How to be sexy

How to be sexy

Eine Filmkritik von Andreas Köhnemann

Endlich cool

Aus der Freundschaft zwischen einem Mann und einer Frau wird Liebe. Dieses Konzept wurde im Jahre 1989 im romcom-Klassiker Harry und Sally von Billy Crystal und Meg Ryan in den Titelrollen derart präzise durchgespielt, dass seither jede Variation – etwa Boys, Girls and a Kiss oder Love, Rosie – wie eine deutlich blassere Kopie dieses Films erscheint. Mit How to be sexy vermag das Regie-Duo Don Argott und Sheena M. Joyce zwar ebenfalls nicht an das große Vorbild heranzureichen; dennoch gelingt den beiden ein eigener Zugang zu dem altbekannten Aus-Freundschaft-wird-Liebe-Thema. Das Drehbuch von Heather Maidat, das sie unter dem männlichen Pseudonym "Matt Serword" verfasste, verbindet die umwegreiche Liebesfindung mit zwei (sehr) späten Coming-of-Age-Prozessen – und zeichnet ein zentrales Paar, das sich nicht in jeder Hinsicht liebenswürdig-sympathisch, sondern oft ziemlich anstrengend und peinlich verhält. Dank des uneitlen Schauspiels funktioniert dies aber insgesamt recht gut.
Jeff Lowry (Adam Pally) und Anne Martin (Sarah Burns) leben in Pennsylvania und arbeiten an einer Highschool. Er ist als Vertrauenslehrer tätig; sie trägt die Verantwortung in der Schulbibliothek. Die beiden verbindet eine Freundschaft – und das Gefühl, dass das eigene Dasein irgendwie langweilig ist. Während Jeff schlechte Erfahrungen im Online-Dating macht und seine Eltern (Marceline Hugot und Kevin Dunn) mit seinem Dauersingle-Status zu Vermutungen anregt, gibt sich Anne in ihrer Wohnung dem Reality-TV-Trash hin. Als die Sommerferien anstehen, beschließt das Duo, endlich cool zu werden. Ein neuer Look soll sie zu neuen Leuten machen. Mit Bandana, Lederjacke und selbstbewusstem Auftreten kann Jeff tatsächlich bald die erhoffte Aufmerksamkeit erregen – und beginnt eine Beziehung mit der alleinerziehenden Beth (Mary Grill). Anne weckt indes mit ihrer neu entdeckten Extrovertiertheit das Interesse von Jeffs attraktivem Nachbarn Max (Reid Scott). Bald müssen die beiden allerdings erkennen, dass sie ihr Umfeld im Zuge ihres Selbstfindungstrips gehörig vor den Kopf stoßen – und sie füreinander das empfinden, was sie bei anderen erfolglos suchen.

Die Handlung ist überwiegend vorhersehbar und die nicht selten auf Albernheiten abzielende Inszenierung entspricht eher einer Sitcom. Was Slow Learners – wie das Werk von Argott und Joyce im Original heißt – reizvoll macht, ist der betont unromantische Gestus, mit dem sich Skript und Regie einer üblicherweise romantisch-märchenhaft erzählten Geschichte widmen. Jeff ist kein Traumprinz (höchstens ein prince of dorkness) und Anne keine Traumprinzessin; wir sehen weit mehr von ihren negativen als von ihren möglicherweise vorhandenen positiven Seiten. Gelegentlich hätte der Film noch stärker auf Dialogwitz setzen können – so ist zum Beispiel der verbale Schlagabtausch im Laufe eines missglückten Doppeldates wesentlich lustiger als die in Zeitlupe eingefangene Wein-und-Fleischbällchen-Orgie, zu der die Vierer-Verabredung letztlich gerät. Der Kosmos, der um Jeff und Anne herum entworfen wird, ist nicht frei von Klischees; mit Jeffs Eltern und verschrobenen Kumpels Dan (Gil Ozeri) und Lenny (Bobby Moynihan) sowie Annes Freundin Julia (Catherine Reitman) verfügt How to be sexy jedoch über bereichernde Nebenfiguren, die der treffenden Bezeichnung "supporting actors" beziehungsweise "supporting actresses" gerecht werden.

Die Cast-Mitglieder sind weitgehend unbekannt; und doch kennt man diese Gesichter (vermutlich) – als Sidekicks in gelungenen und grausigen Komödien oder Comedyserien, etwa Taking Woodstock, Dirty Grandpa, Trauzeuge gesucht!, Verrückt nach Dir, Sisters, Veep oder The Mindy Project. Es sind (bisher) Stars aus der dritten Reihe, die hier nun teilweise deutlich mehr Entfaltungsmöglichkeiten erhalten und diese auch zu nutzen wissen. Adam Pally und Sarah Burns werfen sich furchtlos und mit spürbarer Spielfreude in ihre Parts – und beweisen gemeinsam mit dem restlichen Ensemble, dass sie das komödiantische Handwerk beherrschen.

How to be sexy

Aus der Freundschaft zwischen einem Mann und einer Frau wird Liebe. Dieses Konzept wurde im Jahre 1989 im romcom-Klassiker "Harry und Sally" von Billy Crystal und Meg Ryan in den Titelrollen derart präzise durchgespielt, dass seither jede Variation – etwa "Boys, Girls and a Kiss" oder "Love, Rosie" – wie eine deutlich blassere Kopie dieses Films erscheint. Mit "How to be sexy" vermag das Regie-Duo Don Argott und Sheena M. Joyce zwar ebenfalls nicht an das große Vorbild heranzureichen; dennoch gelingt den beiden ein eigener Zugang zu dem altbekannten Aus-Freundschaft-wird-Liebe-Thema.
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