Red 11 (2019)

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Als Masterclass geplant und für läppische 7.000 US-Dollar gemacht. Das klingt, als sollte  man von Robert Rodriguez neuem Film „Red 11“ nicht allzu viel erwarten. Doch der hat schon einmal mit „El Mariachi“ gezeigt, dass Geld nicht alles im Filmgeschäft ist.

Red 11 (2019)

Eine Filmkritik von Beatrice Behn

Do-it-Yourself Thriller

Eigentlich sollte „Red 11“ gar nicht im Kino zu sehen sein. Aber wenn der Regisseur Robert Rodriguez heißt, dann besteht doch eine ziemlich große Chance, dass Interesse an seiner Arbeit besteht. Vor allem an einem Film, bei dem er zurück zu seine Do-it-Yourself-Wurzeln des Filmemachens geht.

Red 11 ist ein eigenständiger Film, aber auch Teil einer Masterclass, in der der Filmemacher zeigt, wie man mit nur 7.000 US-Dollar und 14 Tagen Zeit einen Langfilm produzieren kann. So wie er es einst bei seinem Kultfilm El Mariachi tat, der ihm großen Ruhm und schließlich eine Karriere einbrachte, welche vor Kurzem in Alita Battle Angel mündete. Während er diesen großkalibrigen Blockbuster machte, entstand auch Red 11 – um zu zeigen, dass alles geht, wenn man nur will. Basierend auf autobiographischen Ereignissen, die vor seinem Durchbruch stattfanden, erzählt Rodriguez die Geschichte des Filmemachers Rob (Roby Attal), der sich 7.000 US-Dollar geliehen hat, um einen Indie-Film zu machen. Doch die Kohle stammt versehentlich von der Mafia und jetzt sitzt Rob in der Scheiße. Um schnell Geld zu machen, meldet er sich als Versuchskaninchen für eine neue Droge, die Wunden schneller heilen lassen soll. Aber es ist eh klar: wenn Wunden heilen sollen, muss man erstmal welche schlagen.

Eh Rob sich versieht, ist er in der puren pharmazeutischen Hölle gefangen. Er und seine Freunde, die er dort kennenlernt und die wie er der roten Gruppe (daher Red 11) zugeordnet sind, geraten zusehends in Gefahr. Erst durch eine Krankenschwester namens Vampira, die nie die Vene trifft, sondern lieber grob in den Arm sticht und dann sucht, danach durch den hyperaggressiven Spoiler, der, wenn er Leuten nicht das Ende von Filmen verrät, gern auf einen eindrischt. Doch das ist alles nichts. Als Rob versucht, aus der Nummer herauszukommen, wird er in den Keller verfrachtet, wo die nicht genehmigten Experimente stattfinden. Alsbald halluziniert er, dass er telekinetische Kräfte hat. Oder ist es vielleicht gar keine Halluzination?

Man merkt und sieht Red 11 schon genau an, dass er schnell und billig gemacht wurde. Doch das macht ja den eigentlichen Charme der Robert-Rodriguez-Ästhetik aus, die in den vergangenen Jahren vor allem in seinen großbudgetierten Filmen relativ stark verloren ging. Wo Geld, Zeit und andere Dinge fehlen, wird eben improvisiert und der Kreativität mehr Raum gegeben. Das Ergebnis ist ein kurzweiliger, wenn auch auf der erzählerischen Ebene ganz schön rumpelnder Indie-Film, der durchaus viel Spaß macht und vor Eigenreferenzen und Filmnerderei nur so trotzt. Lieblingsgag dieser Filmkritikerin und auch eindeutig des Filmemachers ist die Figur des Score. Eigentlich ein Versuchskaninchen, das wie Rob gefangen ist im Albtraum der Medikamentenversuche, hat Score aber stets ein kleines E-Klavier dabei, mit dem er live gleich den Soundtrack zum Film konzipiert und einspielt. Er ist Teil der Masterclass, seine Rolle als Filmkomponist ist allerdings so wunderbar leichtherzig und witzig in den Film selbst eingebaut, dass es einen Heidenspaß macht – und man nebenbei auch was lernt.

Allerdings ist dieser didaktische Prozess an vielen Stellen auch so stark ausgestellt, dass die die Immersion ins Geschehen schwerfällt. So sind vor allem die Figuren so stark an den Linien des üblichen Drehbuchschreibens entlang konzipiert, dass hier kaum Raum für Tiefe in der Entwicklung bleibt. Aber egal, darüber kann man eh nicht viel nachdenken. Bevor man sich fragt, wer die Leute eigentlich sind, haben sie schon wieder Nadeln im Arm und die Show geht weiter.

Red 11 ist klein und schmutzig und will das auch sein – damit ist der Film in gewisser Weise ein entspannender Moment von Cinephilie und Wahnsinn, der im heutigen, perfekt glattgebügelten Kino eigentlich kaum noch vorkommt. Und genau das propagiert der Filmemacher ja auch im Film und außerhalb: Kino muss wieder anarchisch werden. Wer wissen will, wie man das schnell und billig macht, wird in Red 11 seine/ihre Antwort finden.

Red 11 (2019)

„RED 11“ ist ein Horrorthriller, der in der düsteren Welt von Forschungslaboren angesiedelt ist, in denen Drogen designt werden. Hier werden aus jungen Männern Versuchsobjekte, um die Wirkung der neu entwickelten Mixturen zu testen — für viele der einzige Ausweg aus der Schuldenfalle, in der sie sich befinden. RED 11 ist einer von ihnen — und bald schon weiß er nicht mehr, ob das vor seiner Nase in der Realität angesiedelt ist oder im Drogenrausch … 

 

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