Mirror Mirror (1990)

Mirror Mirror (1990)

Eine Filmkritik von Rajko Burchardt

Des Satans jüngste Tochter

Eigentlich ist Mirror, Mirror ein unmissverständliches Carrie-Rip-off: Außenseiterin entwickelt übernatürliche Fähigkeiten und rächt sich an garstigen Mitschülerinnen, verschont ihre verrückte Mutter dabei ebenso wenig wie das dem Mädchen mitleidig zugeneigte Vorzeigepärchen der High School. Spoiler? Nicht wirklich. Die Marketingabteilung des deutschen Verleihs spricht schließlich von einer „Hommage“ an Brian De Palmas Adoleszenzinferno nach Stephen King, was natürlich erst einmal viel besser klingt als Rip-off. Und vielleicht auch eher in Marina Sargentis Sinne sein dürfte, die das selbst unter Genrefreunden ziemlich unbekannte Gemisch aus Teen-Slasher und Fantasy-Horror inszeniert und mitgeschrieben hat.
Megan, der gepiesackte Outcast im Mittelpunkt der Handlung, wird von Rainbow Harvest gespielt, deren wunderschöner Name kein Alias ist. Ihre Ähnlichkeit mit Winona Ryder scheint auch den Produzenten des Films nicht entgangen zu sein, die Harvest hier so geschminkt und kostümiert auftreten lassen wie den ungleich bekannteren Teen-Star im drei Jahre zuvor entstandenen Beetlejuice. Das muss demnach die Zeit gewesen sein, in der ein bisschen Goth-Chic schon ausreichte, um als Individualist ganz außen zu stehen, um also von nicht minder, aber eben langweiliger aufgetakelten All-American-Girls auf dem Schulhof gequält zu werden. Dieser Megan wünscht man unbedingt einen dämonischen Spiegel, der ihre sinistren Vergeltungsfantasien in die Tat umsetzt.

Zufälliger- wie glücklicherweise findet sich ein solcher Spiegel im neuen Suburbia-Anwesen, das Megan und ihre herrlich neben der Spur stehende Mutter nach dem Tod des Familienoberhauptes beziehen (die Mutter wird übrigens von der altehrwürdigen und in jeder Szene mit neuem Kleid vor die Kamera tretenden Karen Black gespielt). Recht schnell bemerkt Megan, dass von dem schicken Relikt der Voreigentümer eine diffuse Macht ausgeht, die der Film (wahrscheinlich aus Kostengründen) nicht visuell, wohl aber akustisch wie folgt darstellt: Wenn sich jemand dem Spiegel nähert, sondert er lustige elektronische Geräusche ab! Diese klingen wie eine Mischung aus übersteuertem Katzenjammern und defektem Autoscheibenwischer, sind also von besonders unheilvoller Qualität.

Was nun eigentlich genau hinter beziehungsweise in dem Spiegel steckt, bleibt bis zuletzt einigermaßen unklar. Wichtig ist nur, dass Megan fortan in der Lage ist, anderen Menschen Schaden zuzufügen. Das beginnt vergleichsweise harmlos (den neuen Boyfriend der Mutter vertreibt sie mit Fliegen und Maden, eine fies gackernde Mitschülerin bringt sie über extremes Nasenbluten zum Schweigen), schlägt aber – nach einer geschlagenen Stunde! – auch mal in annähernd saftige Mordsequenzen um. Mit leichter Verzögerung dämmert Megan schließlich, dass nicht sie den Spiegel, sondern der Spiegel das junge Mädchen kontrolliert – eine Erkenntnis, die direkt zum Windmaschinenfinale führt und dem sonderbar langweiligen Film endlich ein wenig Leben einhaucht. Zu spät natürlich, aber immerhin.

Das Unglaublichste an Mirror, Mirror ist, dass er eine gleichsam unbekannte Filmreihe inspirierte, die es zwischen 1990 und 2000 auf insgesamt vier Teile brachte. Mit anderer Besetzung, dafür aber sukzessive großzügiger eingestreuten Softsexszenen wurden auch Fortsetzung Nummer zwei und drei von Frauen inszeniert, was die Filmserie neben The Slumber Party Massacre zum vielleicht einzigen Horror-Franchise unter weiblicher Ägide macht. Für ganz besonders Genre- und Gender-affine Horrorfans ist daher wohl kein Vorbeikommen an den deutschen DVD-Ausgaben der ersten beide Teile, die Maritim Pictures nun in solidem 4:3-Bild sowie der Original- und Synchronfassung ohne Untertitel veröffentlicht hat. Alle anderen schauen aber vielleicht doch lieber noch mal Carrie.

Mirror Mirror (1990)

Eigentlich ist „Mirror, Mirror“ ein unmissverständliches „Carrie“-Rip-off: Außenseiterin entwickelt übernatürliche Fähigkeiten und rächt sich an garstigen Mitschülerinnen, verschont ihre verrückte Mutter dabei ebenso wenig wie das dem Mädchen mitleidig zugeneigte Vorzeigepärchen der High School.
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