KussKuss

KussKuss

Eine Filmkritik von Jean Lüdeke

Eine Ménage à trois mit Hindernissen

Schon der ironisierende Filmtitel bringt die tragikomische Geschichte der mutigen Ärztin Katja (Carina Wiese), die ihren Freund Hendrick (Axel Schrick) zur Scheinheirat mit der algerischen Asylbewerberin Saïda (Saïda Jawad) drängt, auf den Punkt. Denn „Cousse Cousse“ bedeutet eigentlich so etwas wie Leipziger Allerlei auf Arabisch.
„Ein Film, der direkt ins Herz geht, der berührt, zu Tränen rührt und zu Gesprächen. Sören Senn erzählt ohne unnötigen Ballast und Firlefanz und ganz und gar uneitel. Er hat mit „Kusskuss“ einen jener Filme gedreht, die abseits von Hollywoods Schlachtenlärm und intellektuellem Fühl-mich-Kino noch zu verzaubern vermögen“, tönte das Blatt „Die Südostschweiz“, „eine Gleichung mit vielen Unbekannten“, analysierte „Film ab.“

In der Tat scheinen sich zunächst alle Tage zu gleichen, und es könnte so harmonisch sein zwischen der engagierten Assistenzärztin und dem Geisteswissenschaftler. Wenigstens versuchen die beiden Mittdreißiger an ihrem Trugbild eines glücklichen Pärchens festzuhalten, bis eines Tages die illegal im Krankenhaus arbeitende und vor der Polizei flüchtende Algerierin in die traute Zweisamkeit hereinbricht. Als Katja der noch vom Bürgerkrieg traumatisierten Saïda eine vorübergehende Bleibe bei sich anbietet, strapaziert sie nicht nur die Geduld ihres Liebsten. Und als sie noch überdies mit ihrer Option, Hendrick und Saïda mögen eine Scheinheirat eingehen, um noch etwaigen Komplikationen mit Behörden und Ämtern aus dem Wege zu gehen, setzt sie eine emotionale Maschinerie in Gang, die vorher bestimmt nicht so beabsichtigt. Saïda hält ihnen nicht nur den ernüchternden Spiegel vor, sondern lockt Hendrick obendrein aus der anfänglich harten Reserve…

Just in einer Zeit, wo politische Wucherungen um Einbürgerungstests, Fragebögen und Fremdenfeindlichkeit bis zum Siedepunkt hochgekocht sind, kommt Regisseur Sören Senn mit einer eher apolitischen Ménage à trois einher, die den Zahn der Zeit zwar nicht ziehen kann, aber wenigstens in Denkanstößen in einer humoresken Art und Weise abschleift. Noch interessanter ist jenes, was eindeutig gedacht, uneindeutig transportiert wird: Nie wird einem der drei Akteuren irgendeine Schuld oder Fehlleistung zugewiesen, sie stehen irgendwie immer im sympathisierenden Licht. Alle wollen doch nur das Beste und heraus kommt bisweilen das Schlechteste.

Absolut nicht schlecht, die Leistung von Senn, der ein hochbrisantes Thema derart zu persiflieren vermag, ohne Parteilichkeiten oder Aggressionen auf sich zu ziehen. Und schon gar nicht übel ist die mangelnde mimische Kraft der drei Protagonisten, die manchmal derart laienhaft agieren, dass sie schon wieder professionell wirken.

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Schon der ironisierende Filmtitel bringt die tragikomische Geschichte der mutigen Ärztin Katja (Carina Wiese), die ihren Freund Hendrick (Axel Schrick) zur Scheinheirat mit der algerischen Asylbewerberin Saïda (Saïda Jawad) drängt, auf den Punkt.
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