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17 02/11

Viennale 2017: "Last Flag Flying" von Richard Linklater

Richard Linklater hat im Laufe seiner Karriere bereits einige Filme gemacht, die nur schwer mit seinem Image als Spezialist für persönliche Beziehungsdramen mit philosophischer Note vereinbar sind: Seine erste Regiearbeit für ein großes Studio, The Newton Boys (1998) über die gleichnamige Western-Gang, ein etwas verlorenes Projekt zwischen Spätwestern, Gangsterfilm und Komödie; ein Remake des 1970er-Jahre-Klassikers Bad News Bears (2005) über ein Kinder-Baseballteam und dessen griesgrämigen Alkoholiker-Trainer; Fast Food Nation (2006), die Verfilmung eines Sachbuchs über die dunklen Seiten der Lebensmittelindustrie, von Linklater als melancholisches Einwandererdrama interpretiert; oder Me and Orson Welles (2008), in der Zac Efron - kurz nach seinem Durchbruch mit High School Musical (2006) - in einer Rolle als Jungschauspieler in den 1930ern auf Orson Welles in seiner Zeit am Mercury Theater trifft. 


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17 02/11

Viennale 2017: "Sexy Durga" von Sanal Kumar Sasidharan

Schon der Beginn von Sanal Kumar Sasidharans Sexy Durga ist überaus unangenehm und beklemmend: In einem Ritual für die hinduistische Göttin Durga tanzen sich junge Männer derart in Trance, dass sie sich anschließend allerlei Instrumente und Haken durch die Haut bohren lassen. Anschließend werden sie in komplizierten Hebevorrichtungen und nur durch Seile an ihren in den Körper hineingebohrten Haken hängend wild hin und her schaukelnd durch den Ort gefahren, begleitet von einem infernalischen Lärm, von ekstatischen Trommelrhythmen und einer großen Menschenmenge, die die gepeinigten Helden feiert.


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17 01/11

Viennale 2017: "The Public Image is Rotten" von Tabbert Fiiller

John Lydon alias Johnny Rotten ist wohl einer der großen Überlebenden der Popgeschichte – und nach Tabbert Fiillers überaus lebendigem Dokumentarfilm The Public Image is Rotten stellt man beinahe zwangsläufig fest, dass man womöglich seine Verdienste bisher völlig falsch eingeschätzt hat, indem man den charismatischen Sänger bisher vor allem für seine kurze Zeit bei den Sex Pistols wertschätzte, während seine zweite, viel länger andauernde Karriere als Frontmann von Public Image Limited (kurz PiL) ungerechtfertigter Weise stets im Schatten stand. Wie gut, dass Fiiller mit seinem Werk nun Platz schafft und genau diese bis heute anhaltende Schaffensphase in den Mittelpunkt seines Films stellt.


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17 30/10

Viennale 2017: "Grace Jones: Bloodlight and Bami" von Sophie Fiennes

Unglaublich, dass diese Frau kurz davor ist, 70 Jahre alt zu werden. Noch immer löst Grace Jones bei großen Fangemeinden euphorische Reaktionen aus, wenn sie bei den Worten „Ladies and Gentlemen: Miss Grace Jones!“ die Bühne betritt und Songs wie Pull Up to the Bumper, Warm Leatherette oder Strange, I’ve Seen that Face Before zum Besten gibt. Noch immer wirkt sie ebenso alters- wie geschlechtslos, noch immer verfügt sie über diese unglaubliche Stimme, diese ganz spezielle Art des Sprechgesangs, die zu ihrem Markenzeichen wurde. Noch immer liebt sie extravagante Kostüme und Hüte und zelebriert den ganz großen Auftritt.


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17 30/10

Viennale 2017: "A Ghost Story" von David Lowery

Man kennt das Spiel von Kindern, die sich ein Bettlaken über den Kopf ziehen und auf diese Weise mit ganz einfachen Mitteln zum Gespenst werden. Rasch noch zwei Löcher für die Augen hineingeschnitten und fertig ist die Maskerade, mit der es sich zumindest in jungen Jahren herrlich gruseln lässt. In David Lowerys Trauerstudie A Ghost Story reicht der Geschichte dieses Utensil, um jenseits jeglichen Mummenschanzes in die Untiefen und Abgründe von Trauer und Verlust hinabzusteigen und eine Parabel über die Dinge des Lebens und des Todes auf die Leinwand zu malen, die sich ganz langsam und ohne jeden falschen Hokuspokus ihrem schwierigen Thema nähert. Auf diese Weise entsteht eine Geschichte, die den Zuschauer aufgrund ihrer teilweise aufreizend langen Einstellungen immer wieder am dünnen Faden der eigenen Geduld zappeln lässt, um dann zu Momenten großer Humanität und tiefer Empfindsamkeit zu finden.


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17 27/10

Viennale 2017: "Wonder Wheel" von Woody Allen

Manchmal ist die Welt des Kinos ihren Schützlingen und Lieblingen eben doch gnädig. Und ganz gewiss zählt Woody Allen zu den Favoriten des Kinogottes. Dass dessen neuer Film Wonder Wheel nun seine Premiere nicht wie gewohnt beim Filmfestival in Cannes feierte, sondern das New York Film Festival als Abschlussfilm beendete, könnte auf den ersten Blick wie eine Niederlage erscheinen, auf den zweiten andere Gründe haben oder es könnte schlichtweg auf eine göttliche Intervention zurückzuführen sein, denn das Fachpublikum an der Croisette ist gewohnt bissig und kritisch und nimmt dabei frech nicht mal Altmeister des Kinos unter besonderen Schutz. Insofern ist Allen womöglich Schlimmeres erspart geblieben, und der Film ist in New York viel besser aufgehoben. Immerhin atmet der Film vor allem eines: Nostalgie für all jene, die sich nach dem alten New York – konkreter: dem alten Coney Island – zurücksehnen.


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17 27/10

Viennale 2017: "Ex Libris: New York Public Library" von Frederick Wiseman

Seit 1967 und seinem Titicut Follies zeigt und durchdringt Frederick Wiseman mit seinen Filmen amerikanische Institutionen. Dabei spiegeln sich auch immer wieder gesellschaftliche und politische Realitäten der jeweiligen Zeit in der Betrachtung der Arbeitsprozesse hinter und im öffentlichen Bild der jeweiligen Organisation.


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17 24/10

Viennale 2017: "Becoming Cary Grant" von Mark Kidel

In Monkey Business von Howard Hawks kommt Cary Grant in der ersten Szene des Films durch eine Tür gelaufen. „Jetzt noch nicht, Cary“, sagt eine Stimme aus dem Off und der Darsteller verschwindet noch einmal hinter der Tür, ehe der Film wirklich beginnt. Die für Showtime produzierte Dokumentation Becoming Cary Grant von Mark Kidel befindet sich trotz ihres Titels auf der anderen Seite der Tür. Hier wird niemand Cary Grant, er ist schon geworden. Der Film gibt im Titel einen Einblick vor, den er aufgrund seiner unausgegorenen Strategien nie erfüllen kann.


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16 03/11

Viennale 2016: „Cinema Futures“ von Michael Palm

Cinema Futures von Michael Palm hätte leicht der traurigste Film des Jahres sein können. Ein Filmessay, das vom Sterben des Films erzählt. Aber dazu ist Palm trotz einiger humoristischer und dramatisierender Auswüchse zu nüchtern. Genau darin liegt auch eine der großen Stärken der vom Österreichischen Filmmuseum initiierten Arbeit, die letztlich weniger vom Sterben eines Mediums erzählt, als vom Speicher- und Erhaltungstrieb einer sich transformierenden, medialen Welt. Dieses Thema scheint jetzt besonders stark im Kino und im Kinodiskurs angekommen, man beginnt, ein wenig zu begreifen, was in den vorigen Jahren geschehen ist. Die Anzahl der Fragen, die Cinema Futures (der Titel steht nicht umsonst im Plural, der Möglichkeiten eröffnet) stellt, zeigt aber auch, vor welcher Unsicherheit das Kino steht.


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16 02/11

Viennale 2016: „World Without End“ von Jem Cohen

Beim Übergang vom Stumm- auf den Tonfilm gab es viele große Stars, die auf der Strecke blieben. Die Poesie ihrer Bewegung, ihrer Mimik und Gestik war nicht mehr gefragt und ihre Stimme war den Anforderungen des Tonfilms nicht gewachsen. Sie zerstörte in manchen Fällen erst die Illusionen und dann die Karriere. Sunset Boulevard von Billy Wilder zeigt das ziemlich eindrücklich. Man könnte überlegen, ob es ähnliche Opfer der Veränderung im beinahe abgeschlossenen Wandel vom analogen zum digitalen Kino gibt. Filmemacher, die nicht mehr funktionieren mit dem neuen Medium. Ein Beispiel dafür wäre, auch wenn diese Aussage im Hinblick auf seinen Museum Hours sicherlich ein wenig zugespitzt erscheint, Jem Cohen.


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