Reggae Boyz (2018)

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Jamaika – Insel des Reggaes und der Rastafaris, der Sprinter und Bobfahrer. In seinem jüngsten Dokumentarfilm hat Till Schauder die Fußballnationalmannschaft des Karibikstaats und ihren außergewöhnlichen deutschen Trainer begleitet.

Reggae Boyz (2018)

Eine Filmkritik von Falk Straub

Ein Sommermärchen aus Fußball und Musik

Till Schauder ist ein Grenzgänger. In Seattle geboren und in Göttingen aufgewachsen, pendelt der freie Autor, Regisseur, Produzent und Schauspieler zwischen den USA und Deutschland, zwischen Film und Fernsehen, zwischen fiktionalen und dokumentarischen Formaten. Auch „Reggae Boyz“ erzählt von Grenzgängern und vereint die schon Schauders Vorgängerfilmen Der Iran Job und Wenn Gott schläft inhärenten Themen Sport und Musik.

Dafür ist Schauder 2013 in die Karibik gereist. Mit seiner Kamera blickt er dem jamaikanischen Nationalteam beim Versuch über die Schulter, sich für die im Folgejahr ausgetragene Fußballweltmeisterschaft in Brasilien zu qualifizieren. Der Spitzname der Spieler ist „Reggae Boyz“, denn ohne Musik geht in der Heimat Bob Marleys, der selbst ein begnadeter Hobbykicker war, nichts. Wo der Filmemacher auch hinblickt, vibriert die Insel – egal ob beim spontanen Match auf dem Bolzplatz oder beim spontanen Rap an der Straßenecke. Hier singen und swingen die Menschen mehr, als dass sie reden. Der Wechsel zum Sprechgesang ist fließend.

So locker und leicht fließt auch Schauders Dokumentarfilm dahin. Die farbenprächtigen, von Christoph Senn flott montierten Aufnahmen strahlen. Die diegetische Musik der im Film porträtierten Künstler gibt den Rhythmus vor. Nach etwas mehr als einer Stunde ist alles schon wieder vorüber und hallt zwar nicht lange, aber einen entscheidenden Moment nach. Denn was der Regisseur in die kurze Laufzeit packt, strotzt vor positiver Energie und Leben.

Von Beginn an zieht Schauder Reggae Boyz multiperspektivisch auf. Der Kampf der Sportler ist lediglich der erzählerische rote Faden, von dem aus der Filmemacher drei weitere narrative Fäden spinnt. Die Geschichte des Stahlarbeiters Jermaine „Tuffy“ Anderson, der durch die Berufung von der jamaikanischen Amateurliga ins Nationalteam sein ganz persönliches Sommermärchen erlebt, ist eine davon, Leben und Aufstieg der Newcomerband The No-Maddz, die im Stadion mit den Fußballern fiebert und zu Hause in einer Kommune wohnt, eine andere.

Die dritte Geschichte ist die Winfried „Winnie“ Schäfers. Als vermeintlicher Retter des jamaikanischen Fußballs angeheuert, kommt mit dem gebürtigen Vulkaneifler und langjährigen Trainer des Karlsruher SC die Selbstironie in einen ohnehin schon äußerst humorvollen Film. Den katastrophalen Bedingungen begegnet der in einer Karikatur zum „weißen Magier“ Stilisierte mit schlechtem Englisch, deutschen Flüchen, pfälzischer Gelassenheit und kindlicher Offenheit. Neugierig reist er über die Insel. Seine Treffen mit den No-Maddz und den lebenden Legenden Bunny Wailer und Earl „Chinna“ Smith sind amüsante Highlights. In das relaxte Lebensgefühl der Insel, irgendwo zwischen Pragmatismus und Fatalismus, passt Schäfer wunderbar.

Diese locker-leichte Atmosphäre geht auf Kosten der inhaltlichen Tiefe. Zwar gelingen Till Schauder auch in Reggae Boyz wieder charmante Porträts gleich mehrerer Protagonisten, die gesellschaftspolitische Lage des Karibikstaats klingt aber stets nur am Rande, etwa in Form des aufgeblasenen, 2017 verstorbenen Verbandspräsidenten Horace „Captain“ Burrell, an.

Tuffys Geschichte will den Jugendlichen vor allem Mut, Schauders Film anderthalb Monate vor dem Start der Fußball-WM in Russland Lust auf mehr machen. Die jamaikanische Nationalmannschaft wird auch dieses Mal nicht dabei sein. Winfried Schäfer trainiert längst den Erstligisten Esteghlal Teheran im Iran. Einem Sommer voller Fußball und Musik wie in Reggae Boyz steht dennoch nichts im Weg.

Reggae Boyz (2018)

Reggae Boyz begleitet die jamaikanische Nationalmannschaft auf ihrem spannenden Weg durch die WM-Qualifaktion und erzählt die Geschichte einer besonderen Verquickung von Musik und Fußball in einem Land, in dem schon Bob Marley die spirituelle Kraft des “schönen Spiels” pries, das aber gleichzeitig eine der höchsten Mordraten der Welt hat. Im Mittelpunkt von Reggae Boyz: der deutsche Trainer Winnie Schäfer und die Reggae Band NOMADDZ, deutsche Tugenden treffen den sprit Jamaikas.

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Reggae Boyz (2018) von Till Schauder
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Reggae Boyz (2018) von Till Schauder
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Titel
Reggae Boyz (2018)
Ein Sommermärchen aus Fußball und Musik
Originaltitel
Reggae Boyz
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Cast und Crew

Drehbuch

Daten und Fakten

Produktionsland
Filmlänge
85 Min
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