53 Días de Invierno

53 Días de Invierno

Eine Filmkritik von Verena Kolb

Wintergeschichten aus Barcelona - Filmfest München 2007

Drei Menschen warten an derselben Haltestelle auf den jeweiligen Bus. Das ist zunächst alles, was sie gemeinsam haben, und die gemeinsame Beobachtung, wie ein Mann ein Hund aussetzt. Die junge Frau stürmt erzürnt hinter dem fortfahrenden Auto hinterher, die ältere schüttelt mit dem Kopf, aber es ist der Mann, der den Hund schließlich mit nach Hause nimmt.

Celso (Alex Brendebühl) hat in einer kleinen Wohnung am Stadtrand ein einfaches, von vor allem finanziellen Sorgen geplagtes, aber dennoch warmes Zuhause, das durch den Streuner noch ein bisschen wärmer wird: Wenn er am Abend seinen Wachmannsposten im Kaufhaus verlässt und nach Hause kommt, warten nun nicht mehr nur Frau und Sohn, sondern einer mehr auf ihn. Eines Tages erwischt er einen Mann dabei, wie er für seine Gattin ein Parfüm klaut. Celso meldet den Vorfall nicht, sondern lässt sich inspirieren und macht seiner Frau ein teures Geschenk. Dies kostet ihn jedoch nicht nur seinen Job, sondern auch sein Zuhause. Fristlos gekündigt, traut er sich nicht mehr nach Hause und streunt wie ein ausgesetzter Hund wochenlang durch die winterlichen Straßen von Barcelona.

Die Geschichte um Celso ist eine von dreien, die Judith Colell in ihrem zweiten abendfüllenden Spielfilm erzählt. Der Blick wechselt jeweils zwischen Wohnort und Arbeitsplatz der jeweiligen Hauptfiguren hin und her und vermischt gleichzeitig die drei Schicksale, die so unterschiedlich sind und dann doch unter einem gemeinsamen Nenner gefasst werden können: Einsamkeit – verbunden mit Traurigkeit und dem konturlosen Traum vom Glück.

Und immer sind es Hunde, die dem in der Stadt Einsamen ein bisschen Glück und das Gefühl vom Gebrauchtwerden schenken. So lebt in dem Mietshaus, in dem sich die Bewohner fremd sind oder gar feindselig beäugen und auch Lehrerin Mila (Mercedes Sampietro) eine Wohnung hat, eine alte Dame, Dolores, die ein Rudel Straßenköter bei sich aufgenommen hat und liebevoll umsorgt, bis die Wohngemeinschaft Schritte gegen das bellende Unheil im Haus einleitet. Mila sieht dem aufständischen Treiben der Hausbewohner zu, schüttelt mit dem Kopf – und trifft eine Entscheidung, die ihr Leben – auf kleine, aber feine Weise – verändert.

Es sind kleine Geschichten, die da verknüpft werden. Melancholisch sind sie, Wintergeschichten, grau und trist. „Realistisch“, sagt Judith Colell im Zuschauergespräch beim Münchner Filmfest. Und doch versprühen sie Hoffnung: Nach jedem langen Winter folgt ein Frühling. Celso wird zu seiner Familie zurückkehren; Mila und die alte Dame tun sich zusammen und geben einander, was sie brauchen, und Valeria (Aina Clotet) muss zwar eine Lektion lernen, aber die lässt sie nur reifen.
 

53 Días de Invierno

Drei Menschen warten an derselben Haltestelle auf den jeweiligen Bus. Das ist zunächst alles, was sie gemeinsam haben, und die gemeinsame Beobachtung, wie ein Mann ein Hund aussetzt.

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