100 Schritte - Jetzt auf DVD

100 Schritte - Jetzt auf DVD

Ein Soziogramm der ehrenwerten Gesellschaft

In der Nacht vom 8. auf den 9. Mai 1978 begeht der Student Giuseppe Impastato auf eine merkwürdige Art und Weise Selbstmord. Er parkt sein Auto in der Nähe einer Bahnlinie, schlägt sich seinen Schädel mit einem Felsblock auf, geht anschließend an die Gleise, bindet sich mit einem Seil dort fest und jagt sich mit einem Sprengstoffgürtel, den er sich um den Bauch gebunden hat, in die Luft. So zumindest die Version der italienischen Polizei, die den authentischen Fall, der sich in der Nähe der kleinen sizilianischen Ortschaft Cinisi ereignete, untersuchte und dann zu den Akten legte.
Der Fall Impastato bildet die Grundlage für den Film 100 Schritte des Regisseurs Marco Tullio Giordana. 100 Schritte liegen zwischen dem Haus, in dem Giuseppe Impastato (Luigi Lo Cascio) aufwächst und dem des Oberhaupts der lokalen Mafia Gaetano Badalamenti (Tony Sperandeo). Giuseppes Vater, der Lokalbesitzer Luigi (Luigi Maria Burrano), ist selber ein kleines Licht in der mächtigen Schattenorganisation, die den Ort hinter den Kulissen regiert. Ginge es nach Giuseppes Vater, dann würde auch Giuseppe eine Rolle in der Organisation von Onkel Tano, wie das Mafia-Oberhaupt liebevoll genannt wird, spielen.

Doch nach seinem Studium entscheidet sich Giuseppe vollkommen anders. Er lehnt sich offen gegen die Mafia auf, gründet sogar einen lokalen Radiosender, in dem er Onkel Tano öffentlich verhöhnt. Die lokalen Mafia-Größen betrachten Giuseppes Aktionen mit einer Mischung aus Verachtung und Arroganz und lassen ihn zunächst gewähren. Doch auf seine Familie wirkt Giuseppes Haltung und Zivilcourage fatal aus, schließlich ist Giuseppes Vater doch selbst Mitglied der Geheimorganisation, die das gesamte gesellschaftliche Leben durchdringt. Als Giuseppe es schließlich wagt für den Stadtrat zu kandidieren, nimmt das Verhängnis seinen Lauf.

In ruhigen und unspektakulären Bildern erzählt Regisseur Marco Tullio Giordana die Geschichte eines Falls, der ganz Italien aufrütteln sollte und landete damit im Jahr 2000 einen vollkommen unerwarteten Publikumserfolg. Wie ein Chirurg seziert Giordana bedächtig und präzise die sozialen Strukturen Siziliens, die auch heute noch das organisierte Verbrechen zu einem der größten lokalen Wirtschaftszweige machen. Sizilien jenseits der Mandelblüte und romantischer Strände ist der Mittelpunkt des Films, in dem Luigi Lo Cascio als Giuseppe Impastato zu begeistern weiß.

Giuseppe Impastatos Mördern wurde übrigens mehr als zwei Jahrzehnte nach der Tat der Prozess gemacht.

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In der Nacht vom 8. auf den 9. Mai 1978 begeht der Student Giuseppe Impastato auf eine merkwürdige Art und Weise Selbstmord.
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