fucking different New York

fucking different New York

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Ein heißes Kaleidoskop urbaner Erotismen

Ob romantisch, heiter, tragisch oder obszön inszeniert: Liebe und Sex sind Themen von permanenter Präsenz und enormem Variantenreichtum auf den Kinoleinwänden. Um eine Perspektive und Präsentation der ganz besonderen Art bemühte sich der Produzent Kristian Petersen, als er sechs lesbische und sechs schwule Berliner Filmemacherinnen und Filmemacher aufforderte, ihre Vision und Version über das Liebesleben des jeweils anderen Geschlechts in einem Kurzfilm von maximal acht Minuten Länge zu realisieren. Das Resultat dieses schrägen Experiments wurde auf der Berlinale 2005 in der Sektion Panorama unter dem Titel fucking different präsentiert, und in der Nachfolge dieses Projekts entstand der Film fucking different New York, der unter ähnlichen Bedingungen die Vorstellungen von homosexuellen RegisseurInnen der US-amerikanischen Metropole zum selben Thema zeigt und nun bei uns in den Kinos zu sehen sein wird.
Die einzelnen Episoden der als verdammt anders deklarierten lesbisch-schwulen Imaginationen stellen weniger ernsthafte Reflexionen über das gleichgeschlechtliche Liebesleben dar als vielmehr überwiegend witzig-freche und vor allem skurrile bis absurde Betrachtungen zur abgefahrenen Erotik einer bunten städtischen Subkultur. Da wird die Krawatte und das Entstehen eines präsentablen Knotens zum heißen Akt zweier Männer, die Hand- und Fußpflege das Vehikel einer prickelnden Annäherung zweier Frauen und die Begegnung eines weiblichen Wesens mit einem Gabelstapler zu einer ganz anderen Unterwerfungserfahrung. Das Publikum darf animierten Bauarbeiterfigürchen bei der raschen Nummer während einer Pause zusehen und anhand dialogisch zusammengeschnittenen Archivmaterials der Spekulation darüber nachspüren, ob es jemals eine sexuelle Leidenschaft zwischen Marilyn Monroe und Joan Crawford gegeben haben könnte.

Dabei ist dem Film fucking different New York das gewaltige Vergnügen anzumerken, das die FilmkünstlerInnen zweifellos bei seiner Inszenierung umtrieben hat, wobei die Ausführung sich überwiegend sehr schlicht bis gar dilettantisch gestaltet und den Eindruck einer Gang von übermütigen Filmfreaks hervorruft, die sich untereinander ihre neusten improvisierten Filmchen vorführen, in beinahe zufälliger Anwesenheit eines Kinopublikums. Ist die Idee zu diesem thematischen Meeting New Yorker Independent-FilmemacherInnen auch sicherlich potentiell zündend, so ist das Resultat, das auf der diesjährigen Berlinale wie sein deutscher Vorgängerfilm in der Panorama-Sektion zu sehen war, allenfalls ein spaßiger schräger Klamauk, der auch vornehmlich ebensolchen ZuschauerInnen gefallen dürfte.

Die Kurzfilme im Einzelnen sind:
Wendy´s First Mani & Pedi von Stephen Gallagher
Bro Crush von Lala Endara
Shhhh… They´re Getting Closer von Todd Verow
Villa Serbolloni von Barbara Hammer
Vampiras von Andre Salas
The Party von Abigail Child
Hard Hat Required von Samara Halperin
Occupy My Ass Not Iraq von Jack Waters
Doin´ The Grizzle Bear von Amy von Harrington
Mmagnitude von Dan Borden
Dance Dance Dance von Hedia Maron
Mr. & Mrs. Porebski von Keith Levy

fucking different New York

Liebe und Sex sind Themen von permanenter Präsenz und enormem Variantenreichtum auf den Kinoleinwänden.
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