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16 03/11

Viennale 2016: „Cinema Futures“ von Michael Palm

Cinema Futures von Michael Palm hätte leicht der traurigste Film des Jahres sein können. Ein Filmessay, das vom Sterben des Films erzählt. Aber dazu ist Palm trotz einiger humoristischer und dramatisierender Auswüchse zu nüchtern. Genau darin liegt auch eine der großen Stärken der vom Österreichischen Filmmuseum initiierten Arbeit, die letztlich weniger vom Sterben eines Mediums erzählt, als vom Speicher- und Erhaltungstrieb einer sich transformierenden, medialen Welt. Dieses Thema scheint jetzt besonders stark im Kino und im Kinodiskurs angekommen, man beginnt, ein wenig zu begreifen, was in den vorigen Jahren geschehen ist. Die Anzahl der Fragen, die Cinema Futures (der Titel steht nicht umsonst im Plural, der Möglichkeiten eröffnet) stellt, zeigt aber auch, vor welcher Unsicherheit das Kino steht.


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16 02/11

Viennale 2016: „World Without End“ von Jem Cohen

Beim Übergang vom Stumm- auf den Tonfilm gab es viele große Stars, die auf der Strecke blieben. Die Poesie ihrer Bewegung, ihrer Mimik und Gestik war nicht mehr gefragt und ihre Stimme war den Anforderungen des Tonfilms nicht gewachsen. Sie zerstörte in manchen Fällen erst die Illusionen und dann die Karriere. Sunset Boulevard von Billy Wilder zeigt das ziemlich eindrücklich. Man könnte überlegen, ob es ähnliche Opfer der Veränderung im beinahe abgeschlossenen Wandel vom analogen zum digitalen Kino gibt. Filmemacher, die nicht mehr funktionieren mit dem neuen Medium. Ein Beispiel dafür wäre, auch wenn diese Aussage im Hinblick auf seinen Museum Hours sicherlich ein wenig zugespitzt erscheint, Jem Cohen.


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16 02/11

Viennale 2016: "Under the Shadow" von Babak Anvari

Der Erste Golfkrieg, also die acht Jahre andauernde Auseinandersetzung (1980-1988) zwischen dem Iran und dem Irak, bildet den Hintergrund von Babak Anvaris Geistergeschichte Under the Shadow, die gleich aus mehreren Gründen ein Unikum darstellt. Zum einen, weil man den Iran trotz des großartigen A Girl Walks Home Alone at Night von Ana Lily Amirpour immer noch nicht als guten Nährboden für Genrefilme begreift. 


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16 01/11

Viennale 2016: "Don`t Blink - Robert Frank“ von Laura Israel

Der Titel dieses Porträtfilms über den großen Fotografen und Filmemacher Robert Frank ist ein Aufruf: Nicht Blinzeln. Damit ist zum einen ein Motto gemeint, das der gebürtige Schweizer Frank am Ende des Films gewohnt ironisch von sich gibt und als Ratschlag für Fotografen bereithält, zum anderen aber auch ein Lebensgefühl. Denn weit mehr als ein gewöhnliches Porträt ist der Film von Franks langjähriger Cutterin und Archivarin Laura Israel ein Beat-Mosaik aus gefundenen und neu entstandenen Schnipseln, die in sich gefügt ein Bild des Mannes ergeben sollen.


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16 31/10

Viennale 2016: "La mort du Louis XIV" von Albert Serra

Albert Serra ist ein Filmemacher wiederkehrender Obsessionen. In seinem La mort du Louis XIV betrifft diese die Fragen der Sterblichkeit und der Ikonen. Beiden begegnet er mit der größtmöglichen Banalität. In der Rolle des titelgebenden Sonnenkönigs lebt Jean-Pierre Léaud, dessen Filmkarriere als rennendes Kind begann, das Milch in einem Zug aus Flaschen leerte, und der hier an sein Bett gefesselt kaum einen Bissen von seinen Silberlöffeln hinunter bekommt.


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16 29/10

Viennale 2016: "66 Kinos" von Philipp Hartmann

Vielleicht sieht so ja die Zukunft des Kinos aus oder zumindest ein kleiner Bestandteil davon: Ein Filmemacher dreht einen Film, erledigt danach all die Verleiharbeit selbst, telefoniert alle in Frage kommenden Lichtspieltheater in Deutschland ab, packt danach seinen Film unter den Arm und macht sich auf die im Alleingang organisierte Kinotour.

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16 28/10

Sehtagebuch Viennale 2016, Teil 2 (Irritierendes, Erhellendes, Begeisterndes)

Nun sind wieder einige Tage ins Land gegangen und etliche Filme gesehen worden und der Zeitpunkt meiner Abreise (auch wenn die Viennale noch bis Mittwoch geht) nähert sich rasant. Den Abschluss meines Viennale-Besuchs bildete sehr passend Paul Verhoevens extrem irritierendes neues Werk Elle, das auch der letzte Film in Cannes in diesem Jahr war. Dort freilich hatte ich ihn verpasst, so dass ich diese Lücke nun endlich in Wien schließen konnte.


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16 28/10

Viennale 2016: "The End" von Guillaume Nicloux

The End von Guillaume Nicloux ist ein andauerndes, existenzielles Aufeinandertreffen von Gegensätzen, ein Film, in dem sich Dinge so stark aneinander reiben, dass man zwischendurch dasselbe mit den eigenen Augen machen möchte. Das betrifft zum einen Körperliches und Allegorisches, zum anderen Natürliches und Spirituelles und schließlich die Zeit selbst, die brutal aus den Fugen ihres größten Sicherheitsnetzes gehoben wird: der Chronologie.


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16 27/10

Viennale 2016: „Le parc“ von Damien Manivel

Es gehört immer wieder zu den schönsten Erfahrungen, die man im Kino machen kann, dass der Verzicht (und sei es nur ein zwangsläufiger und kein freiwilliger) auf große Budgets nicht einschränkend sein kann, sondern im Gegenteil befreiend und anregend. Und das ist genau das Gefühl, das sich dem Zuschauer bei Damien Manivels Le parc aufdrängt, der dem alten - vielleicht sogar ältesten - Plot der Welt Boy meets Girl neues Leben und eine Frische, Freiheit und Radikalität einhaucht, die eindeutig belebend und inspirierend wirkt.


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16 27/10

Viennale 2016: „The Lovers and the Despot“ von Rob Cannan und Ross Adam

Wie schön wäre es doch, wenn ausgeprägte Cinephilie die solchermaßen Befallenen gleichzeitig und en passant auch zu besseren Menschen machen würde. Leider - und das habe ich schon manchmal befürchtet - ist dem nicht so, wofür Rob Cannans und Ross Adams Dokumentarfilm The Lovers and the Despot ein eindrückliches Beispiel ist. Immerhin sorgt der ebenso unterhaltsame wie unglaubliche Film für den Beweis (falls es eines solchen noch bedurft hätte), dass das Leben immer noch die besten Geschichten schreibt.


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