Die Autos, die Paris auffraßen

Die Autos, die Paris auffraßen

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Abgefahren!

Wenn hier im Titel von Paris die Rede ist, handelt es sich nicht etwa, wie spontan zu vermuten wäre, um die Weltstadt an der Seine und ihre Verkehrsprobleme, sondern um einen kleinen, scheinbar harmlosen Ort im ländlichen Australien. Dort spielt die seltsame Komödie aus den 1970er Jahren, in der kuriose Karosserien ihr Unwesen treiben und nur auf den ersten Blick biedere Bürger nach ihren eigenen Gesetzen von einer überschaubaren Unfall-Industrie leben, die sie als verschworene Gemeinschaft in Gang halten.
Als Arthur (Terry Camilleri) mit seinem Bruder auf einer kleinen Camping-Tour mit dem Wohnwagen durchs Land eines Nachts auf dem Weg zur kleinen Gemeinde Paris schwer verunglückt, überlebt er körperlich recht unversehrt, während sein Bruder die schlimmen Verletzungen nicht überlebt. Die Bewohner von Paris, allen voran der Bürgermeister (John Meillon), der ihn bei sich zu Hause aufnimmt, kümmern sich geradezu rührend um den noch leicht verwirrten Arthur, organisieren und begleiten die Beerdigung, besorgen ihm sogar einen Job und bemühen sich darum, ihn in ihre abgeschiedene Welt zu integrieren.

So krank, wie er vom Arzt und auch vom Bürgermeister deklariert wird, fühlt sich Arthur jedoch keineswegs, auch wenn er offensichtlich geradezu eine Auto-Phobie entwickelt hat, nachdem er einst einen Mann tödlich überfuhr, und die mysteriös anmutenden Umstände des aktuellen Unglücks lassen ihm auch keine Ruhe. Nach anfänglichen Fluchtimpulsen begibt sich der Waise dann doch in sein neues Schicksal mit Familienanschluss, zumal deutlich wird, dass sich ein Entkommen aus diesem Städtchen gar nicht so leicht gestaltet.

Bald jedoch beginnt es Arthur zu dämmern, dass die häufigen Unfälle keineswegs Zufall sind, sondern auf die widrigen Umstände der mörderischen Dorfstraße zurückzuführen, denen die Pariser schamlos nachhelfen, um die Opfer, ihre Habe und ihre Autos in den eigenen Besitz überwechseln zu lassen und in einer Idylle zu leben, hinter der eine krude Grausamkeit verborgen ist. Doch auch innerhalb der Gemeinde zeigen sich zunehmend Krisenanzeichen, als die Jugend, die mit den phantasievoll aufgemotzten Automobil-Kreationen aus den Unfällen nur allzu gern über die Stränge schlägt, vom diktatorischen Bürgermeister hart gemaßregelt wird. Als der traditionelle Kostüm-Ball des Ortes stattfindet, braut sich draußen eine gefährlich motorisierte Verschwörung zusammen …

Die Autos, die Paris auffraßen / The Cars That Ate Paris ist eine bissige Satire mit Hang zu blutigen Brutalitäten, die den Habitus der Bürgerlichkeit ihrer Zeit heftig aufs Korn nimmt. Der Film, der bei seinem Erscheinen vom australischen Publikum begeistert aufgenommen wurde und mittlerweile durchaus als Kult gilt, stellt das Spielfilmdebüt des Regisseurs Peter Weir (Der einzige Zeuge / Witness, 1985, Der Club der toten Dichter / Dead Poets Society, 1989, Die Truman Show / The Truman Show, 1998) dar, der mit diesem abgefahrenen Streifen bereits einiges an Geschick und Sorgfalt seiner späteren Arbeiten andeutet.

Die Autos, die Paris auffraßen

Wenn hier im Titel von Paris die Rede ist, handelt es sich nicht etwa, wie spontan zu vermuten wäre, um die Weltstadt an der Seine und ihre Verkehrsprobleme, sondern um einen kleinen, scheinbar harmlosen Ort im ländlichen Australien.
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