Blackfish

Blackfish

Eine Filmkritik von Katrin Knauth

Die Geschichte eines "Killerwals"

Wer diesen Film gesehen hat, wird garantiert keinen Fuß mehr in Themenparks wie SeaWorld setzen. Tanzende Wale, die durch die Lüfte springen und Kunststücke absolvieren mögen für das Publikum großen Unterhaltungswert haben. Für die Wale selbst ist es ein Leben in Gefangenschaft und Quälerei. Der Dokumentarfilm Blackfish erzählt die Geschichte von Tilikum, einem bei SeaWorld gehaltenen Orca, der bereits drei Menschen getötet hat.
Im Februar 2010 wurde die SeaWorld-Trainerin Dawn Brancheau im Anschluss an eine Vorführung vor den Augen der Zuschauer von Tilikum angegriffen und getötet. Wie konnte es dazu kommen? Kein anderer Pfleger hatte mehr Erfahrung mit Tilikum gehabt als Brancheau. SeaWorld spielt den brisanten Angriff bis heute als tragischen Unfall herunter. Doch das reichte der Dokumentarfilmerin Gabriela Cowperthwaite (City Lax: An Urban Lacrosse Story) als Begründung für den Angriff nicht aus. Sie machte sich auf die Suche nach Antworten auf die Frage, warum ein höchst intelligentes Tier wie Tilikum einfach so seinen Trainer tötet – also die Hand beißt, die es füttert.

Die Antworten, die Cowperthwaite fand, sind erschütternd. Killerwale wie Tilikum sind freilebend nicht aggressiv. Aus der Natur ist kein Beispiel bekannt, wo ein Mensch durch einen Orca starb. Erst in Gefangenschaft werden die friedlichen Tiere angriffslustig. Seitens SeaWorld stand der Regisseurin niemand für Interviews zur Verfügung. Kein Wunder, wenn man von ehemaligen Mitarbeitern der berühmten Themenparks erfährt, wie es hinter den Kulissen abgeht. Auch bislang unveröffentlichtes Filmmaterial und Walfoscher geben in dem Film Auskunft über die Situation der gefangenen Wale.

Tilikum wurde bereits als zweijähriges Kalb von seiner Mutter getrennt und gefangen genommen. Allein diese Tatsache ist brutal, da Orcas normalerweise ein Leben lang bei ihrer Mutter bleiben und immer im Familienbund zusammenleben. Tilikum kam zwar zunächst mit anderen Walen zusammen, aber das führte eher zu Konkurrenz und Aggression zwischen den Tieren. Die Wasserbecken sind klein. Die Tiere leiden unter Bewegungsmangel und Reizarmut. Immer wieder wird Tilikum aufmüpfig, doch er ist für SeaWorld als Zuchtbulle und Massenattraktion von unschätzbarem Wert. Dass Tilikum dadurch immer aggressiver wurde und folglich Menschen wie die Trainerin Brancheau getötet hat, ist ein Argument, das SeaWorld bis heute vehement ablehnt.

Cowperthwaite, die seit mehr als zwölf Jahren Dokumentationen schreibt, dreht und produziert, hat Blackfish als düsteren Horrorfilm inszeniert. Zu Recht rüttelt der Film auf und klagt die milliardenschwere Vergnügungsindustrie an. Das hat nichts mit übertriebenem Aktivismus zu tun. Warum ist es zum billigen Vergnügen der Menschen notwendig, sensiblen und intelligenten Tieren wie diesen Walen unendlich großes Leid zuzufügen? Wie viel mehr würde es uns gut tun, stattdessen unsere sogenannte „Freizeit“ in der Natur zu verbringen als uns in Themenparks unterhalten zu lassen. Selten ist ein Dokumentarfilm so unter die Haut gegangen.

Blackfish

Wer diesen Film gesehen hat, wird garantiert keinen Fuß mehr in Themenparks wie SeaWorld setzen. Tanzende Wale, die durch die Lüfte springen und Kunststücke absolvieren mögen für das Publikum großen Unterhaltungswert haben. Für die Wale selbst ist es ein Leben in Gefangenschaft und Quälerei. Der Dokumentarfilm „Blackfish“ erzählt die Geschichte von Tilikum, einem bei SeaWorld gehaltenen Orca, der bereits drei Menschen getötet hat.
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