Cashback

Cashback

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Der Zeittotschläger

„Die Zeit heilt alle Wunden“, weiß der Volksmund – von wegen. Ben Willis (Sean Biggerstaff), ein junger Kunststudent aus London, weiß, dass dem nicht so ist. Zumindest nicht in seiner momentanen Lebenssituation. Denn seit der Trennung von seiner Freundin Suzy bekommt er kein Auge mehr zu, er wälzt sich von einer Seite auf die andere und wartet vergebens darauf, dass sich die Zeit erbarmt und endlich verstreicht, um ihm den ersehnten Schlaf und damit die Linderung seines Schmerzes zu bringen. Da Ben durch den fehlenden Schlaf ein Übermaß an Zeit übrig hat – wie beneidenswert, mag sich nun mancher denken –, beschließt er diese sinnvoll zu nutzen und nachts in einem 24-Stunden-Supermarkt zu arbeiten.
Hier, in der nächtlichen Warenwelt, in der nicht nur er, sondern auch seine reichlich verrückten Kollegen darauf warten, dass die bleischwere Zeit endlich verrinnt, gewinnt er langsam seine Souveränität wieder. Was sich unter anderem darin bemerkbar macht, dass er die Zeit nicht mehr als seinen natürlichen Feind betrachtet, sondern es genießt, dass er sich souverän durch die „gefrorene Zeit“ hindurch bewegen kann – zumindest in seiner Fantasie. Was eine ganze Menge neuer Möglichkeit eröffnet, vor allem dann, wenn man als Kunststudent auf der Suche nach Modellen ist, die bereitwillig stillstehen, um sich zeichnen zu lassen.

Plötzlich kehrt das Leben wieder zurück, Ben versteht es, die Zeit, die bislang sein Gegner war, für sich zu nutzen. Und er entdeckt, dass es ihm die hübsche Kassiererin Sharon (Emilia Fox) angetan hat und dass diese Zuneigung durchaus auf Gegenliebe stößt. Doch die Geschichte mit seiner Ex-Freundin Suzy ist noch nicht ganz ausgestanden…

Es ist schon erstaunlich, welche außergewöhnlichen Filme derzeit von jungen Filmemachern in Großbritannien gedreht werden. Und noch erstaunlicher – bzw. erschreckender – ist es, dass diese Filme zwar im Vereinigten Königreich und auf einigen internationale Festivals große Erfolge feiern, sie es aber nicht auf die deutschen Kinoleinwände schaffen. Das war bei This is England von Shane Meadows bereits so und auch bei Sean Ellis’ Cashback verhält es sich leider nicht anders. Dabei hat gerade Letzterer fast alles, was ihn auch hierzulande zu einem kleinen Überraschungserfolg hätte werden lassen können: Sympathische, unverbrauchte Gesichter, erstaunliche Bilder, die es teilweise in dieser Form noch nicht zu sehen gab, eine bittersüße Liebesgeschichte, britischer Humor und quasi nebenbei beeindruckende Betrachtungen über das Wesen der Zeit, über Trauer, Liebe und Schmerz – nahezu perfekte Kinounterhaltung der intelligenten und zugleich unterhaltsamen Art. Schade, dass es dieses Filmvergnügen nicht auf die Leinwand geschafft hat und umso schöner, dass es nun zumindest auf DVD erhältlich ist. Denn genau solche Filme sind es, die derzeit dem Kino fehlen – ob in Deutschland, den USA oder im Vereinigten Königreich.

Cashback

„Die Zeit heilt alle Wunden“, weiß der Volksmund – von wegen. Ben Willis (Sean Biggerstaff), ein junger Kunststudent aus London, weiß, dass dem nicht so ist. Zumindest nicht in seiner momentanen Lebenssituation.
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