The Rain (TV-Serie, 2018)

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Es regnet, es regnet, die Erde wird ... untergehen? In der ersten dänischen Netflix-Serie „The Rain“ tötet der Regen.

The Rain (TV-Serie, 2018)

Eine Filmkritik von Sonja Hartl

Pass auf, wenn es regnet

Ungeduldig warten drei Teenager in der Schule auf ihre Mitschülerin Simone (Alba August). Eine Gruppenprüfung steht unmittelbar bevor, ohne Simone können sie sie nicht machen. In allerletzter Sekunde taucht Simone auf, sie hat noch einmal etwas verändert, die Arbeit für alle besser gemacht. Schnell ist klar: Simone ist klug und verantwortungsbewusst, sie kümmert sich. Doch bevor die Prüfung beginnen kann, taucht Simones Vater Frederik (Lars Simonsen) auf und zerrt sie panisch aus der Schule. Sie müssen weg, schnellstmöglich, bevor der Regen anfängt. Simone wird hier ihre Mitschüler*innen das letzte Mal gesehen haben. Und die Zuschauer*innen eine Welt, die sie kennen. Denn der Regen wird einen Virus freisetzen, der viele Menschen töten wird.

Doch Simone, ihr Bruder Rasmus (Bertil De Lorenzi) und ihre Eltern schaffen es in einen Bunker, der der Firma Appollon gehört, für die ihr Vater arbeitet. Natürlich nicht ohne den obligatorischen Autounfall, der vor allem deshalb passiert, weil sich die Eltern aufführen, als wäre ihnen jegliches rationales Verhalten abhandengekommen. Sie verbreiten Panik – erst im Auto, dann im Wald und im Bunker. Die Kinder sind verstört, sie sind Kinder und verstehen nicht, was passiert. Frederik will unbedingt, dass Rasmus in Sicherheit ist – und deshalb nimmt er Simone das Versprechen ab, ihn um jeden Preis zu beschützen. Er sei der Schlüssel, sagt er seiner verwirrten, ängstlichen Tochter.

Atmosphärisch und im Set-Design des Bunkers überzeugend, ist dann zum ersten Mal zu bemerken, dass es dem Drehbuch darum geht, eine bestimmte Situation zu erschaffen. Damit der Schock dieser Katastrophe groß genug wird, muss die Mutter noch aus dem Weg geräumt werden – das gelingt durch das Helfer-Syndrom, das Simone hat. Sie glaubt, dass sie weiß, wie sie sich verhalten sollte. Sicherlich ist sie noch fast ein Kind, steht unter Schock und ist ihre Entscheidung menschlich richtig. Aber nach den 3 Episoden, die Netflix vorab zur Verfügung gestellt hat, steht auch fest, dass Simone gerade hinsichtlich des Gefühls, sie müsse allen helfen, nicht wirklich dazu lernt. Egal, wie viele Menschen deshalb sterben.

Immerhin ist die Serie in dieser zielgerichteten Erzählweise auch recht effizient: Die Katastrophe findet nach gut einem Drittel der ersten Folge statt, die 6 Jahre, die Simone und Rasmus (nun: Lucas Lynggaard Tønnesen) im Bunker verbringen, werden recht schnell abgehandelt. Offenbar haben sie auch kaum psychische Schäden davon getragen, sondern die Zeit mit Einteilung des Essens, Tanzen und Sport verbracht. In der 2. Folge geht ihnen das Essen aus, sie beschließen, den Bunker zu verlassen. Hier kommen nun weitere Figuren hinzu, die im Gegensatz zu Simone und Rasmus nicht in einem Bunker überlebt haben, aber dennoch am Leben sind. Wie sie das geschafft haben, ist noch nicht geklärt, aber sie wissen, wie sie überleben – und sind Simone und Rasmus damit voraus. Daher nimmt die Gruppe um Martin (Mikkel Boe Følsgaard) die beiden erst gefangen, dann unter ihre Fittiche.

In dieser Gruppe findet sich auch die bislang interessanteste Figur von The Rain: Beatrice (Angela Bundalovic) scheint clever und manipulativ zu sein, zugleich verkörpert sie aber auch eine Zerbrechlichkeit, die möglicherweise in die Irre führt. Damit ist Rasmus, der seine Teenagerzeit im Bunker verbracht hat und in der emotionalen Entwicklung ein wenig hinterherhinkt, nicht nur eine Erinnerung an eine Zeit der Zuneigung und Nähe, sondern auch jemand, den sie an sich binden kann.

Mit Simone und Rasmus geht man fortan durch diese postapokalyptische Welt, ständig in Angst vor dem nächsten Regenfall oder einer Ansteckung von bereits infizierten Menschen. Hier holt The Rain einiges aus dem Setting heraus: Es ist Wasser, von dem die Gefahr ausgeht. Nicht nur ist Wasser die Grundlage des Lebens, sondern in den dänischen Wäldern entstehen Pfützen, Schlammlöcher und kleine Bäche, von denen eine tödliche Bedrohung ausgeht. In der Natur ist die Spannung und Bedrohung viel greifbarer, als in der generischen, verlassenen Stadt Kopenhagen, die in Anlage und Ausstattung austauschbar wirkt.

Es ist also eine Welt, in der – so scheint es – die Menschlichkeit verloren ist, aber Simone fehlt diese Erfahrung der vergangenen 6 Jahre und so stemmt sie sich immer wieder entgegen. Das ist sicherlich ein interessanter Konflikt, jedoch wären hier langsam Ambivalenzen nötig. Denn natürlich haben sich Simone und Rasmus in den vergangenen 6 Jahren kaum weiterentwickelt, ihnen fehlen prägende Erfahrungen. Dadurch glauben sie immer noch an Hilfsbereitschaft und Güte, ignorieren aber auch Notwendigkeiten des Überlebens und treffen immer wieder schlechte, ja, dumme Entscheidungen. Es ist zu hoffen, dass die Serie hier noch eine bessere Balance findet – und sich vielleicht auch mehr auf den Virus und das Geheimnis, das mit ihm zusammenhängen muss, konzentriert. Die wenigen Rückblicke, die es bisher zu diesem Handlungsstrang gab, deuten zumindest an, dass Simones Vater und Appollon weit mehr wissen.

Am Ende der 3. Folge hat die Gruppe Hoffnung, dass es eine Welt hinter der Zone gibt, in der sie gerade sind. Weiterhin will Simone ihren Vater finden – und tatsächlich ist er vielleicht die beste Chance, Antworten auf all die offenen Fragen zu finden. Denn bisher weiß auch niemand, wer alles von dem Regen und dem Virus betroffen ist.

The Rain (TV-Serie, 2018)

Die erste skandinavische Netflix Original Serie erzählt von einem jungen dänischen Geschwisterpaar, das nach sechs Jahren ihren Schutzbunker zum ersten Mal verlässt. Ein brutaler Virus, der durch den Regen übertragen wurde, löschte damals fast die gesamte Bevölkerung aus. Während ihrer Erkundungstour treffen sie auf eine Gruppe weiterer junger Überlebender. Gemeinsam begeben sie sich auf eine gefährliche Reise durch ein verlassenes Skandinavien, auf der Suche nach Leben.

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