Unsere große kleine Farm (2018)

Unsere große kleine Farm (2018)

Eine Filmkritik von Melanie Hoffmann

Inspiriert von der Natur

Molly und John Chester haben die Großstadt und ihre Jobs ziemlich satt. Und vor allem ihr Hund Todd ist sichtlich unglücklich. Weil er so viel bellt, wird ihnen sogar die Wohnung gekündigt. Die neue Wohnung, die sie mühevoll finden, ist sogar noch beengter und für Todd muss auch noch eine Gastfamilie gefunden werden. So kann das nicht weitergehen!

Da beschließen sie, die Apricot Lane Farm, einen verwilderten Bauernhof etwas nördlich von Los Angeles wiederaufzubauen. Unfassbar schlecht ist dessen Zustand, als die beiden ankommen. Der Teich ist verlandet, alles ist verdorrt. Dass hier nochmals gutes Obst und knackiges Gemüse wachsen soll, kann man sich kaum vorstellen. Alles soll anders werden als bei konventioneller Landwirtschaft. Oder eigentlich soll alles so werden, wie es bis vor 100 Jahren schon immer war. Kühe, Schweine, Hühner, Todd als Hund, Schafe, Obst und Gemüse. Von allem ein bisschen, so kann man sicher auch Schädlinge oder Missernten besser auffangen. Das müsste doch klappen, oder?

Durch einen Berater lernen sie zunächst, ihren Idealismus in kluge Bahnen zu lenken. Alan York, ein Spezialist für biodynamische Landwirtschaft, hilft den Chesters vom ersten Schritt an. Ein riesiger Obstgarten wird angelegt und zwar so, dass jede Sorte zum perfekten Zeitpunkt des Jahreszyklus das richtige Klima hat. Die Tierauswahl wird kritisch hinterfragt, denn schließlich gilt es für jedes Problem die richtige Lösung parat zu haben.

Die Doku lebt von der Unmittelbarkeit, mit der das Paar Molly und John ihre Geschichte erzählt. Zum Teil mit einer Süße und Naivität, die an ein Tagebuch erinnern. Das macht den Film sympathisch und man fiebert sehr bei der Entstehung des Bauernhofs mit. John war in seiner ersten Berufslaufbahn Kameramann und so war es nur logisch, dass er den Weg des Aufbaus filmt – über ganze sieben Jahre hinweg. Das entstand zunächst gar nicht in der Intention einen Dokumentarfilm ins Kino zu bringen. John wollte andere Menschen vor seinem vermeintlichen Irrweg warnen, da er nicht so recht glauben konnte, dass das Projekt funktioniert. Tatsächlich hat es ganze fünf Jahre gedauert, bis sich ein Umdenken bei ihm einstellte und er bemerkte, dass auch „Unkraut“ einen Nutzen hat, denn es liefert beispielsweise den Obstbäumen wichtige Nährstoffe.

Ein weiteres großes Plus des Dokumentarfilmes ist, dass grüne Methoden nicht auf beinah religiöse Weise gepredigt werden. Eine Schneckenplage wird nicht mit Gift bekämpft, sondern mit einer Horde Enten, für die die Schnecken ein Leckerbissen sind. Kojoten holen sich Hühner, also muss der Zaun verstärkt werden. Was aber macht man mit den Raupen, die die Obstbäume kahlfressen? Erst wenn sie Schmetterlinge sind, zaubern sie wieder ein Lächeln in Mollys Gesicht. Für das kranke Schwein wird am Ende dann doch tierärztliche Hilfe benötigt. Aber das alles macht Mut und zeigt mögliche Wege für einen verantwortungsvollen, nachhaltigen Weg MIT der Natur statt diese auszubeuten. Ein sehr inspirierender, spannender und lustiger Dokumentarfilm.

Unsere große kleine Farm (2018)

Originaltitel
The Biggest Little Farm
Startdatum
FSK
o.Al.
Regie

In seinem Film „The Biggest Little Farm“ begleitet der Dokumentarfilmer John Chester sich selbst und seine Frau Molly bei den Bemühungen, eine Farm im Umland von Los Angeles auf die Beine zu stellen, die den Prinzipien der Nachhaltigkeit folgt. 

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