, sind es doch derartige Momente, die in großem Stil über seine gemütlich langweilende Plotprämisse hinwegtrösten. Zumal Jerry Goldsmiths erstaunlich lustloser Ambient-Score den gelackten Camp dieses Psychothrillers auch noch mit ordentlich Synthie-Cheese zubackt – und alles betont Ernsthafte damit noch einmal doppelt zum Zerlaufen bringt.

Der Frauenmörder kam zu einem Zeitpunkt in die Kinos, an dem sich das US-amerikanische Courtroom Drama durch neue Gender-Konstellationen zu erneuern versuchte. Gerichtsthriller wie Das Messer (1985), Suspect – Unter Verdacht (1987) oder Jenseits der Unschuld (1993) erzählten von Anwältinnen und deren Konflikten aus persönlichem Begehren und professioneller Urteilsfähigkeit. Als Versuch einer rein männlichen und entsprechend homoerotisch codierten Variation auf ebendiesen Kinotrend ist der Film also zumindest von bestimmtem Interesse – mit einem fönfrisierten Gary Oldman, der nicht recht weiß, ob er Kevin Bacon nun psychopathologisch auseinandernehmen oder sich vielleicht einfach nur in ihn verlieben soll. Die Kritik hat das US-Debüt von Regisseur Martin Campbell, der später sowohl durchwachsene (GoldenEye) als auch herausragende (Casino Royale) Bond-Filme inszenieren sollte, trotzdem mit Häme übergossen. Im Schrank von Kevin Bacon fühlt sich eben nicht jeder wohl.

Der Frauenmörder

Andere Justizthriller enden mit großen Gerichtsprozessen, dieser beginnt mit einem. „Der Frauenmörder“ heißt Martin Thiel (Kevin Bacon) und kommt aus reichem Hause. Es gibt eine Zeugin, doch Staranwalt Ben Chase (Gary Oldman) bezweifelt deren Glaubwürdigkeit. Es kommt zum Freispruch, wenige Tage später geschieht ein weiterer Mord. Die Tatumstände ähneln sich, Martin gerät erneut unter Verdacht, aber es fehlt nach wie vor an Beweisen. Allmählich dämmert auch Ben, dass sein Mandant ein Serienkiller sein könnte. Ihm muss also noch einmal der Prozess gemacht werden.
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